Rat verabschiedet Gemeindearchivar Johannes Grote (89)

Das historische Gedächtnis Oytens

Gemeindearchivar Johannes Grote wird von Bürgermeisterin Sandra Röse und dem Ratsvorsitzenden Günter Block-Osmers verabschiedet.
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Gemeindearchivar Johannes Grote wurde im Oytener Rathaussaal offiziell aus seinem Ehrenamt verabschiedet. Bürgermeisterin Sandra Röse und Ratsvorsitzender Günter Block-Osmers dankten dem 89-Jährigen mit herzlichen Worten und Präsenten und schlossen auch seine Frau Christa ausdrücklich in das Dankeschön mit ein.

Oyten – „Wenn Herr Grote das nicht weiß, dann weiß es keiner.“ Davon ist man in Oyten überzeugt, wenn es um Fragen zur Geschichte des Orts und seiner Einwohner geht. Über Jahrzehnte war Heimatforscher und -archivar Johannes Grote für viele erster Ansprechpartner in Sachen Lokalhistorie – lange, lange bevor die Kommune ihn 2014 auch offiziell zum Gemeindearchivar machte. Aus gesundheitlichen Gründen gibt der 89-Jährige sein Ehrenamt jetzt auf. Am Montagabend wurde Johannes Grote im Rahmen der Gemeinderatssitzung und im Beisein seiner Familie im Rathaussaal verabschiedet.

Bis heute hortet der Archivar das historische Gedächtnis Oytens samt eigener Publikationen in Schrankwänden voller Sammelordner vorwiegend bei sich zu Hause, bis heute hat die Gemeinde keinen Raum dafür. Weshalb Bürgermeisterin Sandra Röse ihre Laudatio mit einer Entschuldigung begann: „Ich bedauere von Herzen, dass wir Sie nicht mehr unterstützt haben.“

Bei der Sichtung und Sicherung von Zeitzeugnissen gehe es nicht um Aufbewahrung um der Aufbewahrung willen, betonte die Bürgermeisterin, sondern um das Verstehen von Geschichte und Zusammenhängen. Der älteste von Grote gehütete Zeitungsausschnitt datiere von 1874, seine mit Akribie und Leidenschaft erarbeitete Höfechronik reiche bis 1630 zurück. Mit unglaublicher Energie habe Grote jahrzehntelang viel für den Ort und die Gemeinschaft gegeben.

„Das ist eigentlich eine Sache, die ich mit vielen zusammen gemacht habe“, sagte Johannes Grote mit Verweis auf die Archivgruppe des Heimatvereins. „Wenn ich auch lange keinen Zugang zum Rathaus fand, so haben wir doch nicht die Hände in den Schoß gelegt, sondern weiter an der Geschichte und der Höfechronik gearbeitet“, blickte Grote zurück. 1979 erschien das Buch „Oyten – Ein Heimatbuch“ und 1983 der Fotoband „Oyten in Bildern“. Geschichten über Oyten nahm Grote über Jahre beim monatlichen Klönschnack im Heimathaus via Tonband auf – 130 davon verewigte er 1999 in dem Buch „Dütt un datt up Hooch un Platt“. Auch die 2004 erschienene Chronik „800 Jahre Oyten“ trägt maßgeblich Grotes Handschrift. „Historische Wanderung durch Orten“, „Kirche mitten im Ort“ und „100 Jahre TV Oyten“ sind Broschüren, die ohne Grotes gesammeltes Wissen nicht möglich gewesen wären.

Neben seinem heimatgeschichtlichen Einsatz füllte er übrigens seit 1970 weitere Ehrenämter etwa im Wahlausschuss oder als Schiedsmann der Gemeinde aus. Für den Heimatverein, dessen Ehrenvorsitzender er seit Langem ist, organisierte er ungezählte Klönnachmittage und Doppelkopfabende.

2014 beschloss der Rat, die Stelle eines ehrenamtlichen Gemeindearchivars einzurichten und mit der Institution Johannes Grote zu besetzen. Bis zur offiziellen Ernennung dauerte es nochmal bis 2017. In seiner Abschiedsrede erinnerte Grote an die definierten Aufgaben und Ziele: „In der Gemeinde Oyten muss es eine Stelle geben, die alle Anfragen zur Geschichte Oytens beantworten kann.“ Und: „Das Gemeindearchiv sollte unbedingt im Oytener Rathaus in einem eigenen Raum untergebracht sein. Es wäre mein ganz großer Wunsch, dass dies in naher Zukunft auch so sein wird!“

Nicht zuletzt, weil die Einsicht in die Archivalien grundsätzlich allen Interessierten möglich sein müsse: „Ein Archiv lebt davon, gepflegt und benutzt zu werden“, betonte Grote – und formulierte damit gleichzeitig den Arbeitsauftrag an seine designierten Nachfolger Hermann Wahlers und Reena Saschowa, die derzeit als Ratsmitglieder politische Ehrenämter bekleiden.

Bürgermeisterin Sandra Röse und Ratsvorsitzender Günter Block-Osmers dankten Johannes Grote für sein Lebenswerk mit herzlichen Worten, Blumen und einem Präsentkorb – der überwiegend virtuell zugeschaltete Gemeinderat applaudierte stumm an den heimischen Bildschirmen.

Von Petra Holthusen

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