Porträt

Hans-Heinrich Grahl ist „Wühlmaus“ und neuer Landschaftswart für Oyten

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Eine Wiese weiter beginnt vor der Haustür von Landschaftswart Hans-Heinrich Grahl das Schutzgebiet Königsmoor-Süd.

Oyten – „Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur.“ Und um „das bisschen, was wir noch haben, zu vererben, nicht zu verderben“, krempelt Hans-Heinrich Grahl seit fünf Jahren die Ärmel hoch – Woche für Woche zusammen mit seiner Landschaftspflege-Truppe „Wühlmäuse“ in Königsmoor, Sietmoor, am Hölschenteich und auf anderen renaturierten Flächen, tausende von Stunden im Jahr, freiwillig und unentgeltlich.

Und jetzt sogar mit Dienstausweis und Lizenz vom Landrat: Ende vorigen Jahres wurde Hans-Heinrich Grahl für fünf Jahre zum neuen Landschaftswart des Landkreises Verden für das Gebiet der Gemeinde Oyten bestellt. Grahl nennt sein Ehrenamt lieber „Landschaftswacht“, was es gut trifft. Die neue Funktion vermehrt sein Arbeitspensum um die Überwachung kreiseigener Flächen, aber auch seinen politischen Einfluss. Kraft Amtes hat der 64-Jährige jetzt Mitspracherecht im Umweltausschuss des Oytener Gemeinderates und im interfraktionellen Arbeitskreis Landwirtschaft.

Sein ganzes Berufsleben, 47 Jahre lang, war der gebürtige Bassener und gelernte Zerspanungsmechaniker im Bremer Mercedes-Werk beschäftigt, programmierte Werkzeugmaschinen und bildete den Nachwuchs aus. „Ehrenamtlich engagiert“, so Grahl, „war ich auch dort schon viele Jahre.“ Im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer oder auch als Wahlvorstandsvorsitzender bei Daimler: „Eine Betriebsratswahl für 14.000 Wahlberechtigte zu organisieren, das war schon ordentlich Arbeit.“

Seit mehr als 40 Jahren lebt er mit seiner Familie auf dem schwiegerelterlichen Hof am Berg in Oyten. Eine Wiese weiter beginnt gleich vor seiner Haustür das Landschaftsschutzgebiet Königsmoor-Süd. Das kennt Grahl wie seine Westentasche, und hier traf er beim Spazierengehen mit seinem Hund auch regelmäßig die vom früheren obersten Naturschützer Kurt Hormann initiierte Rentnergang „Wühlmäuse“ bei der Arbeit. „Wenn ich in Rente gehe, unterstütze ich euch!“, versprach Grahl. Als er vor knapp fünf Jahren mit 60 aufhörte zu arbeiten, löste er sein Versprechen ein. Dass die Natur immer ärmer wird an Tieren, Pflanzen und Artenvielfalt, hatte er lange beobachtet, dagegen anzuarbeiten sah er als lohnendes Ziel.

„Wühlmäuse“ setzen 850 Heckenpflanzen

In den vergangenen fünf Jahren setzten die „Wühlmäuse“ gemeindeweit 850 Heckenpflanzen, legten Blühstreifen und Streuobstwiesen an, siedelten Eidechsen um, bauten Insektenhotels und Storchennester, schnitten Feuchtbiotope frei und erweiterten die Heide im Königsmoor um 400 Quadratmeter durch Abtrag von Humus und Aussaat von Mähgut – alles in allem vielfältige neue Lebensräume für bedrohte Pflanzen sowie Nistplätze und Nahrungsquellen für Vögel, Insekten und Wildtiere, die dort wieder heimisch werden können. 

Alles, was die „Wühlmäuse“ machen, geschieht immer in Absprache mit Naturschutzbehörde und Gemeinde. „Und wir arbeiten fachmännisch“, unterstreicht Grahl. So gibt es keine Pflanzungen, ohne vorher den Boden zu beproben. Wie alle „Wühlmäuse“ hat sich Grahl viel Wissen über Natur und Landschaft angeeignet. 

Das vertieft er gerade bei einem fünfteiligen Landschaftspflegekurs in der Nähe von Bremerhaven. Heckenstrukturen, Saumstreifen, Gehölzpflege, Totholz- und Schnittgutverwertung sind einige der Themen auf dem Unterrichtsplan. Grahl freut sich, dass die Gemeinde den Lehrgang nicht nur für zwei „Wühlmäuse“ bezahlt, sondern auch zwei Bauhof-Mitarbeiter dort teilnehmen lässt – und so ihre Wertschätzung für Natur- und Landschaftsschutz ausdrückt.

„Arbeit geht nur im Team“

Weil Landschaftspflege und „Wühlmäuse“ in Oyten fast ein und das selbe sind, war es ihnen wichtig, dass auch der neue Landschaftswart wieder aus ihren Reihen kommt. Grahl bewarb sich gern und erfolgreich, betont aber: „Die Arbeit geht nur im Team – das machen wir gemeinsam.“ 

Alle 15 „Wühlmäuse“ bringen sich mit ihrem Wissen und Können ein – und vermitteln den Naturschutzgedanken weiter, etwa in jährlichen Projekten für Schulkinder. Die Belange des Naturschutzes in Politik und Landwirtschaft zu tragen, macht sich Grahl zur Aufgabe: „Dass Hecken und Blühsäume an Ackerrändern kaputtgepflügt und Wiesen in Landschaftsschutzgebieten mit Gülle zugekippt werden, muss aufhören“, aber auch gegen Vermaisung, Grünlandumbruch und Pestizideinsatz „wollen wir im Dialog zusammen etwas erreichen“.

Kontakt:

Landschaftswart Hans-Heinrich Grahl ist für Naturschutzinteressierte unter Telefon 0157 / 50653454 zu erreichen und per E-Mail an heiniamberg@t-online.de.

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