„Fairer Interessenausgleich“ größte Herausforderung

Anwohner am Bahnhof wollen Lärm- und Sichtschutz

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Die Umfeldplanung für die neue Bahnstation erläuterten (v.re.) Bürgermeister Manfred Cordes, Moderatorin Franziska Lehmann (proloco Bremen), Jens Fiebelkorn (Ingenieurbüro Born + Ermel), Guido Kahle (Bauamt Oyten) und Roland Neumann (Agentur BahnStadt).

Oyten - Den Kampf für Erhalt und Modernisierung des alten Bahnhofs und gegen den Neubau der Station 500 Meter weiter im beginnenden Sagehorner Wohngebiet hat Oyten vor Jahren gegen die allmächtige Deutsche Bahn verloren.

Jetzt muss und will die Gemeinde aus der ungewollten Verlegung des Bahnhaltepunkts das Beste machen: Ein Bahnhofsumfeld schaffen, das für Fahrgäste attraktiv ist und so der Stärkung des Personennahverkehrs auf der Schiene nützt. Die größte Herausforderung – neben der finanziellen – ist dabei der von Bürgermeister Manfred Cordes zugesagte „faire Interessenausgleich“ für die, die unter dem neuen Bahnhof leiden werden: die direkten Anwohner und der Schützenverein Sagehorn. Die Aufgaben seien benannt und kurzfristig abzuarbeiten, und dafür sei „das eine oder andere an Kreativität an den Tag zu legen“, kündigte Cordes am Donnerstagabend zum Abschluss der Bürgerinformationsveranstaltung im Rathaussaal an. Der Einladung der Gemeinde, sich die Entwurfsplanung für das Umfeld am neuen Bahnhaltepunkt von den Fachplanern erläutern zu lassen, waren mehr als 70 Interessierte gefolgt, vor allem Sagehorner.

Nach derzeitigem Stand von Plan- und Baugenehmigungsverfahren kann die Bahn Mitte 2020 östlich der sogenannten Zickzack-Fußgängerbrücke parallel zum Schwarzen Weg zwei neue barrierefreie Außenbahnsteige samt Fußgängerüberführung mit Aufzugsanlage bauen. Für alles andere muss im Gleichschritt die Gemeinde sorgen. Nach derzeitigem Planungsstand will sie den gesamten Pendlerverkehr auf der Nordseite über den dafür auszubauenden Schwarzen Weg abwickeln – hier sind an Stelle der abrissreifen Tennishalle und auf einer Grünfläche mit bislang landschaftlichem Schutzstatus zwei Park+Ride-Flächen für 145 Autos sowie Linienbushaltestellen vorgesehen (erwartete zusätzliche Verkehrsbelastung: rund 300 Fahrzeuge pro Tag). Südlich der Gleise an der Sagehorner Dorfstraße ist rund um die „Villa Rotstein“ ein schmucker Bahnhofsvorplatz höhengleich zum Bahnsteig geplant – mit rund 120 Fahrradstellplätzen, teils in Sammelschließanlagen, Bänken, Bäumen, Bürgerbushaltestelle und Park+Kiss-Plätzen für Bring- und Abholdienste (erwartete zusätzliche Verkehrsbelastung: rund 100 Fahrzeuge am Tag).

Dass der von der Bahn gewollte Stationsneubau mit allen erforderlichen Verknüpfungsanlagen, Straßenausbau- und Hallenabrisskosten alles in allem viel teurer wird als eine Modernisierung des alten Sagehorner Bahnhofs gewesen wäre, glaubt nicht nur Peter Köster (mit Mikro) von der Bürgerinitiative. Bürgermeister Manfred Cordes mochte ihm da nicht widersprechen.

Grobe Kostenschätzung für alles: rund drei Millionen Euro, von denen die Gemeinde abzüglich der Fördergelder Dritter fast die Hälfte wird selbst bezahlen müssen.

Auf heftige Kritik stieß bei den Bürgern die Tatsache, dass kein öffentliches WC geplant ist: Da müsse dringend nachgebessert werden. Außerdem seien Bürgerbushaltestellen und Behindertenparkplätze zu weit entfernt von den Bahnsteigen, hieß es.

Zornig macht die Anwohner am Schwarzen Weg und südlich am Fuhrenkamp, dass die Bahn weder Lärm- noch Sichtschutz an den Bahnsteigen geplant hat. Ob dafür die Gemeinde einspringe, werde in der jetzt anstehenden Bebauungsplanung für die Bahnhofsverknüpfungsanlagen politisch zu entscheiden sein, sagte Bürgermeister Cordes. Bisher fühlen sich die direkten Nachbarn im Stich gelassen: „Wir wollen keinen Laufsteg vorm Küchenfenster und dass die wartenden Fahrgäste uns da reingucken. Wir wollen einen Sichtschutz“, forderte ein Anwohner. Er habe wegen der drohenden Belästigung schon schlaflose Nächte: „Ich weiß nicht, wie ich hier noch alt werden soll...“ Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens „werden wir sehen, wie wir mit Ihren Befindlichkeiten umgehen“, sicherte Cordes zu.

Noch keine einvernehmliche Lösung ist mit dem Schützenverein Sagehorn gefunden. Der verliert mit dem Abriss der gemeindeeigenen maroden Tennishalle sein im Grundbuch verbrieftes Nutzungsrecht von jährlich zwölf Tagen für Feiern und erwartet dafür eine finanzielle Entschädigung zur Finanzierung eines neuen Raums. „Wir wollen das sachlich und fair abhandeln“, sicherte Bürgermeister Cordes eine „kurzfristige Lösung“ zu.

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