Schreiben mit blickgesteuertem Computer

„Alles mit den Augen“: Martin Grigat erfüllt sich seinen Traum vom eigenen Buch

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Nur mit den Augen steuert der schwerstkranke Martin Grigat seinen Spezialcomputer, an dem er unter anderem Kurzgeschichten schreibt. Mit der Veröffentlichung seiner Sammlung kleiner Erzählungen geht für ihn ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung.

Oyten - Seine selbst geschriebenen Kurzgeschichten als gedrucktes Buch zu veröffentlichen, davon hat Martin Grigat jahrelang geträumt. Mit dem kleinen Erzählband „Alles mit den Augen“, erschienen beim Verlag Books on Demand, ist Grigats sehnlicher Wunsch jetzt in Erfüllung gegangen: 26 seiner über 50 kurzen Geschichten sind in dem Büchlein nachzulesen. Tag für Tag weiter Bestand hat sein größter und alles entscheidender Wunsch: Dass seine Augen ihn noch lange nicht im Stich lassen.

Seine Augen braucht Martin Grigat zum Kommunizieren. Mit ihnen antwortet er, lächelt er – und steuert er seinen Spezialcomputer, auf dem er E-Mail-Nachrichten schreibt und eben seine Kurzgeschichten, aktuell sogar einen ausgewachsenen Kriminalroman. Der augengesteuerte Computer ist sein Draht zur Außenwelt, seit die Krankheit Multiple Sklerose (MS) seinen Körper bewegungs- und sprachunfähig gemacht hat.

Der 47-jährige Oytener leidet mit einer permanenten Entzündung des Rückenmarks an einer außergewöhnlich schweren Form der MS, die vor 16 Jahren nach zunehmenden körperlichen Beschwerden diagnostiziert wurde. Bis dahin war er selbstständiger Webdesigner, aktiver Handballer und Trainer, dazu leidenschaftlicher Billardspieler. Als er mit fortschreitender Krankheit, die ihn schließlich in den Rollstuhl zwang, zu Hause nicht mehr zurechtkam, zog Martin Grigat vor zweieinhalb Jahren ins Gut Retzen, eine spezialisierte Intensivpflege- und Therapieeinrichtung nahe Bruchhausen-Vilsen.

Die meiste Zeit des Tages sitzt er, wenn es seine Kraft erlaubt, im Rollstuhl vor seinem augengesteuerten Computer. Mit Hilfe dieses technischen Wunderwerks hat er auch seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Darüber berichteten wir an dieser Stelle vor anderthalb Jahren – einschließlich seines Wunsches, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Das hat Martin Grigat nun geschafft.

Schreiben auf virtueller Tastatur mühselig

Dabei ist das Schreiben auf der virtuellen Tastatur des augengesteuerten Computers unvorstellbar mühselig. Das Gerät erfasst mit einer speziellen Kamera die Augenbewegungen des Nutzers, analysiert sie und reagiert in Bruchteilen von Sekunden. Buchstaben und Satzzeichen, die Martin Grigat mit seinen Augen fixiert, erscheinen fast sofort auf dem Bildschirm und reihen sich langsam zu Wörtern und Sätzen. Oft genug geht’s mit der Löschtaste zurück, wenn er sich mal verschrieben hat.

Auch Steuerungsbefehle zum Öffnen von Dateien, Verzeichnissen und Adressbüchern gibt er mit seinen Augen. Das Starren ist ermüdend und extrem anstrengend.

Seit dreieinhalb Jahren hat Martin Grigat den Computer, den er allein mit seinen Augen bedienen kann. Dank dieses Wunders moderner Informationstechnologie kann er sich schreibend mitteilen und per E-Mail Kontakte pflegen. Das Internet verbindet ihn mit der Außenwelt, das Schreiben mit den Augen beschäftigt ihn über den Tag.

Tragisches und Komisches, Alltägliches und Absurdes

Die in dem Buch „Alles mit den Augen“ veröffentlichten Kurzgeschichten erzählen zum Beispiel von einem missmutigen Witwer, der jeden Tag der Nachbarin hinter der Gardine winkt, einer Frau im Krankenhaus, die ständig ruft, um nicht vergessen zu werden, einem Alzheimerpatienten, der jede Sorte Kleidung doppelt anzieht, oder einem Straßenräuber, der von drei kleinen Hunden in Schach gehalten wird. Tragisches und Komisches, Alltägliches und Absurdes liegen stets dicht beieinander – auch wenn Martin Grigat Kapitel seiner eigenen Lebensgeschichte einflicht.

Der Erzählband „Alles mit den Augen“ von Martin Grigat ist beim Internetverlag Books on Demand als Paperback-Ausgabe mit einem Umfang von 88 Seiten erschienen unter der Nummer ISBN-13: 9783748177494. Neben autobiografischen Texten und fiktiven Prosaskizzen runden drei Kurzkrimis das Buch ab. Alle Geschichten sind geprägt von Martin Grigats schnörkelloser Sprache, seinem lakonischen Grundton und seinem immer wieder aufblitzenden trockenen bis zuweilen schwarzen Humor. Das Büchlein kostet 4,99 Euro und kann im Internet unter www.bod.de bestellt werden. Eine kleine Anzahl gedruckter Ausgaben ist auch in der Geschäftsstelle des Achimer Kreisblatts, Obernstraße 54 in Achim, für den Verkauf vorrätig.

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