Rat betont einmütig Gestaltungsmöglichkeiten an neuer Bahnstation Sagehorn

„Wir schlucken keine Kröte“

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Die grobe Vorplanung für die neue Bahnstation am Schwarzen Weg in Höhe Tennishalle sieht eine neue Fußgängerbrücke samt Fahrstühlen (blau) vor sowie P+R-Anlagen nördlich der Gleise und südlich am Ende der Sagehorner Dorfstraße. Planzeichnung: Agentur BahnStadt GbR

Oyten - Nach jahrelangem vergeblichem Kampf um Erhalt und Umbau der Bahnstation Sagehorn am alten Standort folgt die Gemeinde Oyten dem Willen der Deutschen Bahn AG und macht zur langfristigen Sicherung eines Oytener Bahnhaltepunkts den Weg frei für den Neubau einer Station ein Stück weiter westlich am Schwarzen Weg Richtung Wohnsiedlung. Einstimmig stimmte der Gemeinderat am Mittwochabend dem Plangenehmigungsverfahren für den Neubau zu – verbunden mit Forderungen nach Barrierefreiheit und maximalem Lärmschutz.

Die Bauplanung liegt jetzt in Händen der DB Netz AG, die das Genehmigungsverfahren für ihren mit 3,5 Mio. Euro kalkulierten Stationsneubau betreiben wird. Genehmigungsbehörde ist das Eisenbahnbundesamt in Bonn. Die Gemeinde Oyten will ihre und die Interessen der Anwohner im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung im Verfahren geltend machen und lässt sich dazu fachanwaltlich beraten.

Außerdem ist die Gemeinde für die Schaffung des Umfelds mit Zuwegungen, P+R-Anlagen und Bushaltestellen zuständig. Für diese Verknüpfungsanlagen haben Landesnahverkehrsgesellschaft und Verkehrsverbund eine 87,5%ige finanzielle Förderung avisiert.

Auch für die aus Oyten geforderte neue, mit Fahr-stühlen ausgestattete Fußgängerbrücke am Bahnsteig in Höhe Tennishalle hat das Verkehrsministerium einen 75%-Zuschuss des Landes in Aussicht gestellt. Das geht aus einem Schreiben von Staatssekretärin Daniela Behrens hervor. Die Bahn selbst ist zu einem barrierefreien Stationsbau nicht verpflichtet, weil Oyten keine 1000 Aus- und Einstiege am Tag vorzuweisen hat.

Immer wieder hatte die Bahn erklärt, keinen Cent mehr in die alte Bahnstation zu stecken. Die Oytener Ortspolitiker standen jetzt vor der Entscheidung, ob sie ihre Abwehrhaltung gegen eine Stationsverlegung beibehalten und damit die Stilllegung des Haltepunkts Oyten riskieren – „oder ob wir mitgestalten wollen, um eine für uns optimale Bahnanbindung auf Dauer zu sichern, wenn auch nicht am für uns optimalen Standort“, sagte Bürgermeister Manfred Cordes. Er habe lange an der Seite der Bürgerinitiative gegen eine Verlegung gestritten, aber als Bürgermeister sei er verpflichtet, Schaden von der Gemeinde abzuwenden – „und das Schlimmste wäre die Stilllegung des Bahnhofs“, erklärte Cordes.

Auch er sei für das Neubau-Plangenehmigungsverfahren, „weil die Bahn den alten Haltepunkt ganz einfach zumachen kann“, so CDU-Fraktionschef Dr. Kai Grönke. Ohne Bahnhof dazustehen, können sich die Gemeinde, die neue Unternehmen und Familien nach Oyten hole, nicht leisten. Für verträgliche Lösungen von Wohnen und Pendler-/Bahnverkehr sowie für die zeitgemäße Ausstattung der neuen Station „können wir als Gemeinde an Stellschrauben drehen“, versicherte Grönke, „von der Barrierefreiheit über den Lärmschutz bis hin zu einer E-Bike-Ladestation.“

Grünen-Sprecher Hubert Dapper und FDP-Ratsherr Thomas Ceglarek-Brockshus schlossen sich den Vorrednern ebenso an wie SPD-Kollege Ralf Großklaus: „Wir bauen den ÖPNV in Oyten kontinuierlich aus – und dazu gehört natürlich auch ein Bahnhof. Wir haben die Chance, an neuer Stelle für eine barrierefreie Station zu sorgen, aber auch für vernünftigen Lärmschutz. Wir schlucken keine Kröte, sondern wir befinden uns auf einem guten Weg.“

Alle Fraktionssprecher dankten ausdrücklich der Bürgerinitiative Bahnhof Sagehorn, die bis zur letzten Minute gegen die Stationsverlegung gekämpft und rund 2700 Unterschriften für den Erhalt des alten Bahnhofs gesammelt hatte. Vor allem dieses Bürgerengagement habe Oyten in eine gute Verhandlungsposition für die Ausgestaltung des neuen Standorts gebracht, hieß es sinngemäß. Die Initiative wurde mehrfach aufgefordert, das nun kommende Verfahren kritisch zu begleiten.

Der Ratsbeschluss von Mittwoch im Wortlaut: „Die Gemeinde Oyten stimmt der Durchführung eines Plangenehmigungsverfahrens/Planfeststellungsverfahrens zur Errichtung eines neuen Haltepunktes im Bereich Schwarzer Weg/Sagehorner Dorfstraße der Deutschen Bahn Netz AG zu. Grundlage für die Entscheidung ist ein barrierefreier Ausbau des Haltepunktes mit neuer Fußgängerüberführung am Ostende des Südbahnsteigs. Die Verknüpfungsanlagen sind so zu planen, dass möglichst wenig Lärmbelastung für die Wohnbereiche entsteht. Die Gemeinde Oyten wird die Umfeldplanung so gestalten, dass mindestens die Anzahl der P+R- und B+R-Plätze dem Niveau am jetzigen Standort entspricht. Im Planfeststellungs-/Plangenehmigungsverfahren lässt sich die Gemeinde Oyten fachanwaltlich zur Wahrung der Interessen der betroffenen Bürgerinnen und Bürger beraten.“

pee

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