Anwalt und Planer informieren Einwohner zur Zukunft der Bahnstation Sagehorn

„Wahl von neu oder nichts“

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Die grobe Vorplanung für eine neue Bahnstation am Schwarzen Weg in Höhe Tennishalle sieht eine neue Fußgängerbrücke samt Fahrstühlen (blau) vor sowie P+R-Anlagen nördlich der Gleise und südlich am Ende der Sagehorner Dorfstraße. Planzeichnung: Agentur BahnStadt GbR

Oyten - Am 3. Juni muss der Rat der Gemeinde Oyten entscheiden, ob er der Verlegung der Bahnstation Sagehorn mit Bau eines neuen Haltepunktes am Schwarzen Weg zustimmt oder nicht. Die Diskussion über die Verlegungspläne der Bahn läuft seit Jahren, ebenso der Anwohner-Protest. Angesichts der Tragweite der Entscheidung informierte die Gemeinde im Vorfeld des Ratsbeschlusses ihre Einwohner. Zu der von Bürgermeister Manfred Cordes moderierten Informationsveranstaltung am Donnerstagabend im Rathaus fanden sich rund 100 Bürger ein.

Ziel des Abends sei die Ent-Emotionalisierung, also Versachlichung der Diskussion um die Stationsverlegung, betonten die geladenen Experten. Aus Münster angereist war Michael Hoppenberg, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, versiert in Eisenbahnrecht und von der Gemeinde für den laufenden Entscheidungsprozess als juristischer Berater engagiert. Aus Berlin gekommen war Architekt Roland Neumann von der Agentur BahnStadt GbR, die auf Bahnhofsentwicklungsplanungen spezialisiert ist und von der Gemeinde Oyten mit einer Machbarkeitsstudie zum infrastrukturellen Umfeld einer neuen Station beauftragt wurde.

Nach zunächst zwei Stunden juristischer Diskussion fasste sich Planer Neumann dann notgedrungen kurz. Er informierte im Schnelldurchlauf über die von der DB Netz AG vor Jahren am bestehenden Standort der Bahnstation geplanten, aber allesamt aus betriebstechnischen oder wirtschaftlichen Gründen verworfenen Umbauvarianten für um die 7Mio. Euro sowie über die von der Bahn bevorzugte Planvariante 6: Neubau der Haltestation etwas westlich Richtung Wohnsiedlung für 3,5 Mio. Euro.

Dafür plante Neumann grob das Umfeld. Erste Erkenntnis: „Das geht nur mit zweiter Brücke!“ Die alte Zickzack-Fußgängerbrücke über die Gleise zwischen Schwarzer Weg und Fuhrenkamp sei nicht barrierefrei und zu weit weg von möglichen Park+Ride-Flächen. Bei einer Standortverlegung müsse ganz massiv um eine neue Brücke samt Fahrstühlen gekämpft werden, empfahl Neumann. So werde ein neuer Haltepunkt barrierefrei und gut zugänglich. Die Brücke hat er in Höhe Tennishalle geplant, zwei nahe P+R-Plätze nördlich eines neuen Bahnsteigs am Schwarzen Weg und südlich der Gleise am Ende der Sagehorner Dorfstraße vor der Einmündung Kirchweyher Straße. Für diese sogenannten Verknüpfungsanlagen, die Landesnahverkehrsgesellschaft und Verkehrsverbund zu 87,5% zahlen, schätzte Neumann die Kosten auf 1,5 Mio. Euro, für die Brücke mit Lifts auf weitere 1,5 Mio. Euro.

Bei der Entscheidung für oder gegen die Verlegung der Bahnstation hat Oyten nach Neumanns persönlicher Auffassung nur „die Wahl zwischen einem neuen Standort oder nichts“.

Das war zuvor auch Tenor von Hoppenbergs wortreichen Ausführungen: Erhalt und Ausbau von Bahnstationen und -strecken oblägen der Entscheidungs- und Planungshoheit der Deutschen Bahn AG und ihrer Töchter sowie des Eisenbahnbundesamtes; sie allein entschieden nach Betriebsabläufen und Wirtschaftlichkeit. Oyten könne weder die Aufgabe des alten Haltepunktes verhindern noch seine Sanierung erzwingen. Zumal neue Anforderungen wie 220-m-Bahnsteige aufgrund neuer Zuglängen entstünden. Einfluss habe die Kommune nur bei einem Neubau. Was Oyten hier erreichen könne, sei aufgrund des Bürgerengagements eine Barrierefreiheit, zu der die Bahn bei unter 1000 Nutzern pro Tag ansonsten nicht verpflichtet sei, erklärte der Fachanwalt.

Wehre sich Oyten gegen den von der Bahn gewollten neuen Standort, werde der alte irgendwann ersatzlos stillgelegt; öffne sich Oyten dem neuen Standort, gebe es ein Plangenehmigungsverfahren, in dem die Bürgerinteressen zu berücksichtigen und alle Konfliktpotenziale abzuarbeiten seien. Hoppenberg plädierte für dieses Verfahren: Nur so seien Bahnplanungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu überprüfen und die Vermeidung unzumutbarer Störungen für Anwohner durchzusetzen.

Wiederholt brachten Sagehorner in der Versammlung ihre Furcht vor massiven Bahn- und Verkehrslärmbelastungen durch eine Stationsverlegung zum Ausdruck sowie ihr Misstrauen gegenüber einem Plangenehmigungsverfahren und der Klärung, was zumutbar sei und was nicht.

pee

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