Omas Butterkuchen und Opas Handwerk im Mittelpunkt

Alles handgemacht

Der Lanz-Bulldog-Club zeigte beim Fest am Oytener Heimathaus, wie früher gedroschen wurde. - Foto: Keppler

Oyten - Ein schmuck restaurierter Lanz Bulldog, ein Dreschkasten aus den 40er Jahren, dazu eigens für das Back- und Dreschfest des Oytener Heimatvereins angebauter Roggen – und schon fühlten sich viele Besucher am Sonntagnachmittag am Heimathaus zurückversetzt in die Zeit ihrer Großeltern und in die eigenen Kindertage.

Die Zeit also, als das gemähte Korn auf den Feldern noch zu Hocken aufgerichtet wurde, um am Dreschtag auch trocken zu sein. Kinder spielten in und zwischen den Hocken Verstecken, nur umkippen durften die Gebilde nicht, dann gab es Schimpfe. Waren die Garben trocken, wurden sie per Fuhrwerk in die Scheunen gefahren und sorgsam aufgeschichtet. Die sperrigen, aus Holz gebauten Dreschkästen zogen von Hof zu Hof. Energie lieferte der Lanz über einen Keilriemen, der die Kraft auf den Dreschkasten übertrug. Eine ratternde und tösende Angelegenheit, während der man sich nur schreiend verständigen konnte. Gedroschen wurde je nach Hofgröße ein bis zwei Tage. Oben wurde das Stroh samt Ähren in Raster gestakt, alles per Hand natürlich, dann durchlief es mehrere Stationen und wurde so durchgerüttelt, dass sich die Getreidekörner aus den Ähren lösten und über einen Trichter in Säcke fiel. Das leere Stroh flog hinten raus.

Dreschen war reine Männerarbeit. Schweißtreibend und schmutzig. Johann Esselmann vom Lanz-Bulldog-Club Oyten, Sammler und Restaurator alter Landmaschinen, bereichert jedes Jahr im Herbst das beliebte Backfest am Heimathaus um diese Dreschaktion, die besonders ältere Menschen, aber auch viele Kinder in ihren Bann zieht. „Johann, pass auf, der Sack ist gleich voll“, wurde ihm vom Publikum zugerufen, worauf er schnellstens vom Lanz herunterkam, um zu verhindern, dass das Korn auf den Boden fiel. Kleinen Kindern drückte er ein paar Körner in die Hand, um ihnen zu zeigen, wie so etwas schmeckt, wenn noch kein Brot daraus gebacken ist. Auch die Erwachsenen probierten gerne und konnten gar nicht genug von diesem ursprünglichen Geschmack bekommen. Satt wurden die Besucher am Heimathaus davon natürlich nicht.

Dafür hielt der Heimatverein 24 Bleche goldgelb gebackenen Butterkuchen bereit. Wieder einmal war das Backteam um Gaby und Günter Hoppe im Backhaus zur Hochform aufgelaufen. Nicht ein Blech war zu dunkel geraten und die Kruste mit Butter und Zucker genau richtig. Großzügig portioniert, die Kanten abgeschnitten, wurde Blech um Blech aus dem Backhaus getragen und der Kuchen in Stücke geteilt. Auch der Außer-Haus-Verkauf lief bestens. Es hielten sogar Autos mit auswärtigen Kennzeichen an der Straße und Beifahrer sprangen heraus, um sich mit Butterkuchen einzudecken. Zur Kaffeezeit verdüsterte sich der Himmel ein wenig, aber es blieb trocken und so machten die Besucher es sich im Inneren des Heimathauses und in der Remise bequem. Der frische Kuchen, dazu Kaffee und handgemachte Musik von der Hauskapelle „De Thüner“ ließ ländliche Gemütlichkeit aufkommen. 

kr

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