Nur zwei Stunden vor Konzert trifft Pertiet-Partner Imran Khan per Flugzeug ein

Musikalische Gegensätze auf erstaunliche Weise vereint

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Ihre Instrumente passen musiktheoretisch eigentlich nicht zusammen. Boogie-Pianist Henning Pertiet (links) und Imre Khan an der Sitar bewiesen in Fischerhude aber, dass das Zusammenspiel praktisch hervorragend funktioniert.

Fischerhude - Von Bernd Hägermann. Henning Pertiet hat schon mit vielen namhaften Musikern zusammengespielt. Vince Weber, Abi Wallenstein oder Axel Zwingenberger sind nur einige. Die Gemeinsamkeit: Alle musizieren im selben Fach – Boogie und Blues, mithin Jazz. Imran Khan hingegen ist ein Meister der indischen Sitar und deshalb nicht zwingend der logische Partner eines Pianisten wie Pertiet.

Dieser schlägt die Tasten gern hart an, um die Musik voranzutreiben

Dennoch haben sich Pertiet und Khan auf das Experiment eingelassen. Sie taten gut daran. Jetzt gastierte das Duo unter dem Konzertmotto „sitar.meets.piano/east.meets.west“ in Fischerhude.

Nur zwei Stunden vor Konzertbeginn war Imran Khan aus Mumbai kommend mit dem Flugzeug gelandet. In der Dorfbuchhandlung waren die Künstler umgeben von Bildern und Büchern sowie kleineren technischen Problemen, die souverän überspielt oder behoben wurden. Vor ihnen saßen rund 30 Zuhörer.

Pertiet und Khan lernten sich auf der Konzertveranstaltung eines Freundes in Bremen kennen. Pertiet war vom Spiel Khans sofort beeindruckt.

Das Interesse für die klassische indische Musik allerdings hatte Pertiet schon viel früher für sich entdeckt. Vor zwölf Jahren kaufte er sogar selber eine Sitar, um schnell festzustellen: „Das klappt nicht.“

Es fehlte weniger die spieltechnische Voraussetzung, als vielmehr die Tradition einer ganzen Spielkultur und die daraus erwachsene musikalische Selbstverständlichkeit.

Sehr wohl klappt aber das Zusammenspiel von Pertiet und Khan, obwohl ihre Instrumente nach musiktheoretischer Überzeugung nicht zusammenpassen. Das Klavier ist für die Sitar eigentlich zu laut. Für Henning Pertiet und Imran Khan war das kein Hinderungsgrund, sondern eine Herausforderung.

„Das reizte mich wirklich sehr“, gestand der Neuerungen gegenüber niemals verschlossene Pianist. Beiden Künstlern gelang mit der Verbindung vermeintlicher musikalischer Gegensätzlichkeiten ein intimes Konzert vom meditativer Kraft.

Als Grundlage diente ihnen die ausgeprägte Fähigkeit zur Improvisation. Viele Zuhörer lauschten den Klängen mit geschlossenen Augen. Immer wieder zwischendurch und am Ende applaudierte das Publikum kräftig.

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