Unterhaltungsverband Untere Wümme hat neuen Geschäftsführer und Gewässerkoordinator

Zwischen Abflusssicherung und Naturschutz

Kümmern sich um die Gewässerunterhaltung im Bereich der unteren Wümme: (v.li.) Marcel Cordes, Helmrich Busch, Carsten Puvogel und Lucas Jost.
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Kümmern sich um die Gewässerunterhaltung im Bereich der unteren Wümme: (v.li.) Marcel Cordes, Helmrich Busch, Carsten Puvogel und Lucas Jost.

Fischerhude – „Wasser sucht sich immer den einfachsten Weg. Dafür zu sorgen, dass der einfachste Weg auch der richtige ist, das ist Aufgabe der Unterhaltungsverbände“, erklärt Ingenieur Helmrich Busch, neuer Geschäftsführer des Unterhaltungsverbands Untere Wümme mit Sitz in Fischerhude. Was aber der richtige Weg ist – darüber sind sich Anlieger, Landwirte und Naturschützer oft nicht einig. Die Anforderungen an die Arbeit des Unterhaltungsverbands haben sich mit der Zeit entsprechend gewandelt: „Wo früher ausschließlich die Abflusssicherung zu gewährleisten war, müssen heute die Belange des Naturschutzes gleichberechtigt mit beachtet werden“, so Busch.

Seit 2017 gelten auch bei der Gewässerunterhaltung die Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes zum Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenarten. Für die Unterhaltenden bedeutet dies Busch zufolge konkret: „Keine Unterhaltungsmaßnahmen in besonders wertvollen Bereichen oder in bestimmten Zeiträumen, mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit vorkommenden Arten, Belassen von Rückzugsbereichen, eine genaue Abwägung des Unterhaltungserfordernisses.“

„Das ist nicht immer einfach und stellt uns vor große Herausforderungen“, erklärt der Geschäftsführer. Busch, der zuvor Geschäftsführer bei einem Landschaftspflegeunternehmen war, hat Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Interessengruppen: „Als gelernter Forst- und Landwirt und studierter Landschaftspfleger kenne ich beide Seiten. Das hat mir bisher immer geholfen, angemessene Entscheidungen zu treffen.“ Dabei gelte generell der Unterhaltungsgrundsatz „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“.

Reduzierte Gewässerunterhaltung gibt es an einigen Gewässern im Verbandsgebiet schon seit mehreren Jahren. Insbesondere an den renaturierten Gewässerabschnitten wird nach Buschs Worten nur noch „beobachtend unterhalten“, etwas wenn große Abflusshindernisse aufkommen.

Die Wümmeniederung nimmt in Sachen Gewässerrenaturierung landesweit eine Vorreiterrolle ein. „Bestrebungen, das Gebiet der unteren Wümmeniederung wieder naturnäher zu gestalten, gibt es schon seit den 1980er-Jahren“, erinnert sich Carsten Puvogel, langjähriger Verbandsvorsteher. Die Früchte seien heute in der Fläche sichtbar. Aufgrund der bisher geleisteten Arbeit und der fortgeschrittenen Renaturierung, so Puvogel, „gehören die Wümmearme wie auch der Walleunterlauf zu den sogenannten Schwerpunktgewässern des Landes Niedersachsen“.

Schwerpunktgewässer sind danach diejenigen Gewässer mit den besten Chancen auf Erreichung eines guten ökologischen Zustands, dem erklärten Ziel der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Voraussetzung dafür ist, so Busch, „die konzentrierte und sinnvolle Durchführung weiterer Renaturierungsmaßnahmen und, wo möglich, eine angepasste Gewässerunterhaltung“. Dafür steht dem Verband Lucas Jost zur Seite, ein mit Landesmitteln finanzierter Gewässerkoordinator. Zu seinen Aufgaben gehört das Sichten des Maßnahmenpotenzials sowie geeigneter Gewässerabschnitte, die Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit lokalen Akteuren. Außerdem kümmert er sich um die Finanzierung und Förderung der Maßnahmen durch das Land. „Auch Anwohner, Vereine oder einfach nur Interessierte sollen sich direkt mit Fragen und Vorschlägen an ihn wenden können“, betont der Verbandsgeschäftsführer.

Das angestrebte richtige Maß zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und Belangen des Naturschutzes werde sich weiter wandeln. „Denn vor dem Hintergrund der fortschreitenden Klimaveränderung kommt wohl eine weitere Aufgabe der Gewässerunterhaltung stärker zur Geltung: Die beiden vergangenen Trockenjahre zeigen, dass auch der Rückhalt des Wassers in der Landschaft zum Thema wird, eben nicht nur für den Naturschutz, sondern gerade auch für die Nutzer der anliegenden Flächen“, so Busch.

Kontakt

Interessierte erreichen Gewässerkoordinator Lucas Jost telefonisch unter 04231 / 882155 sowie per

E-Mail an Lucas.Jost@ nlwkn-ver.niedersachsen.de

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