Zu Besuch bei den Bürgermeister-Kandidaten

Heiko Oetjen (SPD): „Einer von hier und für hier“

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Bürgermeisterkandidat Heiko Oetjen (50) mag seinen Garten mit Schafen, Hühnern, Hunden und Katzen.

Oyten - Von Petra Holthusen. In den 70er- und 80er- Jahren wurde im Autohaus von Albert Duhn in Bassen weit mehr bewerkstelligt als Renaults und Fiats zu reparieren. Hier machte Onkel Albert, wie die Nachbarskinder ihn nannten, Politik – von hier wurde das Dorf regiert.

Wer Sorgen, Fragen oder Anliegen hatte, kam zum Ortsbürgermeister in die Werkstatt, Onkel Albert regelte das schon. „Das war wie ein kleines Rathaus“, erzählt Heiko Oetjen. Von seinem Elternhaus am Langen Berg war das Auto(rat)haus nur ein paar Schritte weg: „Wir haben da immer gespielt und natürlich alles mitgekriegt.“ Das war prägend für Oetjen. 

Albert Duhn, heute 91, wurde sein Vorbild: „Klare Kante, ehrliche Haut, immer menschlich geblieben.“ Oetjen folgte Duhn schon als Jugendlicher in die SPD und mit 23 Jahren in den Gemeinderat. Das war 1991. Seitdem macht er selbst Politik für Gemeinde und Kreis, und der nächste Schritt ist für ihn komplett logisch: Heiko Oetjen (50) will hauptamtlicher Bürgermeister in Oyten werden.

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Erfolgreiche Politik ist für den Bassener klar definiert: „Es muss den Menschen besser gehen als vorher.“ Der Mensch stehe für ihn im Zentrum des Handelns, und mehr Menschlichkeit sei heute nötiger denn je. Oetjens Wahlkampfwerbung für sich war deshalb schnell formuliert: „Mehr Mensch“. Mit Humor in selbstironischer Anspielung auf seine Figur übrigens durchaus doppeldeutig gemeint: „Mehr Mensch bin ich ja auch qua Masse.“

Auf den Spuren von Manfred Cordes

Kommunalpolitisch folgt Oetjen den Spuren des jetzigen Bürgermeisters Manfred Cordes. Wie Cordes war er der jüngste SPDler im Rat. Zehn Jahre später beerbte Oetjen Cordes, als der zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt wurde, als SPD-Fraktionschef und wurde als ehrenamtlicher Bürgermeister sein repräsentativer Stellvertreter. Jetzt will Oetjen von Cordes den Chefsessel im Rathaus übernehmen.

Sein Einstieg 1991 war „hammerhart“: Es herrschte quasi Krieg zwischen SPD und CDU im Rat: „Sowas will ich nie wieder erleben“, sagt Oetjen. Dass seit vielen Jahren wieder „ruhig und zielgerichtet zusammengearbeitet wird und es immer um die Sache geht“, rechnet er sich auch als sein Verdienst an: „Nach außen bin ich ein großer polteriger Kerl, aber im politischen Wirken nach innen ganz anders.“ „Vertrauensvoll auf Augenhöhe Kompromisse auszuloten, das ist das Entscheidende für mich“, sagt Oetjen. Das handhabe er so als Fraktionsvorsitzender in Rat und Kreistag, und das sei auch das Entscheidende für das Bürgermeisteramt – sein Ziel. Landtag oder Bundestag, „das ist mir alles viel zu abgehoben“, ergänzt Oetjen, „ich bin bodenständig, einer von hier und für hier“.

