Oyten kann sich Unternehmen für den Gewerbepark an der A1 aussuchen

Begehrtes Land

Fahrt aufgenommen hat die Bautätigkeit im Gewerbepark „Oyten A1“. Mit 21 Unternehmen ist die Gemeinde gerade in Verhandlung.

Oyten - Von Petra Holthusen. „Gefühlt alle vierzehn Tage haben wir hier einen neuen Betrieb am Tisch sitzen.“ Im Oytener Rathaus boomt die Nachfrage nach Gewerbeflächen, und deren Vermarktung hat sich für Bürgermeister Manfred Cordes und seine rechte Hand Axel Junge zu einem intensiven Betätigungsfeld entwickelt, seit die Gemeinde vor zwei Jahren im Turbo-Tempo den Gewerbepark „Oyten A1“ erschloss.

Die Flächen in dem 40-Hektar-Gebiet an der Achimer Straße direkt unterhalb der Autobahn sind wegen der 1a-Lage begehrt bei aussiedlungswilligen Unternehmen. Aber Oyten nimmt nicht jeden. „Wir wollen ein buntes, lebendiges Gebiet“, sagt Cordes.

Übernachtungs- und Vergnügungsbetriebe wurden schon mit dem Bebauungsplan ausgeschlossen, und Unansehnliches wie Schrottrecycling hat ebenso wenig eine Chance wie ein riesiges Umschlagslager, für das im Bremer (Hafen-)Hinterland immer Flächenbedarf besteht, das aber wenig qualifizierte Arbeitsplätze verspricht. 

Baumstammhöhlen legte der Bauhof für die Eidechsen an.

Genau darum aber geht es den Oytener Verantwortlichen: „Unser Ziel ist, die Arbeit zu den Menschen zu bringen“, betont der Bürgermeister. Dass sich die Zahlen von Einpendlern und Auspendlern in Oyten nach Worten von Wirtschaftsförderer Junge stetig annähern, spiegelt den wachsenden Arbeitsmarkt im Ort. Rund 3000 Arbeitsplätze bietet inzwischen der alte Gewerbepark an der Autobahn, in dem rund 140 aktive Betriebe beheimatet sind.

Das Konzept eines krisensicheren mittelständischen Branchen-Mix vom familiengeführten Handwerksbetrieb bis zum international tätigen Bauteilehersteller beschert der Gemeinde nicht nur eine breite Palette interessanter Betriebe und Arbeitsplätze, sondern auch verlässliche Gewerbesteuereinnahmen von jährlich um die 8 Mio. Euro.

Ein Ersatzlebensraum für die von der ehemaligen FlaRak-Stellung umgesiedelten Zauneidechsen entstand auf einer Grünfläche im äußersten Zipfel des Gewerbeparks „Oyten A1“.

Das Erfolgsrezept soll sich im neuen Gewerbepark „Oyten A1“ fortsetzen. Bewusst verzichtete die Gemeinde darauf, einen Investor mit ins Boot zu holen. Stattdessen fuchsten sich Cordes, Junge und Finanzchef Wolfgang Röttjer in das Geschäft mit bauwilligen Unternehmen ein („Wir haben schon eine Menge Gehirnschmalz investiert“) und führen die Verhandlungen als Trio, teils mit anwaltlicher Beratung. „Vielfalt ist uns wichtig, und wir wollen den Daumen drauf haben, was bei uns passiert“, so Junge. Anfragen gibt es auch aus dem europäischen Ausland, bevorzugt aber werden regionale Unternehmen – und expansionswillige Oytener sind quasi „gesetzt“.

Zehn Kaufverträge sind bis heute unterschrieben, rund 80.000 qm damit vergeben. Gut die Hälfte davon kaufte der Bremer Logistiker Neukirch; die Grundstücksgrößen der anderen schwanken je nach Bedarf zwischen 1.000 und 16.000 qm. Die ersten Betriebe wie Neukirch, Mager & Wedemeyer oder Car-Wash arbeiten bereits in ihren Neubauten, andere wie das Zaunteam oder A1-Getriebe sind gerade im Bau. Mit 21 weiteren Unternehmen „stehen wir in konkreten Verhandlungen“, berichtet Junge. Nach Abschluss wären weitere 60.000 qm verkauft.

14 Mio. Euro hat die Gemeinde in die Erschließung des Gewerbeparks „Oyten A1“ investiert. Dass mit den ersten Flächenverkäufen das Geld langsam zurück zu fließen beginnt, stimmt die Verantwortlichen zwar froh, aber mit dem Verkauf der restlichen 230.000 qm haben sie es trotzdem nicht eilig. Natürlich soll „am Ende des Tages mal eine schwarze Null stehen“, so Wirtschaftsförderer Junge. Aber „wann das Gebiet voll läuft, ist den Entwicklungen des Marktes und unserer Entscheidungsfreudigkeit überlassen“, betont Bürgermeister Cordes.

Allererste Bewohner waren Zauneidechsen

Bürgermeister Manfred Cordes (re.) und Wirtschaftsförderer Axel Junge haben die Vermarktung der Flächen im 40-Hektar-Gebiet südlich der Autobahn zur Chefsache gemacht. - Fotos: Holthusen

Die Gemeinde kann es sich leisten, wählerisch zu sein – in Oyten müssen die Bewerber Überzeugungsarbeit leisten und nicht umgekehrt. Unter anderem müssen sie offen legen, was sie wie genau bauen wollen – „damit wir keine Immobilien dazwischen haben, die das Gebiet negativ beeinflussen“. Dabei geht auch schon mal ein erfolgsverwöhnter „Global Player“ leer aus. Bewerber müssen nicht nur das Führungstrio der Gemeindeverwaltung überzeugen, sondern auch den Gemeinderat, der jeden einzelnen Kaufvertrag absegnet. „Wir wollen durchsichtige Prozesse“, betont Cordes.

Die allerersten Bewohner des neuen Gewerbeparks waren übrigens tierischer Natur: Im nordöstlichsten Zipfel entstand auf einer grünen Ausgleichsfläche ein Stück „Naturschutz vor der Haustür“ – ein Ersatzlebensraum für die streng geschützten Zauneidechsen, die von der ehemaligen FlaRak-Stellung im Süden des Gebiets umgesiedelt werden mussten.

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