Dankeschön-Abend für Oytener Flüchtlingsbetreuer mit Staatssekretär Mielke

„Das alles geht nur, weil viele mit anpacken – so wie Sie!“

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Staatssekretär Dr. Jörg Mielke (mit Mikro) war Gastredner beim Dankeschön-Abend für die ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierten Oytenerinnen und Oytener, die Bürgermeister Manfred Cordes (li.) ins Rathaus eingeladen hatte.

Oyten - „Zeit, mal Dankeschön zu sagen“ war nach Worten von Bürgermeister Manfred Cordes am Montag im Rathaussaal, wo die Gemeinde Oyten ihre ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierten Bürgerinnen und Bürger zu einem geselligen Abend mit Essen, Information und Austausch eingeladen hatte. Die Chance, „im Namen von Ministerpräsident Weil auch als Land Dank zu sagen“, nutzte als Gastredner der Chef der Niedersächsischen Staatskanzlei, Staatssekretär Dr. Jörg Mielke. „Bitter, bitter notwendig“, so Mielke, sei der menschlich-nachbarschaftliche Einsatz in einer Situation, in der der Staat an vielen Ecken und Kanten überfordert sei.

Mehr als 80 ehrenamtlich Aktive, die in Sprachcafés und Sportvereinen, in Organisationen wie der Tafel und dem Rotary-Club oder in Privatinitiativen Kriegs- und Terrorflüchtlingen aus Syrien und afrikanischen Staaten das Ankommen und Einleben hier erleichtern, sie im Alltag betreuen und unterstützen, waren der Einladung zum Dankeschön-Abend gefolgt.

216 Flüchtlinge leben aktuell in 14 Unterkünften im Gemeindegebiet Oyten. „Bis Ende Januar werden wir 330 aufgenommen haben“, so Cordes. „Wenn wir von Flüchtlingshilfe sprechen, sprechen wir in erster Linie von Nachbarschaftshilfe“, sagte der Bürgermeister. Wo immer in Oyten eine Unterkunft eingerichtet werde, „bilden sich spontan und ungefragt Nachbarschaften, die helfen“, schilderte Cordes anerkennend. Für dieses bürgerliche Engagement in hohem Maße „stehen Sie“, würdigte der Bürgermeister die im Saal Versammelten und betonte: „Die Gemeinde ist darauf angewiesen, dass Bürger unentgeltlich was für andere tun – das ist praktizierte Nächstenliebe, das ist beispielhaft und unbezahlbar.“

„Flüchtlinge – das Thema bewegt uns alle wie kein anderes“, unterstrich Staatssekretär Dr. Jörg Mielke, „das Thema Terror wird vorübergehen – das Thema Flüchtlinge werden wir behalten.“ Wie alle Menschen hätten die ankommenden Flüchtlinge das Bedürfnis, angenommen, willkommen geheißen und anerkannt zu werden – „und Sie zeigen diesen Menschen, die zu uns kommen, unser freundliches Gesicht“, würdigte der Regierungsvertreter die Helfer in der Flüchtlingsbetreuung. 2013 habe es in Niedersachsen 1300 Erstaufnahmeplätze gegeben – „bis Jahresende 2015 werden wir 25000 haben“, so Mielke, „und das alles geht nur, weil ganz viele mit anpacken – so wie Sie!“

Von den tagtäglichen organisatorischen und logistischen Herausforderungen des Flüchtlingsstroms für den Landkreis Verden berichtete in einer Talkrunde von hauptamtlichen „Flüchtlingshelfern“ Bernd Dannheisig, Fachdienstleiter Soziales beim Landkreis. Er bedankte sich ausdrücklich dafür, dass selbst auf die Belegung von Sporthallen mit Verständnis reagiert werde. Wohnraum beschaffen, Inventar besorgen, Dolmetscher finden... – auch der Arbeitstag von Reinhold Oelkers, Sachbearbeiter bei der Gemeindeverwaltung, hat derzeit meist zwölf Stunden, wie er erzählte. Jutta Mischendahl-Pape, Geschäftsführerin des mit der Sozialbetreuung der Flüchtlinge beauftragten Caritasverbandes Verden, schilderte die rasante Entwicklung von 30 Wochenstunden auf vier volle Sozialarbeiterstellen – „und wir rennen immer noch hinterher“.

Fußballspartenleiter Adrian Liegmann vom TSV Bassen berichtete von zahlreichen Flüchtlingen im Verein und unterstrich die integrative Kraft des Mannschaftssports. Michael Schwieger, Leiter der Polizeistation Oyten, hatte in der Talkrunde „aus polizeilicher Sicht eigentlich nichts zu sagen“, wie er sagte. Die Kriminalität bei den Flüchtlingen tendiere gegen Null. Trotz aller Belastung und Anspannung gebe es keine eskalierenden Situationen – „auch dank Ihres Einsatzes“, lobte Schwieger die Flüchtlingsbetreuer, „ich kann nur vor Ihnen allen den Hut ziehen“.

Vertiefende Fragen zu Sprachkursen, Arbeitserlaubnissen und psychologischer Betreuung sorgten für einen angeregten Dialog, bevor der Bürgermeister ans Buffet rief.

pee

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