3200 Fahrten in 24 Stunden

Amazon-Pläne für Verteilzentrum in Oyten

Die ehemalige Unimet-Logistikhalle im Gewerbepark an der Autobahn in Oyten.
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Die ehemalige Unimet-Logistikhalle im Gewerbepark an der Autobahn in Oyten baut Online-Versandhändler Amazon zu einem neuen Verteilzentrum um.

Oyten – Auf mehr als 3200 zusätzliche Fahrzeugbewegungen jeden Werktag summiert sich das Verkehrsaufkommen im und ums Gewerbegebiet an der Autobahn in Oyten, wenn Amazon hier sein neues Verteilzentrum in Betrieb nimmt. Das sagt das Verkehrsgutachten aus, das der Online-Versandhändler für die Genehmigung seines Bauantrags zur Umnutzung der leer stehenden Unimet-Immobilie vorlegen musste.

Das Gutachten geht davon aus, dass Straßennetz und Knotenpunkte den Amazon-Verkehr verkraften können. Die Gemeinde Oyten befürchtet jedoch den täglichen Kollaps – vor allem an der hoch belasteten Daisy’s-Diner/A1-Kreuzung. Diese Sorge wurde nicht kleiner, als Amazon-Sprecher Thorsten Freers am Montagabend dem Gemeinderat und einigen wenigen Zuhörern in öffentlicher Sitzung die Pläne für das Verteilzentrum in Oyten erläuterte.

Als Gemeinde Oyten sind wir nicht Teil des Rechtsgeschäfts. Wir können hier nichts verhindern.

Bürgermeisterin Sandra Röse

Wie berichtet will Amazon als langfristiger Mieter die Logistik-Immobilie des vor zwei Jahren pleite gegangenen Großhandelshauses Unimet übernehmen. Das mehr als 60 000 Quadratmeter große Areal mit fast 26 000 Quadratmetern Hallenfläche liegt an der Straße An der Autobahn mitten im Gewerbepark an der A1. Rat und Verwaltung sind unglücklich über die Ansiedlung des Versandhandelsriesen, verfügen aber über keinerlei Handhabe gegen das Projekt. Auch ein selbst beauftragtes „Gegengutachten“ zum Thema Verkehr brachte keinen Erfolg. „Als Gemeinde Oyten sind wir nicht Teil des Rechtsgeschäfts. Wir können hier nichts verhindern“, schickte Bürgermeisterin Sandra Röse der Planvorstellung vorweg.

„Wir wollen nach Oyten, weil unsere Kunden schon hier sind“, erklärte Thorsten Freers aus der Kommunikationsabteilung von Amazon. Mit dem neuen Verteilzentrum würden zusätzliche Auslieferkapazitäten „auf der letzten Meile“ geschaffen. Der Standort Oyten schließt demnach eine Lücke auf der sich stetig verdichtenden Amazon-Landkarte. Von einem Verteilzentrum aus werden in einem Umkreis von etwa 70 Kilometern die Bestellungen an die Kunden ausgeliefert. Die zuvor in Amazon-Logistik- und Sortierzentren gepackten Pakete kommen fertig per Lkw im Verteilzentrum an, werden hier laut Freers „routenoptimiert“ in Transporttaschen sortiert und für die ausschwärmenden Kuriere bereitgestellt.

131 Mitarbeiter – im Weihnachtsgeschäft bis zu 192 – sollen an sechs Tagen die Woche rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb im Verteilzentrum arbeiten und die Ausliefertouren vorbereiten, hauptsächlich nachts. Das Ausfahren der Pakete übernehmen Freers zufolge etwa 350 bis 550 Mitarbeiter von externen Lieferfirmen, deren Dienste Amazon einkauft.

18 bis 39 Lkw steuern das Verteilzentrum laut Freers im Anlieferverkehr zwischen 23 und 12 Uhr an. 229 bis 402 Transporter sollen im Auslieferverkehr zwischen 9 und 13 Uhr im Einsatz sein, 43 bis 65 im Expressverkehr ab 15 Uhr. Jeder Transporter fährt mehrere Touren. Auf 1945 bezifferte Freers die „Kfz-Bewegungen bei Auslieferungen“. Dazu Lkw- und Mitarbeiterverkehr sowie „sonstige Fahrten“ – alles in allem mehr als 3200 Fahrzeugbewegungen innerhalb von 24 Stunden.

Zum Weihnachtsgeschäft ab Oktober soll das Verteilzentrum in Oyten in Betrieb gehen. „Wir warten auf die Umbaugenehmigung“, sagte der Amazon-Vertreter. Der rondellartige Vorbau von Unimet werde abgerissen: Diese Büroflächen brauche Amazon nicht, dafür aber mehr Mitarbeiterparkplätze.

Die überwiegend virtuell zugeschalteten Ratsmitglieder machten ihre Sorgen wegen des immensen Verkehrsaufkommens deutlich. Ob sich Amazon bei Bedarf finanziell an der Schaffung neuer Verkehrsinfrastruktur beteiligen werde, wollte CDU-Fraktionschef Kai Grönke von dem Gast im Rathaussaal wissen. Das Unternehmen habe keinen Zweifel an der Leistungsfähigkeit des bestehenden Verkehrsnetzes, die nachgewiesen sei, entgegnete Freers. SPD-Fraktionsvorsitzender Volker Schröder befragte den Amazon-Vertreter nach der (nicht vorhandenen) Tarifbindung. Grünen-Ratsfrau Reena Saschowa erkundigte sich nach Gewerbesteuerzahlungen an die Gemeinde Oyten. Eine Steuerschätzung liege bislang nicht vor, sagte Freers dazu.

Amazon-Vertreter Thorsten Freers stellte die Pläne samt Verkehrsprognose dem Gemeinderat vor.

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