Strafanzeige eingestampft

Oyter See: „Ausgekippte Farbe“ entpuppt sich als Blaualgen-Teppich

Einen Tag sorgte der grüne Algenstreifen am Strand des Oyter Sees wegen zunächst vermuteter Gewässerverunreinigung für Aufruhr – am nächsten Tag war er wie von Zauberhand wieder verschwunden.

Oyten - Von Petra Holthusen. Giftgrün schwamm kurz vor Weihnachten eine Art schmaler Teppich auf dem Wasser des Oyter Sees. Das Gebilde zog sich vor dem Sandstrand entlang bis ins Schilf. Nach ersten Annahmen von Wasserbehörde und Polizei handelte es sich um grüne Farbe, die ein Unbekannter illegal im Oyter See entsorgt haben sollte. Ein Strafverfahren wegen Gewässerverunreinigung wurde eingeleitet – inzwischen aber wieder ad acta gelegt: Bei dem grünen Teppich, der sich am nächsten Tag wieder aufgelöst hatte, handelte es sich nicht um ausgekippte Farbreste, sondern um Blaualgen.

Das belegen nach übereinstimmender Auskunft von Polizei und Wasserbehörde die Untersuchungsergebnisse des Limnologischen Instituts Nowak aus Ottersberg. Das Institut war nach Auftreten des grünen Teppichs im Oyter See von der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis Verden mit der Entnahme und Analyse von Gewässerproben beauftragt worden.

Behörde und Polizei waren am 22. Dezember in Gang gesetzt worden, weil Spaziergängern am Oyter See die äußerst farbintensive Schicht sehr verdächtig vorgekommen war und sie bei den Gewässerschützern des Kreises Alarm geschlagen hatten.

„Wie von Zauberhand wieder verschwunden“

Der schriftliche Abschlussbericht des Instituts Nowak liegt zwar noch nicht vor, mündlich wurde den zuständigen Stellen aber bereits mitgeteilt, dass es sich bei der temporären grünen Erscheinung nicht um Farbe, sondern um Blaualgen gehandelt habe. Die mangels vorliegender Straftat wieder eingestampfte Strafanzeige gegen Unbekannt bestätigte gestern auf Nachfrage die Polizei.

Dass es sich bei der beunruhigenden grünen Erscheinung wohl um Algen handelte, die sich durch Winddrift an dem besagten Tag am Badeufer konzentrierten, hatte Thomas Koch, der zusammen mit seiner Frau Ulrike den Knaus-Campingpark am Oyter See managt, eigentlich gleich vermutet. Dass das Gebilde am nächsten Tag „wie von Zauberhand wieder verschwunden war“, bestätigte Koch in seiner Meinung. Sowas solle früher vor seiner Zeit auch schon mal vorgekommen sein. Obwohl sich die Erscheinung ganz schnell „irgendwie in Luft aufgelöst“ habe, bleibe ein leichtes Unbehagen: „Wir hoffen, dass das nicht wiederkommt.“ Vor allem mit Blick auf den Sommer und die an sich beständig gute Badegewässerqualität des Oyter Sees. Die kann durch Blaualgen, die für Menschen Gesundheitsgefahren bergen, schnell in die Binsen gehen, weiß auch Koch.

Unbehagen macht vor allem die Frage nach der Ursache. Sollte es im Oyter See zu vermehrtem Blaualgenwachstum kommen, spräche das für eine Nährstoffüberfrachtung des Gewässers durch eingespülte Düngemittel von angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen. Die vermutet ein Anwohner, der selbst Landwirt ist, auf jeden Fall: Über einen Ableiter des Königsgrabens gelange das Oberflächenwasser von den nahe gelegenen Feldern zwischen A 1 und A 27 südlich des Bremer Autobahnkreuzes in den Oyter See, und auf diesen besagten Feldern im Bereich Uphusen werde Hühnergülle in wahren Massen angeliefert und verteilt, beobachtet der Oytener Landwirt. Er ist davon überzeugt, dass ein großer Teil davon in den Oyter See geschwemmt werde und dessen Nährstoffhaushalt beeinträchtige.

Noch keine Aussagen zu Nährstoffbelastung

Dass in Seen immer Nährstoffe von landwirtschaftlichen Flächen eingetragen würden, weiß auch Silke Brünn, Leiterin des Fachdienstes Wasser, Abfall, Naturschutz beim Landkreis Verden. Genau deshalb müssten sich die Landwirte ja an Düngevorschriften halten, die eben das verhindern sollten, nämlich dass es zu gewässerschädigenden Vorfällen komme. Bislang gebe es beim Oyter See keine Probleme mit Nährstoffüberfrachtung. Ein kurzzeitiges „Aufploppen“ einer Algenpopulation könne bei temporärem Sauerstoffmangel „immer mal passieren“ und das könne auch ganz natürliche Ursachen haben, betont Brünn. Ob es für den Algenteppich kurz vor Weihnachten feststellbare Ursachen gebe und wenn ja, welche, könne sie erst sagen, wenn ihr der schriftliche Abschlussbericht des Instituts Nowak vorliege. Sollte die Gewässerprobenanalyse Rückschlüsse zulassen – etwa auf eine hohe Nitratbelastung des Oyter Sees –, „werden wir dem nachgehen“, versichert die Leiterin der Naturschutzbehörde. Tätig werde sie auf jeden Fall auch, wenn so ein Algenfeld nochmal auftreten sollte.

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