Bassener Tafel-Team meistert Andrang durch geteilte Öffnungszeiten für Flüchtlinge

Am Anfang für 90 Menschen gesorgt – heute sind's 600

„Früher hatten wir für 80 bis 90 Menschen zu sorgen – heute sind es um die 600.“ Deshalb freut sich die Tafel in Bassen um Leiterin Doris Voß (li.) nicht nur jederzeit über neue Helfer, sondern auch immer über zusätzliche Lebensmittelspenden – wie hier zum Beispiel vom Rotary-Club. - Foto: Archiv

Bassen - bassen - Von Petra Holthusen. „Früher hatten wir für 80 bis 90 Menschen zu sorgen – heute sind es um die 600.“ Das ehrenamtliche Team der Bassener Tafel-Ausgabestelle um Leiterin Doris Voß ist längst am Limit, meistert die Herausforderung jedoch mit Bravour – und klaglos: „Wir machen das alle freiwillig und gerne – und wir tun alles Menschenmögliche, damit jeder genug bekommt und alles gerecht verteilt wird“, betont Doris Voß. Kein Verständnis hat sie deshalb für verbale Attacken aus dem Raum Ottersberg nach einer Neuregelung der Tafel-Öffnungszeiten für Flüchtlingsfamilien.

Aktuell besteht die Kundschaft der Tafel in Bassen neben einigen Alleinstehenden aus 17 einheimischen Familien sowie 120 zugezogenen Flüchtlingsfamilien, die in Heimen oder Wohnungen in Oyten und Ottersberg leben und in der Regel von ehrenamtlichen Betreuern aus ihrer Nachbarschaft zum Tafel-Einkauf gefahren werden.

Allein in den vergangenen vier Wochen hat Doris Voß 60 neue Tafelkunden registriert – in der Regel Familien, die in den neuen Flüchtlingsunterkünften Alte Feuerwehr Bassen und Mobilheim Fischerhude untergebracht wurden.

Um den Andrang bei den schon verlängerten Ausgabezeiten am Mittwoch zu entzerren und die Wartezeiten für die Kunden zu reduzieren, beschloss das Tafel-Team, einen Zwei-Wochen-Rhythmus einzuführen: Einen Mittwoch können die Oytener Flüchtlingsfamilien zum Einkaufen kommen, den anderen Mittwoch dann die Ottersberger, immer im Wechsel. Voll ist es trotzdem – so wie diese Woche, als 50 Familien mit bis zu fünf Kindern aus dem Oytener Raum für den Einkauf anstanden, freundlich und geduldig. „Wenn die Oytener kommen, ist das fast wie Urlaub“, sagt Doris Voß.

Anders in der vorigen Woche, als die Ottersberger an der Reihe waren und sie sich von einem begleitenden Betreuer sogar Bedrohungen und Beschimpfungen anhören musste, weil „seine“ Familien nur noch alle zwei Wochen einkaufen dürften, während deutsche Tafel-Kunden jeden Mittwoch kommen könnten. Von Diskriminierung war gar die Rede in einem Beschwerdeschreiben des Betreuers an unsere Redaktion.

Für Doris Voß passt die Reaktion ins Bild: „Die Ehrenamtlichen in Ottersberg sind nie zufrieden, denen können wir nie was recht machen.“ Von Oytener Seite habe es nie und auch jetzt keine Beschwerden gegeben. Dazu bestehe auch kein Anlass: „Wir haben uns vor unserer Entscheidung das Kundenverhalten angesehen“, schildert die Tafel-Leiterin, „und die allermeisten Flüchtlinge sind nie regelmäßig gekommen.“ Keiner werde durch die Zwei-Wochen-Regelung benachteiligt: „Die Kunden müssen jetzt etwa eine Stunde warten – und die Tüten sind voll. Was sie brauchen, machen wir immer möglich.“

Doris Voß investiert inzwischen 30 ehrenamtliche Arbeitsstunden pro Woche für die Bassener Tafelkunden: „Es ist ja nicht nur der Mittwoch mit Ware auspacken und sortieren, verkaufen, abrechnen und aufräumen...“ – Buchführung, Kundenverwaltung und Organisation kommen für sie an anderen Tagen noch dazu. Das ehrenamtliche Bassener Tafel-Team für die Ausgabe am Mittwoch hat sich inzwischen auf sieben Frauen und drei Männer personell verdoppelt, aber weitere Helferinnen und Helfer sind in Blocks Huus immer willkommen. Nähere Auskünfte zur Tafel-Ausgabestelle in Bassen gibt Doris Voß unter Telefon 04207-5729.

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