Bremer Autor Will Gmehling beglückt Bassener Grundschulkinder mit Live-Lesung

Abtauchen im „Freibad“

Kinderbuchautor Will Gmehling liest
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Ein Vergnügen: Will Gmehling liest aus seinem preisgekrönten Kinderroman „Freibad“.

Bassen – „Das Beste am Kinderbücherschreiben ist der Kontakt zu den Lesern“, findet Autor Will Gmehling. Bei erwachsenen Zuhörern ehrliche Reaktionen auszumachen, sei nicht so leicht – aber „bei Kindern weiß man nach einer Minute, wie sie es finden“. Diese Art von Rückmeldung und Austausch hat Gmehling in der Zeit der Pandemie sehr vermisst: „Das Lesen ist das Schönste an meinem Beruf, das hat mir unheimlich gefehlt.“

Umso glücklicher ist der Bremer jetzt über die Einladung der Grundschule Bassen zu einer Autorenlesung für die Dritt- und Viertklässler – für ihn der erste Auftritt vor Publikum seit Monaten und für die Zuhörer ein sichtliches Vergnügen. Sie tauchen ein in Gmehlings preisgekrönten Roman „Freibad“, in dem die drei Bukowski-Geschwister „einen ganzen Sommer unter dem Himmel“ erleben.

Genau genommen sind es diese Woche vier Lesungen an zwei Tagen im Bassener Grundschulforum: Für die Veranstaltung mit dem Kinderbuchautor sind die Dritt- und Viertklässler in vier coronakonforme Gruppen eingeteilt. Test, Maske und Abstand sind für sie ohnehin Alltag, geraten an diesem Tag aber zur Nebensache: Schulleiter Volker Penczek ist einfach nur froh, endlich wieder eine dieser so lange vermissten schulischen Aktivitäten anbieten zu können, und nimmt deshalb lächelnd „lauter glückliche Menschen“ um sich herum wahr.

Will Gmehling (63) schreibt seit mehr als 20 Jahren Bücher für Kinder und Jugendliche. Für seinen Kinderroman „Freibad. Ein ganzer Sommer unter dem Himmel“ wurde er voriges Jahr mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Aus „Freibad“ vorzulesen, erscheint ihm jetzt zudem jahreszeitlich passend: „Ich will euch Lust auf den Sommer machen.“ Und im Übrigen sei die Stunde mit ihm kein Unterricht: „Das ist nur für euch selber. Ihr könnt euch wegträumen, in die Wolken gucken, die Augen zumachen ..., was ihr wollt.“ Die unterhaltsam-anregende Abwechslung haben sich die Kinder, an die in der Pandemie viel zu wenig gedacht werde, mehr als verdient, findet Gmehling: „Ihr seid die wahren Helden.“

Die eigentlich ganz unspektakulären, herzerwärmenden Helden der „Freibad“-Geschichte sind die Bukowski-Geschwister Katinka, Robbie und Alf. Weil sie im Hallenbad ein Kleinkind vor dem Ertrinken gerettet haben, bekommen sie als Belohnung eine Jahreskarte fürs Freibad. Dort, im Stadionbad in Bremen, verbringen sie den ganzen Sommer – „mehr als 100 Tage, jeden einzelnen Tag, auch bei Regen“, erzählt ihr Erfinder.

Robbie lernt schwimmen und Katinka Französisch, Alf springt vom Zehn-Meter-Turm und himmelt die Tochter des Bademeisters an. Pommes rot-weiß müssen sie sich teilen. Geld ist knapp bei den Bukowskis aus dem Wohnblock hinter den Gleisen. Elternliebe, Familienzusammenhalt und geschwisterliche Fürsorge gibt’s dafür in beneidenswertem Übermaß. Davon erzählt der Autor, der als Meister der kurzen Sätze gilt, völlig unpathetisch, aber warmherzig, mit einiger Situationskomik und amüsanten Bildern. Vordergründig passiert nicht viel, hintergründig umso mehr.

Die Bukowskis sind den Zuhörern sofort sympathisch und schnell vertraut. Mit seiner natürlich-lebendigen Art zu lesen gibt Gmehling seinen Figuren Stimme und Gesicht. Darin erkennen sich alle irgendwann wieder, und dabei gibt’s auch viel zu lachen: Spätestens als Papa Bukowski eine Show auf dem Sprungturm macht und sein Sohn am Beckenrand vor Peinlichkeit nicht mehr weiß wohin, kringeln sich die Kinder glucksend auf ihren Stühlen. Die Lehrkräfte übrigens auch.

Später kommt Gmehling mit den Kindern ins Gespräch, erzählt vom Bücherschreiben und etwas von sich. Dass er selber in einem Bremer Wohnblock groß geworden ist und dass er auch ein Schwimmer und Freibad-Fan ist. Und dass es ein tolles Gefühl ist, dass seine Bücher in fremde Sprachen übersetzt werden: „Dass ein Kind in Peking ein Buch von mir in Chinesisch liest, ist eine schöne Vorstellung.“

Von Petra Holthusen

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