Bailey und Depuhl berühren mit ihrem Konzert in St. Petri das Publikum

Lustige Geschichten wechseln mit nachdenklichen Texten

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Judy Bailey und ihr Mann Patrick Depuhl gaben in der St.-Petri-Kirche ein mitreißendes Konzert, bei dem sie aber auch nachdenkliche Töne anschlugen.

Oyten - Von Bernd Hägermann. Wenn das Leben tatsächlich die besten Geschichten und Lieder schreibt, dann braucht es dafür Erzähler und Musiker, die sie zu interpretieren wissen. Judy Bailey und ihr Mann Patrick Depuhl gehören zu dieser Spezies. Deshalb waren sie am Freitagabend für ein Konzert nach Oyten in die St.-Petri-Kirche gekommen.

Ermöglicht hatte das Konzert das Team Domino, ein Arbeitskreis der evangelischen Kirchengemeinde, deren Mitgliedern es häufig gelingt, fernab seichter Klanggebiete in tieferen Gründen zu suchen und dort musikalische Kostbarkeiten zu entdecken. Mit der Freude am Experiment haben sich die Domino-Konzerte einen guten Ruf erworben, der durch die Resonanz des Publikums regelmäßig gefestigt wird.

Judy Bailey und Patrick Depuhl sind seit 18 Jahren ein Ehepaar. Kennengelernt haben sie sich auf einer Musikmesse. Er hatte mit ihr ein Interview zu führen. Dabei hat es gefunkt. Seit langem geht das Paar gemeinsam auf Tour und tritt bei diversen Veranstaltungen wie zum Beispiel Kirchentagen auf. Häufig mit großer Band, gerne als Duo. Als solches gelang ihnen in Oyten ein Abend, bei dem die Lebensgeschichte von Judy Bailey im Mittelpunkt stand, aber ihre enge Verbindung zu Gott immer gegenwärtig war.

Nichts daran wirkte peinlich oder aufgesetzt. Vielmehr war es ein fröhliches, beinahe ausgelassenes Konzert, bei dem die beiden Künstler schon mal gemeinsam mit ihren Zuhörern im Stile von Fangesängen Lieder anstimmten oder überschwänglich die Heimat des jeweils anderen lobten.

Bailey, in London geboren, lebte lange auf Barbados. Dort gibt es Mangos, Bananen, jede Menge Zuckerrohr, kaum Analphabeten („In dieser Statistik belegt Barbados weltweit den vierten Platz. Deutschland ist dreizehn Plätze dahinter“) sowie eine gleichbleibende Luft- und Wassertemperatur von 26 Grad. Auf Barbados ist Wasser immer in der Nähe und Baden ganzjährig möglich.

Patrick Depuhl ist davon seit seinem ersten Besuch auf Barbados, als er mit Judys Vater Luther nächtens Cola-Rum trank und daran kaum mehr eine Erinnerung hat, sichtlich beeindruckt. Judy Bailey hingegen ist gebannt von den Erdbeeren aus dem Garten von Oma Depuhl („Wow!“), von Gepäckwagen, die auf Bremse eingestellt sind und von Menschen, die mitternachts bei Rot an der Ampel stehen bleiben, obwohl kilometerweit kein Auto zu sehen ist.

Doch es gab nicht nur lustige Geschichten und ansteckende Lieder, sondern auch nachdenkliche Momente. Bailey und Depuhl, der die Lebensgeschichte seiner Frau vortrug, fanden eine gute Balance zwischen den Höhen und Tiefen des Lebens. Als Jugendliche und junge Frau litt Judy Bailey an Bulimie. Immer schon fühlte sie sich „zu rund“. Das Erbrechen wurde ihr zur Gewohnheit. Die Krankheit hatte Bailey im Griff: „Es war lange ein gutes Gefühl, sich nach einer reichlichen Mahlzeit wieder leicht zu fühlen.“ Doch das trügerische Gefühl wich allmählich der Frage: „Was tue ich hier eigentlich?“

Gesund wurde sie wieder durch ihren Glauben, durch die Kraft der Musik und durch die Liebe ihres Mannes: „Es gab Zeiten, da habe ich mir die Seele aus dem Leib gesungen.“ Judy Bailey mag diese deutsche Redewendung. In ihrem Fall steht sie für den Aufbruch zu neuen Lebensufern und den Mut zum Wagnis.

Sehr viel Beifall für ein Konzert mit rezitatorischen Einschüben, das gleichermaßen anrührte, begeisterte, bei allen Zuhörern die Stimmung hob und dabei immer hochmusikalisch und weltoffen blieb.

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