„De Loopers“ tanzen mit Oytener Grundschulkindern nach Strawinskys „Petruschka“

Bewegte Bilderbücher

Mit dem Körper Geschichten erzählen: Für die Oytener Grundschulkinder eröffnet sich im Tanzprojekt eine neue Welt.

Oyten - VON BERND HÄGERMANN. Die meisten Jungen sind nicht gerade begeistert, wenn in der Schule ein Tanzprojekt auf dem Stundenplan steht. Der achtjährige Simon, der im TV Oyten Handball und Fußball spielt, hatte zunächst Ballettszenen vor Augen und ein skeptisches „Hmmmm...“ auf den Lippen. Und wenn dann auch noch ein Werk von Strawinsky, für das der Mädchenname „Petruschka“ den Titel lieferte, eingeübt werden soll, steigert das kaum tänzerische Ambitionen - könnte man meinen. An der Grundschule Oyten ist diese Woche jedoch anderes zu beobachten: Eifer, Engagement, Gemeinschaftssinn - und Lust am Tanzen.

Die Voraussetzungen dafür haben die Tanz-Profis von „De Loopers“ um Wilfried van Poppel geschaffen. Der war gemeinsam mit seiner Ehefrau Amaya Lubeigt früher Mitglied des Bremer Tanztheaters. Heute gestaltet van Poppel mit seinem Team schulische und generationenübergreifende Tanzprojekte.

Der Niederländer weiß um die leisen und lauten Zweifel von Kindern. Aber er hat gegen innere Widerstände mindestens immer ein taugliches Mittel parat: „Wir werfen am Anfang das Wort Peinlichkeit erst einmal in den Mülleimer.“ Danach werde vieles einfacher und das stereotype Bild vom Tanz schnell korrigiert: „Für Kinder eröffnet sich plötzlich eine ganz neue Welt. Sie lernen, mit ihrem Körper zu erzählen. Und wenn alles gut geht, gelingen bewegte Bilderbücher.“

Dafür braucht es konzentriertes Training. Fünf Vormittage verbringen die mehr als 100 Dritt- und Viertklässler in der Sporthalle der Grundschule. Nach dem Aufwärmen wird in Gruppen gearbeitet und am gesamten Erscheinungsbild gefeilt. Wilfried van Poppel und sein Team geben klare Anweisungen, immer wieder Hilfestellungen und freuen sich an Fortschritten: „Die Kinder entdecken beim Tanz ganz neue Fähigkeiten.“ Dabei gehe es nicht darum, der oder die Beste zu sein oder besonders talentiert, sondern vor allem um das ganz persönliche Erlebnis.

Mit der Stärkung des Gemeinschaftssinns bereiten „De Loopers“ die Kindern auf die Abschlussveranstaltung am Freitag in der Aula vor: „Meine Eltern und mein Bruder werden kommen“, verrät Simon, für den nach drei Tagen diese Form des Tanzes doch sichtlich an Reiz gewonnen hat.

Als inhaltliche Vorbereitung auf das Tanzprojekt - Igor Strawinskys Ballett „Petruschka“ erzählt von zum Leben erwachenden Marionetten im Jahrmarktsgetümmel - diente den Kindern ein Besuch der Hans-Christian-Andersen-Ausstellung in der Bremer Kunsthalle, wo sie ihr Gespür und Gefühl für Märchen vor den bildlichen Werken des großen Erzählers vertiefen konnten.

Zum dritten Mal schon holte die Grundschule Oyten das Tanzprojekt von und mit „De Loopers“ in ihren Unterricht. Finanziell möglich machte das einmal mehr eine großzügige Spende der Oytener Flohmarktinitiative um Gisela Anselm: Die engagierten Frauen stellten aus den monatlichen Flohmarkterlösen 3000 Euro für das Schulprojekt zur Verfügung.

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