Zwei kurze Leben im Widerstand: Cato Bontjes van Beek und Sophie Scholl

Von menschlicher Größe

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Johanna Kunze (li.) und Frauke Geyken gestalteten die szenische Lesung.

Fischerhude - Das tragische Lebensschicksal ist Cato Bontjes van Beek (1920-1943) und Sophie Scholl (1921-1943) gemeinsam. Mit dem Mittel des Flugblatts leisteten sie Widerstand gegen das verbrecherische und menschenverachtende Nazi-Regime. Ihr Mut kostete sie das Leben. Beide Widerstandskämpferinnen wurden 1943 hingerichtet. Doch ihr Vorbild reicht bis in die Gegenwart.

Während jedoch Sophie Scholl als Mitglied der Gruppierung „Weiße Rose“ bundesweit und international einen Heldenstatus erlangte („Das junge Gesicht des deutschen Widerstands“), wurde und wird das Wirken der Fischerhuderin Cato Bontjes van Beek – Mitglied in der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ und deswegen der Nähe zum Kommunismus verdächtigt – vor allem regional gewürdigt.

Beide Frauen standen am Dienstagabend im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Gleichstellungsbeauftragen der Stadt Achim und des Fleckens Ottersberg zum Internationalen Frauentag am 8. März. Der Titel des Abends: „Lerne mit dem Herzen zu denken! Zwei kurze Leben im Widerstand“.

Historikerin Frauke Geyken und Johanna Kunze von der Theaterinitiative Bühnensturm gaben in ihrer szenischen Lesung im Buthmanns Hof in Fischerhude auch Antwort auf die Frage „Was ist Widerstand, und wann beginnt er?“ Dafür lieferten die Biografien von Scholl und Bontjes van Beek wichtige Hinweise.

Cato Bontjes van Beek wuchs auf in einer Familie von Künstlern. Ihre Mutter Olga war eine bekannte Ausdruckstänzerin, die sich später der Malerei zuwandte und in ihrem langen Leben immer ein Freigeist blieb. Olga Bontjes van Beek war es auch, die nach dem Krieg mit Ämtern um Wiedergutmachung und um das Ansehen ihrer Tochter als Widerstandskämpferin stritt. Es war ein langer und zehrender Kampf. Alte Nazis, die in der neuen Bundesrepublik wieder wichtige Positionen besetzten, hatten kein Interesse an Aufklärung. Erst 1998 wurden die Unrechtsurteile der Nazijustiz aufgehoben. Bis dahin galten Cato Bontjes van Beek und andere mehr als Täter denn als Opfer.

Dabei hatten sie geschafft, was anderen offensichtlich unmöglich war – sie hatten sich ihre Handlungsfähigkeit in scheinbar aussichtsloser Situation bewahrt. Diese Umschreibung gilt als eine Definition für Widerstand. Eine andere besagt, dass jemand, der die Ziele eines Staates verhindern will, dem Widerstand zuzurechnen ist.

Sehr berührend bei dieser szenischen Lesung waren die zu Papier gebrachten Erinnerungen von Mietje Bontjes van Beek, Catos Schwester. Im Gegensatz zu Sophie Scholl, die in ihrer Kindheit und Jugend als nachdenklich und fast schüchtern galt, aber schon damals über ein ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein verfügte, war Catos Wesen offen und den Menschen zugewandt. Sie besaß die Fähigkeit, andere für sich einzunehmen. Und sie war ein mitfühlender Mensch. Kriegsgefangenen zum Beispiel steckte sie Essen zu, um ihre verzweifelte Lage etwas zu verbessern.

Veranstaltungen wie jene am Dienstagabend bewirken in ihrer professionellen Umsetzung zweierlei: Sie geben Eindruck von menschlicher Größe und verhindern das Vergessen. Sophie Scholl und Cato Bontjes van Beek sind gewiss unvergessliche Menschen.

häg

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