Beschäftigung junger Flüchtlinge: Gast vom Landkreis spricht bei Selbständigen

Liste der 160 Personen bringt Arbeitsvermittler an Grenzen

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Franz Riedel, Arbeitsvermittler für Flüchtlinge aus Verden, referierte vor Oytener Geschäftsleuten über die derzeitige Lage in seinem Zuständigkeitsbereich.

Oyten - „Dieses Rechtssystem versteht niemand. Auf der einen Seite werden Arbeitskräfte gerade im Handwerk dringend gebraucht. Auf der anderen Seite haben wir kräftige junge Männer, die nicht arbeiten dürfen, aber gern wollen. Sie sitzen in ihren Flüchtlingsunterkünften und wissen nicht, wie sie die Zeit rumbringen sollen“.

Auf den Missstand wies Eckart Kauert, Ehrenvorsitzender der Oytener Vereinigung der Selbständigen (VdS), beim jüngsten VdS-Dämmerschoppen in der Gastwirtschaft „Zum Alten Krug“ hin. Dort stand das Thema Flüchtlinge und Beschäftigungsmöglichkeiten im Mittelpunkt.

Selbständigen-Vorsitzender Hans-Joachim Blohme hatte Franz Riedel, Arbeitsvermittler für Flüchtlinge der Einrichtung „Arbeit im Landkreis Verden“ (ALV), zum Vortrag eingeladen.

„Es gab in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland immer wieder regelrechte Flüchtlingswellen mit unterschiedlicher Resonanz“, erläuterte Riedel.

Inzwischen habe sich eine Begrüßungskultur entwickelt. Viele Bürger seien bemüht, die Flüchtlinge zu integrieren und kümmerten sich auf freiwilliger Basis um deren Wohlergehen.

Inzwischen dürfe jeder Flüchtling nach drei Monaten ab Grenzübertritt arbeiten. Nach 15 Monaten werde überprüft, ob von anderer berechtigter Seite Ansprüche auf den ausgewiesenen Job bestehen.

Das Job-Center schaut auch nach, ob das Stellenangebot bereits vorher öffentlich zugänglich gemacht wurde. Eine neue Stelle in Duisburg wurde eigens dafür eingerichtet, erklärte Franz Riedel.

Die Prüfung dauere etwa vier Wochen und sechs Wochen die gesamte Bearbeitung des Verfahrens. Ab dem 16. Monat hätten Flüchtlinge die Chance auf dauerhafte Arbeit. Leiharbeit falle nicht unter diese Regelung. Die dann erteilte Arbeitserlaubnis könne bis zu vier Jahre betragen.

Früher mussten Flüchtlinge bis zu acht Jahre auf die Zustimmung warten. Das habe ganze Familien ins Unglück gestürzt.

Nach wie vor, so betonte Franz Riedel, sei es unverzichtbar, dass die Flüchtlinge, egal welcher Nationalität, die deutsche Sprache erlernen. Ein paar Brocken reichten nicht. Auch das Nichtverstehen deutscher Gepflogenheiten sei hinderlich.

Gegenseitiges Verständnis sei die wichtigste Voraussetzung für zufrieden stellende Arbeit und Integration.

Unentgeltliche Praktika sollten eine genaue Zielsetzung haben, und schriftliche Verträge seien gut für einen ersten Beschäftigungszeitraum von etwa vier Wochen. Dabei sollte geschaut werden, ob Aussicht auf weitere Anstellung bestehe oder eher andere Arbeitsbereiche infrage kommen.

Seien die Flüchtlinge anerkannt, könne geprüft werden, auf welche gesetzlichen Füße ein Arbeitsverhältnis zu stellen sei. „Ich habe derzeit 160 Personen auf der Liste“, verriet Riedel. Eine Arbeit, die kaum zu bewältigen sei. Es fehle an allen Ecken und Enden. Die Politik sei quasi von der Flüchtlingswelle überrollt worden.

Der Arbeitsvermittler ging dann noch auf Versicherungsfragen und andere Details ein. Einige der Selbständigen kritisierten beim „Dämmerschoppen“ die Unorganisiertheit des Gesetzgebers, der sich offenkundig in erster Linie auf das ehrenamtliche Engagement von Bürgern verlasse .

kr

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