Demenz-Gesprächskreis für Betroffene und ihre Angehörigen läuft im vierten Jahr

Zeit zum Aussprechen und Austauschen

Der Kuchen ist gebacken, der Tisch gedeckt – mit viel Herzblut bereiten (v.li.) Ilse von Spreckelsen, Jutta Hagenah, Ingrid Dreyer, Monika Meyer und Marita Blöthe alles vor für den Gesprächskreis, den sie einmal im Monat im Ottersberger DRK-Heim für Menschen mit einer Demenzerkrankung und deren Angehörige anbieten. Foto: Holthusen

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Eltern oder Ehepartner mit einer Demenzerkrankung zu Hause zu betreuen, ist ein 24-Stunden-Job 365 Tage im Jahr. Die hohe körperliche und seelische Belastung führt pflegende Angehörige oft an ihre Grenzen. Und nicht selten in die soziale Isolation. Zeit und Raum, sich auszusprechen, Unterstützung und Zuspruch zu erfahren und auch mal in geselliger Runde zusammen zu lachen, bietet der Demenz-Gesprächskreis, den ehrenamtlich engagierte Frauen des DRK in Ottersberg einmal im Monat anbieten. Das Besondere an der Gruppe: Sie ist verständnisvolle Anlaufstelle auch für die Erkrankten, die mitgebracht werden können. Für sie, die unter fortschreitendem Verlust ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten leiden, ist es im Alltag nicht mehr selbstverständlich, etwas vorzuhaben, mal rauszukommen und Kontakte zu pflegen.

Zurzeit besuchen etwa zehn Angehörige den monatlichen Gesprächskreis; einige bringen ihre demenziell erkrankten Partner oder Eltern mit, andere kommen allein. Nach dem regelrechten Boom vor anderthalb Jahren ist die Gruppe zuletzt kleiner geworden. „Wir können wieder mehr werden – trauen Sie sich“, sagt Koordinatorin Monika Meyer an die Adresse neuer Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Alle Menschen mit einer Demenzerkrankung und deren Angehörige sind jederzeit willkommen.

Gestartet war das Angebot 2016, nachdem sich Monika Meyer und ihre ehrenamtlichen Mitstreiterinnen sorgsam durch Qualifizierungen und Fortbildungen auf die fachliche Leitung einer solchen Gruppe vorbereitet hatten. Immer am dritten Dienstag eines Monats trifft sich seitdem der Demenz-Gesprächskreis im Ottersberger DRK-Heim. Die Nachmittage bereiten Monika Meyer, Jutta Hagenah, Ilse von Spreckelsen, Ingrid Dreyer und Marita Blöthe mit viel Herzblut vor. Erstmal sorgen sie mit hübsch gedeckten Tischen und selbst gebackenen Kuchen für Wohlfühlatmosphäre. Sind Erkrankte und Angehörigen angekommen, werden gemeinsame Rituale gepflegt, die das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken: Begrüßungsgeschichte, Eröffnungslied und Kaffeetafel.

Danach trennen sich die Grüppchen. Ilse von Spreckelsen, Ingrid Dreyer und Marita Blöthe bleiben mit den Erkrankten im Raum und sorgen für anregende und unterhaltsame Beschäftigungsmöglichkeiten: „Wir hören Musik, singen, tanzen, lachen, spielen kleine Spiele.“ Dafür liegen Gesellschaftsspiele, Figuren, Bausteine und weiche Bälle bereit. Wichtig sei es, so Ilse von Spreckelsen, sich auf die Demenzkranken einzustellen und nicht umgekehrt; sich in sie hineinzuversetzen und sich wertschätzend mit ihnen zu unterhalten.

Die in den Nebenraum gewechselten Angehörigen finden in der Zeit Gelegenheit zum vertrauensvollen Austausch. Monika Meyer und Jutta Hagenah liegt am Herzen, dass die Angehörigen „sich erstens austauschen und zweitens alles loswerden können, was ihnen auf der Seele brennt“. Dass alles Gesagte den Raum nicht verlasse, sei oberstes Gebot, betont Monika Meyer. Manchmal habe jemand ganz viel zu erzählen, weil in vier Wochen so viel passiert sei, weil sich der Zustand des betreuten Angehörigen verschlechtert habe und der Alltag so schwer geworden sei. Manchmal möchte jemand auch gar nichts sagen, sondern einfach nur da sein, „weil er gerade so fertig ist“. Man dürfe ja nicht vergessen, dass die betreuenden Angehörigen auch alle keine 25 mehr seien und dass es ja nicht besser werde mit der Krankheit, sondern stetig schlimmer: „Das weiß jeder, der hier herkommt.“ Besonders schwer sei für Angehörige, dass der Demenzkranke „nicht mehr der Mensch ist, den sie mal geheiratet haben oder den sie als Mutter oder Vater gekannt haben – das ist jetzt eine andere Persönlichkeit“.

Trotz allem werde bei den Treffen auch viel gelacht. Aber dass hier erstmal „alles abgeladen werden kann und die Betroffenen sich öffnen können“, ist für die Gruppenbetreuerinnen oberstes Gebot und gleichzeitig Lohn ihres Engagements: „Das ist Hilfe, die ankommt.“

Termine und Kontakt

Der Gesprächskreis für Menschen mit einer Demenzerkrankung und deren Angehörige unter dem Dach des DRK-Ortsvereins Ottersberg findet immer am dritten Dienstag eines Monats in der Zeit von 15 bis 17 Uhr im DRK-Heim hinter dem Rathaus an der Grünen Straße in Ottersberg statt. Die Gruppe ist offen für alle von Demenz Betroffenen und ihre Angehörigen; eine Mitgliedschaft im DRK ist ebenso wenig erforderlich wie eine Anmeldung. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Gesprächskreis bietet pflegenden Angehörigen und ihren Erkrankten einen geschützten Raum, um sich auszusprechen, auszutauschen, Geselligkeit zu pflegen und Fragen zu stellen. Angehörige können auch allein kommen. Vertraulichkeit ist oberstes Gebot. Die nächsten Termine sind am 18. Februar, 17. März, 21. April, 19. Mai, 16. Juni, 21. Juli, 18. August, 15. September, 20. Oktober, 17. November und 15. Dezember. Für weitere Auskünfte steht Ilse von Spreckelsen unter Telefon 04205 / 7580 gerne zur Verfügung.

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