Bewerber-Quartett stellt sich Fragen

Antworten und Ansichten mal vier zur Bürgermeisterwahl

Volles Haus: Mehr als 170 Interessierte wollten wissen, was die vier Oytener Bürgermeisterkandidaten zu sagen haben. Bis hinter den Saaleingang drängte sich das Publikum der Podiumsdiskussion. Fotos: Bernd Hägermann

Oyten - Von Petra Holthusen. Dass Björn Meyer Morgenmuffel ist und ohne sein Klavier nie auf eine einsame Insel ziehen würde, Heiko Oetjen Fußball und Fehmarn mag, ihm aber eine gute Kneipe in Oyten fehlt, Jens Marten am liebsten auf dem Jägerhochsitz ist und nicht auf Freundin, Zigarillos und Bier verzichten könnte, Sandra Röse Bahnfahren, Romane und die Witze ihres Mannes mag – das und mehr Privates erfuhr das Publikum in einem munteren Frage-Antwort-Spiel zum Auftakt. Das unterhaltsame Warm-up vermittelte für die Wahlentscheidung am 26. Mai einen kleinen persönlichen Eindruck von den vier Bürgermeisterkandidaten, bevor es an die politischen Aussagen zu Oytens Entwicklung ging.

Auf Einladung des Achimer Kreisblatts stellte sich das Bewerber-Quartett am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion im rappelvollen Saal des „Alten Krugs“ den Fragen von Redaktionsleiterin Sandra Bischoff. Mehr als 170 Besucher hörten aufmerksam zu, sparten nicht mit Beifall und hatten zum Ende der kurzweiligen zweistündigen Veranstaltung auch eigene Fragen.

Ur-Bassener Heiko Oetjen (50), Fraktionschef und Kandidat der SPD, brachte mit seinen 28 Jahren kommunalpolitischer Arbeit die größte Erfahrung mit. Im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns stehe der Mensch, erklärte Oetjen, der seit 25 Jahren Sportredakteur von Beruf ist. Ratsfrau Sandra Röse (48), nominiert von der CDU, lebt seit 2009 in Sagehorn und ist seit 2011 politisch aktiv. „Analysieren, entwickeln und Lösungen finden“ sei jetzt schon ihr Beruf als Betriebswirtin und Unternehmerin, sagte Röse. Grünen-Kandidat und Ratsfraktionschef Björn Meyer (48) schärfte an dem Abend sein grünes Profil: Grüne Ideen seien schon lange in Gesellschaft und Alltag angekommen – es werde Zeit, sie durch kreative Weichenstellung und frischen Geist auch im Rathaus umzusetzen, erklärte der Fachjournalist. Jens Marten (50), der seit 2016 für die AfD im Gemeinderat sitzt, zur Bürgermeisterwahl aber als freier Bewerber antritt, lebt seit 14 Jahren in Oyten und betreut als Bezirksschornsteinfeger 3000 Haushalte, wie er berichtete.

Geprägt war die Diskussion von Sachlichkeit und Respekt, sowohl im Umgang der Kandidaten miteinander als auch hinsichtlich der Reaktionen des Publikums.

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Jens Marten erntete lediglich höhnische Lacher aus dem Saal, als er bekundete, er möge keine „Falschaussagen“. Ansonsten war sein Eklat mit der Feuerwehr an dem Abend kein Thema.

Zum Thema Verkehr sagte Röse, dass für den Ortskern eine Entlastungstrasse über Sagehorn möglich, wegen der Finanzierung aber immer wieder „runterpriorisiert“ worden sei. Das Problem seien nicht die Straßen, sondern zu viele Fahrzeuge, fand Meyer: „Wir müssen die Leute in Busse und Bahnen kriegen.“ Oetjen will eine Mautpflicht für die L 168 durch Oyten und ein Rabattsystem für Oytener ÖPNV-Nutzer. Marten stellt sich eine „Ringstraße für Oyten und Ottersberg“ vor.

Wann und wie geht's los mit dem Bau der neuen Ortsmitte hinter dem abgerissenen alten Aldi? Die ursprünglichen Ideen vom kleinteiligen Einzelhandel hätten sich leider überholt, bedauerte Röse: „Wir kommen um einen Supermarkt hier nicht herum.“ Meyer kritisierte die Investoren-Lösung scharf: „Lidl und ein Parkplatz – das ist doch keine Ortsmitte.“

Marten ergänzte: „Wir ziehen den Verkehr künstlich in die Ortsmitte rein.“ Oetjen erinnerte, dass auch eine Wasserfläche zur Gestaltung gehöre sowie Mietwohnraum im niedrigen Preissegment.

Stichwort sozialer Wohnungsbau: Der müsse flächig in der Gemeinde verteilt werden, sagte Röse. Dafür müssten kommunale Flächen zur Verfügung gestellt und genossenschaftliche Formen gefunden und von der Gemeinde unterstützt werden.

„Da müssen wir mal den Anfang machen“, so Röse. „Da machen wir gerade den ersten Schritt im Gebiet Rosengarten“, erinnerte Oetjen.

Was die weitere Entwicklung von Gewerbeflächen angeht, waren sich die Kandidaten einig: „Wir suchen uns sehr genau aus, wer nach Oyten kommt“, brachte Oetjen das politisch gewollte behutsame weitere Wachstum auf den Punkt. Auch den Bau der achten Kindertagesstätte in der Gemeinde sehen die Bürgermeisterkandidaten nicht so schnell: „Alternativen ausloten, um Spitzen abzufangen“ will Röse und „erstmal mieten statt bauen“ Oetjen.

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