Rolf Hollens baut die Oytener Geschichte(n) zu digitalem Nachschlagewerk aus

Auf Zeitreise mit Chronos

Mithilfe seiner Datenbank Chronos aktualisiert Heimatforscher Rolf Hollens fast täglich die Oytener Chroniken. Das digitale Nachschlagewerk umfasst die Geschichte(n) von 700 Höfen, Häusern und ihren Bewohnern.
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Mithilfe seiner Datenbank Chronos aktualisiert Heimatforscher Rolf Hollens fast täglich die Oytener Chroniken. Das digitale Nachschlagewerk umfasst die Geschichte(n) von 700 Höfen, Häusern und ihren Bewohnern.

Oyten – Im Grenzgebiet von Uruguay und Argentinien leben jede Menge Schierlohs. Und schon so lange, dass kaum noch jemand über den deutschen Namen stolpert. Als dort in Südamerika jedoch die in Oyten ausgestellte Geburtsurkunde einer Vorfahrin auftauchte, erwachte die Neugier. Die Suche nach den Wurzeln der Familie führte die Schierlohs über einen Verwandten in Salzgitter bis zu Rolf Hollens. Und damit an die richtige Adresse. Der Oytener Heimatforscher fand heraus, dass Hinrich Schierloh aus dem Haus 75 (heute Dorfstraße 15) im Jahr 1866 nach Argentinien ausgewandert war, wo er ganz offensichtlich eine stattliche Familiendynastie begründete. Auch in Oyten „wimmelt es von Schierlohs“, sagt Hollens mit Verweis auf seine riesige Datenbank. Die reicht bis weit ins 17. Jahrhundert zurück – als zum Beispiel ein Klaus Schierloh eine Frau aus Schaphusen heiratete.

Oytener Geschichte(n) zusammenzupuzzeln, Einzelteile auszugraben, zu kombinieren und logisch aneinanderzufügen, ist seit Jahren die große Leidenschaft von Rolf Hollens (79). Chronos ist in der griechischen Mythologie die Personifizierung der Zeit, und Chronos hat Hollens seine selbst aufgebaute Datenbank benannt, die er stetig mit neuen Erkenntnissen füttert. Seine selbst geschriebenen Computerprogramme ermöglichen dem analytischen Denker, digitale Quellen zu verknüpfen, Querverbindungen zu erschließen und vor allem seine Datenbank ständig zu aktualisieren. Seine beruflichen Erfahrungen kommen dem früheren Systemtechniker und Programmierer dabei zugute.

Inhaltliche Basis seiner 2011 unter dem Dach des Heimatvereins begonnenen und später in Eigenregie fortgesetzten Arbeit war die Höfechronik aus dem Buch „800 Jahre Oyten“ von Johannes Grote, Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Oyten.

Chronos beinhaltet nun 700 Höfe und Häuser im Gebiet der heutigen Gemeinde Oyten. „Für jeden der Höfe gibt es eine eigene Chronik“, sagt Hollens. Manche bestehen bisher aus wenig mehr als einer Anschrift und ein paar Namen, „andere enthalten eine Vielzahl von Dokumenten und Daten der Bewohner und ihrer Familien in den vergangenen vier Jahrhunderten sowie manchen Hinweis zur Geschichte des Hofs“. Alles in allem so viel Datenmaterial, dass Hollens längst nicht mehr alles ausdrucken und abheften kann.

Neben den Fakten interessieren Rolf Hollens besonders die Geschichten und Lebensumstände der Menschen hinter den Daten. Wie aus der vom Gutsherrn geschwängerten Magd eine angesehene und wohlhabende Gutsfrau auf einem anderen Hof wurde, welche Familiengeflechte sich über die verschiedenen Ortsteile ziehen und was aus den Sprösslingen der Oytener Schulmeister wurde, davon versucht sich Hollens ein lebendiges Bild zu machen. Und übrigens: „Wussten Sie, dass eine Tochter aus dem Haus an der Stelle, wo heute der Rewe-Markt steht, eine der Ahnherrinnen des holländischen Königshauses ist ...?“

Hat Rolf Hollens eine Spur aufgenommen, sitzt er gerne mal bis tief in die Nacht mit Chronos am Rechner („zum Leidwesen meiner Frau“). Rätsel wie „Die hatten doch dieses Kind, die Geburtsurkunde ist da – aber wo ist das abgeblieben?“ lassen ihn eben nicht los. Weshalb sich sein Hobby zeitlich gesehen zu einem Halbtagsjob entwickelt hat. Hollens Lohn ist die Zufriedenheit bei Erfolg: „Das ist wie eine Schnitzeljagd, bei der man als Einziger den richtigen Weg findet.“

„Ich möchte Werbung für die Vergangenheit machen“, sagt Rolf Hollens. Vor allem weil fast täglich ein bauliches Relikt aus dieser Vergangenheit verschwindet – und damit ein Stück heimatlicher Identität. Aber „zu wissen, wo man herkommt“, werde für Menschen mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Und „für mich ist es wichtig, über diese Gegend hier alles zu wissen“. Oyten ist für Hollens Heimat, auch wenn der gebürtige Bremer 1986 zugezogen ist.

Sein Wissen wächst ständig und damit der Umfang der Oytener Chroniken. Erweitern lassen sich die aber nur rechnergesteuert über Chronos. Auch deshalb hat Hollens die Idee, „Oyten – die Höfe, die Menschen“ als gedrucktes und danach unveränderliches Buch herauszubringen, wieder verworfen: Nur digital lasse sich die Sammlung kontinuierlich ausbauen und verbessern. Die will Hollens irgendwann als Nachschlagewerk im Internet bereitstellen. Bis dahin bearbeitet er Suchanfragen höchstpersönlich. So wie die von Mister Hafeken aus Oklahoma: Neben seinem Oytener Stammbaum konnte Hollens dem US-Amerikaner sogar „einen noch lebenden Cousin sechsten Grades in Bassen präsentieren“.

Kontakt

Für Hinweise, Anregungen und Ergänzungen zu den sich stetig erweiternden Oytener Chroniken sowie für Suchanfragen steht Rolf Hollens per E-Mail an die Adresse chronos.oyten@kabelmail.de zur Verfügung.

Von Petra Holthusen

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