Bürgermeisterin Lausch spricht bei Oytener Ideenabend

„Engagement von Frauen in der Politik ist dringlich“

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Die Oytener Ratsfrauen Sandra Röse, Reena Saschowa, Mareike Kiss und Nina Vogelsang (hinten von links) warben gemeinsam mit der Edewechter Bürgermeisterin Petra Lausch und der Oytener Gleichstellungsbeauftragten Anne Fehn (vorne von links) für mehr Frauen in der Politik. Die gut besuchte Auftaktveranstaltung im Rathaussaal moderierte Gudrun Schütte (rechts).

Oyten - Noch immer sind Frauen in der Politik deutlich unterrepräsentiert – auf kommunaler Ebene ebenso wie in den Ländern oder im Bund. Zumindest für den örtlichen Bereich ändern wollen das die Frauen, die bereits mit Sitz und Stimme im Oytener Gemeinderat Politik machen, und Anne Fehn als Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Oyten.

Um Frauen für die lokale Politik und aktive Mitgestaltung zu begeistern, hatten Anne Fehn und die Ratsfrauen von CDU, SPD und Grünen gemeinsam für Donnerstag eingeladen zu einem Ideenabend im Rathaussaal, der mit „Frauen in die Politik – auf kreativen Wegen“ überschrieben war.

Der Einladung, gemeinsam neue Wege zu gehen und kreative Ansätze für die Zukunft zu finden, waren rund 60 Frauen gefolgt. Und als Gastreferentin Petra Lausch: Sie ist Bürgermeisterin im ammerländischen Edewecht und wurde wiederholt in ihrem Amt wiedergewählt. In Oyten sprach sie über Beweggründe und Möglichkeiten, sich in der Politik zu engagieren. Lausch selbst hatte bis 2001 „wenig am Hut mit Politik“. Sie arbeitete als Wirtschaftsförderin außerhalb ihrer Geburtsstadt Edewecht und hielt als solche dort einen Vortrag. Der machte offenbar Eindruck auf einige Sozialdemokraten. 

Zusage nach kurzer Bedenkzeit

Wenige Tage später erhielt sie von einem Edewechter Spitzen-Genossen einen Anruf und das Angebot, mit Unterstützung der SPD als Parteilose für das Amt der hauptamtlichen Bürgermeisterin zu kandidieren. Lausch erbat sich einige Tage Bedenkzeit und sagte dann zu: „Ich habe zugestimmt, weil ich sicher war, eine Chance zu haben. Überreden musste mich keiner.“ Der Wahlkampf war hart. Lausch ging von Haus zu Haus und warb um Vertrauen. Vom politischen Kontrahenten gab es kräftigen Gegenwind.

Ihren ersten Arbeitstag als Bürgermeisterin von Edewecht empfand Lausch als „gruselig“. Eine formelle Amtsübergabe hatte es nicht gegeben: „Ein Jahr lang war ich der beste Lehrling im Haus.“ Lausch nahm Einsicht in alle Vorgänge und erarbeitete sich Respekt. Sie leitete ihre erste Ratssitzung, ihre erste Bürgerversammlung und sie hielt ihre erste Rede. Dafür hatte ein Mitarbeiter den Text geschrieben. Keine gute Idee: „Die Rede war schwach. Es waren nicht meine Worte. Seitdem schreibe ich meine Reden selber.“

Petra Lausch („Ich habe immer Führungspositionen angestrebt“) meisterte die Herausforderungen als hauptamtliche Bürgermeisterin und alleinerziehende Mutter mit Hilfe guter Mitarbeiter, den eigenen Eltern und einem „kreativen Zeitmanagement“. Oder anders: Lausch liebt ihre Tochter, die heute eine junge Frau ist, und „brennt“ für ihren Job. Beides ließ sich vereinbaren.

Hilfe von anderen Frauen förderlich

Petra Lausch riet Frauen, die sich in der örtlichen Politik engagieren wollen, damit nicht zu warten. Förderlich seien dabei die Hilfe von anderen Frauen sowie eine fachliche und systematische Ausrichtung. Betätigungsfelder, so Lausch, gebe es in der Kommunalpolitik genügend. Sie reichten von Kita-Plätzen über Bauplatzangebote bis hin zu attraktiver Arbeitsplatzgestaltung, Energiesparmaßnahmen, ärztlicher Versorgung oder der Einrichtung von Freizeitstätten. Das Engagement von Frauen in der Politik sei dringlich, so Lausch, denn: „Die Anzahl von Frauen in der Politik ist rückläufig.“ Das wollte schon die ehemalige Bundesministerin Käte Strobel nicht akzeptieren. Sie hatte bereits in den ersten Nachkriegsjahren erkannt, dass Politik zu wichtig sei, um sie nur Männern zu überlassen.

Nach dem Vortrag von Petra Lausch diskutierten die interessierten Frauen in kleinen Gruppen gemeinsam mit den aktiven Ratsfrauen und unter Moderation von Gudrun Schütte, die als pädagogische Fachberaterin geübt ist im Moderieren von Prozessen, mögliche Ansätze und Chancen politischer Einflussnahme für die Zukunft. Die Ergebnisse sollen am 17. Mai bei einer zweiten Veranstaltung ähnlicher Art präsentiert werden. 

häg

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