Angesprochen zu werden macht „tierisch Spaß“

Wie früher Onkel Albert von Einwohnern angesprochen zu werden, weil ein Bordstein nicht abgesenkt ist oder den Leuten was anderes quer liegt, das macht Oetjen „tierisch Spaß“. Aber: „Man muss auch mal Nein sagen können, darf nicht das Blaue vom Himmel versprechen.“

Oetjen ist „bekannt wie ein bunter Hund“, und er bewegt sich in einem breit gespannten Netzwerk. Das geht los mit dem großen, vielschichtigen Freundeskreis („oft noch aus Schulzeiten“), Stammtischen, Kartenrunden, seinem kreisweiten Bayern-München-Fanclub und den örtlichen Vereinen: Mitglied ist er überall, beim TSV hat er auch bis zur A-Jugend gekickt, den Dorfgemeinschaftsverein in Blocks Huus hat er an der Seite von Ziehvater Duhn mit initiiert. Bei Bassener Events wie dem Ernte(volks)fest oder Partys mit „Torfrock“ hat Oetjen viele Jahre die Ärmel fürs Dorf hochgekrempelt.

Von diesem Fundament spinnen sich die Fäden weiter über Partei und politische Gremien zu Verantwortlichen in Nachbargemeinden, Kreis-, Landes- und Bundespolitik, und das parteiübergreifend. „Politik ist Netzwerk“, sagt der 50-Jährige, „wenn wir das nicht hätten, wäre zum Beispiel niemals der Abfallsortierhof auf Achimer Gebiet neben unserem schönen neuen Gewerbepark zu verhindern gewesen.“ Das rechnet Oetjen sich und seinen guten Kontakten an.

Beruflich feierte der 50-Jährige, der in Achim Abitur machte und in Bremen Politikwissenschaften studierte, gerade 25-jähriges Dienstjubiläum als Sportredakteur bei der Walsroder Zeitung. In dem Verlag ist er auch Betriebsratsvorsitzender. Über allem aber steht für ihn seine Familie. Als er vor 21 Jahren seine Meike heiratete, wurde das Haus seiner Eltern am Langen Berg nochmal aufgestockt. Hier wurden seine Töchter (heute 19 und 15) groß. Mit Leidenschaft steht Heiko Oetjen in der Küche: „Meike arbeitet gern im Garten, und ich koche dann. Am liebsten Hühnersuppe oder was Wildes mit Fleisch.“ Nicht das Fleisch, aber die Eier für den Stich in der Suppe liefern die Hühner, die sich Oetjens Garten mit Hunden, Katzen und Schafen teilen.

Acht schnelle Fragen – acht spontane Antworten:

Wie würde am Freitag, 1.   November 2019, Ihr erster Arbeitstag als Bürgermeister im Rathaus in Oyten aussehen?

Ich plane, schon zwei, drei Wochen vor dem 1. November anzufangen und ein Praktikum zu machen, alle Abteilungen im Rathaus zu durchlaufen, auf den Bauhof und in die Kitas zu gehen.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Oyten?

Unser Garten mit den ganzen Tieren ist schön. Aber Oyten hat viele schöne Ecken: am Oyter See, an der Wümme, im Königsmoor...

Wenn Sie überraschend einen ganz freien Tag hätten, wie würden Sie ihn verbringen?

Ausschlafen, für die Familie kochen und dann einfach mal nichts tun – ohne Buch, ohne Handy, einfach sitzen und sein.

Welche Berühmtheit würden Sie gerne mal persönlich treffen?

Donald Trump. Um zu wissen, ob der wirklich so ist, wie er rüberkommt.

Was wären Sie als ganz junger Mensch gern geworden?

Fußballprofi. Hat nicht gereicht. Dann wurde durch Schüler- und Vereinszeitung schnell klar, dass es in Richtung Journalismus geht.

Oyten 2030 – welche Visionen verbinden Sie damit?

Dann bin ich in meiner zweiten Amtszeit als Bürgermeister. Ich sehe glückliche, zufriedene Menschen, eine boomende IGS, mehr ÖPNV, mehr Zusammenarbeit mit Ottersberg und Achim.

Wem oder was können Sie nicht widerstehen?

Ich muss einfach jeden Hund streicheln.

Was mögen Sie an sich selbst – und was nicht so gern?

Ich mag meinen Humor – das zeichnet bei uns zu Hause alle aus, hier wird viel gelacht – und dass ich ehrlich bin. Gern hätte ich ein paar Kilo weniger auf dem Tacho, aber das ist nicht so einfach.

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