Anliegerin fordert von Gemeinde Oyten Unterstützung bei Straßenlaubentsorgung

„Bei vier Bäumen würde ich ja nicht meckern, aber bei acht...“

Ingrid Tengler und ihr Nachbar Hüseyin Senol zeigen die Reste des Herbstlaubs, das noch zwischen den Linden an der Lienertstraße liegt. Laut Straßenreinigungssatzung wäre Ingrid Tengler verpflichtet, das Laub von acht Bäumen vor ihrem Grundstück abzufahren: „Aber das kann ich nicht leisten.“ - Fotos: Holthusen

Oyten - oyten - „Die Blätter harke ich ja gerne zusammen – aber dass ich das Laub von acht Bäumen, die mir nicht gehören, auch noch wegfahre, das sehe ich nicht ein.“ Seit drei Jahren bemüht sich Ingrid Tengler bei der Gemeinde Oyten um Unterstützung bei der Beseitigung dessen, was die acht Straßenbäume rund um ihr Eckgrundstück an der Lienertstraße/Ecke Amselweg an Laub abwerfen. Die Gemeindeverwaltung beruft sich jedoch auf die geltende Straßenreinigungssatzung, bei der keine Ausnahmen gemacht würden.

Bis vor drei Jahren war für Ingrid Tengler noch alles in Ordnung in Sachen Laubentsorgung: Sie harkte die Blätter der acht Linden an der Straße zusammen und der Bauhof holte sie irgendwann ab. Laut kommunaler Straßenreinigungssatzung waren die Anlieger zwar schon immer zur Entsorgung des öffentlichen Laubabfalls vor ihren Grundstücken verpflichtet, aber „wir haben das Laub in der Gemeinde lange auf dem kleinen Dienstweg abgeholt“, so Vize-Verwaltungschef Axel Junge. Bis dieser zur Gewohnheit gewordene Service den Rahmen sprengte und eingestellt wurde: „Das war für den Bauhof nicht mehr zu leisten“, so Junge.

Und „das macht keine Gemeinde im Kreis“, ergänzt Bürgermeister Manfred Cordes. Ausnahmen gebe es grundsätzlich keine: „Wo soll man da die Grenze ziehen? Wenn wir eine Ausnahme machen, haben wir bald nur noch Ausnahmen...“

Statt des Abholservices bietet die Verwaltung den Oytener Bürgern seit drei Jahren an, das Laub für sie kostenlos im Gewerbepark auf dem Abfallhof des Landkreises abzuliefern – die Rechnung dafür bekommt und zahlt die Gemeinde. Das sei schon ein – andernorts durchaus nicht übliches – Entgegenkommen, betont Cordes.

Für Ingrid Tengler ist dieses Entgegenkommen nicht ausreichend: „Bei vier Bäumen hätte ich ja nicht gemeckert, die haben andere auch vor ihrer Haustür. Aber bei acht... – das sind Berge von Laub!“ In einem persönlichen Gespräch mit dem Bürgermeister, zu dem sie ihr Nachbar Hüseyin Senol unterstützend begleitete, bat sie um einen Kompromiss: Sie harke weiter das Laub zusammen und die Gemeinde stelle Drahtkörbe dafür auf, die der Bauhof bei Gelegenheit leeren könne – oder die Zahl der Bäume werde reduziert, zumal die Linde genau auf der Ecke einen kränklichen Eindruck mache. „Aber der Bürgermeister wollte sich auf nichts einlassen. Er hat sich hinter der Satzung versteckt“, ärgert sich Ingrid Tengler. Einen Teil des Laubs vom vergangenen Herbst hat sie notgedrungen liegen gelassen, „aber dann muss man eventuell damit rechnen, dass die Gemeinde den Seitenstreifen saubermachen lässt und eine Rechnung schickt“, meint ihr Nachbar.

Auf die ältere Dame mit dem großen Eckgrundstück kommt noch ein weiteres Problem zu: Im Zuge des Straßenausbaus des Amselweges im vorigen Jahr wurden zwei – im Verhältnis zur Straßenbreite mächtige – Rabatten direkt vor ihrer Grundstücksmauer angelegt: „Wer soll die pflegen?“, fragt Ingrid Tengler und fürchtet sich schon vor der Antwort. Denn laut Straßenreinigungssatzung wäre sie im Zweifel wohl auch dafür zuständig... - pee

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