Gemeinde unglücklich, aber machtlos

Amazon kommt nach Oyten

Die Unimet-Immobilie in Oyten, die Amazon für die Einrichtung eines Verteilzentrums nutzen will.
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Unimet wird Amazon: Die leer stehende Immobilie im Gewerbepark an der Autobahn in Oyten will der Online-Versandhändler für die Einrichtung eines Verteilzentrums nutzen. Die Oytener Politik ist angesichts der erwarteten zusätzlichen Verkehrsbelastung über die Ansiedlung von Amazon unglücklich – aber machtlos.

Oyten – Der Online-Versandhändler Amazon will in Oyten ein Verteilzentrum einrichten. Die Freude über den Zuzug hält sich in Grenzen: „Das stimmt mich nicht froh, aber wir können das nicht verhindern“, erklärt Bürgermeisterin Sandra Röse auf Nachfrage. „Wir könnten gut darauf verzichten“, sagt Kai Grönke, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat.

Erwartet werden Tausende zusätzliche Transportfahrten pro Tag im und ums Gewerbegebiet an der Autobahn. Allein deshalb „sehen wir das sehr, sehr kritisch“, so SPD-Vorsitzender Ralf Großklaus. Weil es sich bei der geplanten Ansiedlung von Amazon im Gewerbepark jedoch um eine privatwirtschaftliche Angelegenheit handele, seien Politik und Verwaltung leider die Hände gebunden.

Amazon will die Logistik-Immobilie des früheren Oytener Großhandelshauses Unimet übernehmen, das nach der Insolvenz vor zwei Jahren dichtgemacht hatte. Der Bauantrag für die neue Nutzung läuft dem Vernehmen nach, eine offizielle Stellungnahme von Amazon gegenüber unserer Zeitung steht noch aus.

Bei der Vermarktung eigener Flächen hat sich die Gemeinde Oyten darauf festgelegt, kein weiteres Logistikunternehmen in ihren Gewerbegebieten an der A1 zuzulassen – vor allem wegen der hohen Verkehrsbelastung im Ort. Bei bestehenden Immobilien, die Eigentümer im Rahmen der festgelegten Nutzung weiterverkaufen, hat die Gemeinde jedoch so gut wie kein Mitspracherecht. Ihr Einvernehmen zu Bauanträgen (die in der Entscheidungshoheit des Landkreises liegen) kann sie nur bei Verstößen gegen geltendes Recht versagen.

Die von Amazon eingereichten Bauunterlagen zur Nachnutzung der Unimet-Logistik-Immobilie sind Grönke zufolge aber „rechtlich beanstandungsfrei“ – inklusive des beigefügten Verkehrsgutachtens. Darauf hatten die Oytener, die seit Längerem nach Möglichkeiten suchen, die Ansiedlung von Amazon zu verhindern, etwas Hoffnung gesetzt. Aber das Gutachten gelangt offenbar zu der Erkenntnis, dass das Straßennetz im Gewerbepark und rund um den Oytener Autobahnanschluss das erwartete zusätzliche Aufkommen an Lieferfahrzeugen verkraften könne. Zumal es vom Firmenstandort an der Straße An der Autobahn theoretisch drei Ausfahrten aus diesem Gewerbegebiet gebe. Nicht nur Grönke und Großklaus sind dagegen der Auffassung, dass etwa die Kreuzung am Daisy"s Diner „schnell überlastet sein wird“.

Die Gemeinde hat nach Worten von Bürgermeisterin Röse besagtes Verkehrsgutachten „von dritter Seite nochmal hinterfragen lassen“, aber keinen Ansatz gefunden, der Amazon-Ansiedlung einen Riegel vorzuschieben. „Was wir machen können, ist für Transparenz zu sorgen“, so Röse. Deshalb wurde ein Vertreter von Amazon für den 29. März zu einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderates eingeladen, um die Unternehmenspläne darzulegen und sich den Fragen der Politik zu stellen.

Also können wir nur hoffen, dass die uns nicht den Verkehr zerschießen und dass für Oyten was übrig bleibt.

Ralf Großklaus (SPD)

„Wie sie sich das mit den Verkehrsbewegungen genau vorstellen“, will Großklaus an dem Abend von Amazon wissen. Nach seinen Informationen werden ungezählte Sprinter hin- und herfahren, um die versandfertige Ware am Verteilzentrum einzuladen und auszuliefern. Dazu kommt der Lieferverkehr vom Logistikzentrum, vermutlich aus Achim. „Amazon nutzt unsere Infrastruktur und zahlt kaum Steuern durch die Organisation mit Ich-AGs“, kritisiert Großklaus das Geschäftsmodell. Verhindern könne man die Ansiedlung nicht, also „können wir nur hoffen, dass die uns nicht den Verkehr zerschießen und dass für Oyten was übrig bleibt“, so der SPD-Sprecher.

Das von einer Berliner Agentur vermarktete Unimet-Gelände mitten im Gewerbepark ist fast 50 000 Quadratmeter groß und verfügt im Bestand über fast 26 000 Quadratmeter Lagerhallenfläche plus Bürotrakt.

Bürgermeisterin Röse geht davon aus, dass Amazon schon dieses Jahr „das Weihnachtsgeschäft über Oyten abwickeln will“.

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