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Zehn Jahre Mofa-AG an der Wümmeschule Ottersberg

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Von: Dennis Bartz

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Wer seinen Mofa-Führerschein bestehen will, darf am Slalom durch die Pylone nicht scheitern.
Wer seinen Mofa-Führerschein bestehen will, darf am Slalom durch die Pylone nicht scheitern. © Bartz

Ottersberg – Jugendliche, die auf dem Land mobil sein wollen, müssen sich etwas einfallen lassen: Für das erste eigene Auto sind sie noch zu jung, aufs Elterntaxi wollen sie irgendwann nicht mehr angewiesen sein und die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln reicht meist nicht aus.

Viele Schüler wollen deshalb so schnell wie möglich einen Mofa-Führerschein machen. Wie sie das motorbetriebene Fahrrad bedienen und worauf sie im Straßenverkehr achten müssen, lernen sie seit zehn Jahren im Rahmen der Mofa-AG an der Wümmeschule in Ottersberg. Fahrlehrer Matthias Trunkhardt macht sie in 18 Stunden – jeweils neun für Theorie und Praxis – innerhalb eines Schulhalbjahres fit für die Prüfung beim Tüv.

Schulleiter Dominik Lerdon ist stolz auf das Angebot, das eine Werbung für die Wümmeschule sei: „Viele Jugendliche entscheiden sich auch wegen der Mofa-AG für uns – im gesamten Umkreis gibt es nämlich kein vergleichbares Angebot.“

Die Fahrerlaubnis für das 25 km/h schnelle Gefährt, die ab einem Alter von 15 Jahren ausgestellt werden kann, eröffne den Jugendlichen ganz neue Möglichkeiten – in der Freizeit ebenso wie bei der Ausbildungssuche: „Sie legen das Dokument sogar ihrer Bewerbung bei. Damit sammeln sie bei vielen Arbeitgebern Pluspunkte. Weil sie mobil sind, können Ottersberger ihre Ausbildung beispielsweise in Oyten machen, und umgekehrt. Auch weitere Fahrten sind damit kein Problem mehr.“

Diese Flexibilität sei vielen Arbeitgebern wichtig: Ohne Mofa-Führerschein bekämen Jugendliche oft sogar Absagen, weil die Betriebe fürchteten, dass es Probleme bei anfallenden Überstunden geben könnte. „Abends fahren eben oft keine Busse mehr“, erklärt Lerdon.

Bevor die Schüler auf den Mofaroller steigen dürfen, erklärt Fahrlehrer Matthias Trunkhardt, worauf sie achten müssen.
Bevor die Schüler auf den Mofaroller steigen dürfen, erklärt Fahrlehrer Matthias Trunkhardt, worauf sie achten müssen. © Bartz

Etwa 200 Schülerinnen und Schüler des 8. und 9. Jahrgangs haben sich in den vergangenen Jahren für die Mofa-AG angemeldet – „und Matthias Trunkhardt hat sie alle durch die Prüfung gebracht“, lobt der Schulleiter, der oft Anfragen von jüngeren Schülern erhält. „Die sind oft sehr ungeduldig und würden am liebsten schon in der siebten Klasse damit starten – dann ist Geduld gefragt.“

Das galt auch für Harun Hussain aus Posthausen, der nun aber kurz vor seiner Prüfung steht. Während andere Schüler seiner Trainingsgruppe mit schuleigenen Mofas gekonnt durch einen Slalom aus Pylonen knattern, erklärt der 15-Jährige, dass er froh darüber sei, dass die Wümmeschule eine Mofa-AG anbietet: „Hier ist es günstiger als in der Fahrschule. Wir zahlen insgesamt nur 53 Euro. Und wenn wir später einen Autoführerschein machen, müssen wir beim Theorieunterricht weniger bezahlen“, berichtet der 15-Jährige.

Zehn Euro zahlen die Schüler für Sprit und Öl, 20 Euro für Unterrichtsmaterial, weitere 23,80 Euro zahlen sie beim Tüv für die theoretische Prüfung. „Die ist manchmal der Knackpunkt, die Praxis selten“, erklärt Trunkhardt.

Er ist einmal pro Woche zu Gast an der Wümmeschule und unterrichtet an den weiteren Tagen Fahrzeugtechnik an den Berufsbildenden Schulen in Rotenburg. Ihm sei es wichtig, dass die Schüler ihr Mofa nicht nur bedienen können, sondern sich auch mit den technischen Besonderheiten auskennen: „Beleuchtung, Batterie und die Betriebsstoffe wie Öl und Benzin – all das muss sitzen.“ Immer wieder erinnert er sie zudem daran, dass Helm und Handschuhe Pflicht sind.

Das Mofa sei ideal für Jugendliche in ländlichen Gebieten, findet Harun Hussain: „Wir haben hier schließlich keine S-Bahn, die wir nutzen können. Und auch Busse fahren oft nach 19 Uhr gar nicht mehr. Das ist ein Problem, wenn ich abends mit meinen Jungs unterwegs bin.“

Etwa 1 000 Euro, berichtet er, koste ein gutes gebrauchtes Mofa.

Obwohl er selbst noch keinen Führerschein hat, ist der 14-jährige Henry Zilke aus Oyten bereits ein begeisterter Bastler und hat mehrere Mofas, an denen er herumschraubt. Nun freue er sich auf seinen 15. Geburtstag – und den Tag seiner Prüfung.

Das gilt auch für seinen Kumpel Fabian Albrecht aus Oyten, der schon lange für sein eigenes Mofa spart: „Das Geld habe ich nun zusammen.“ Auch die Folgekosten bereiten ihm wenig Kopfzerbrechen: „Die Spritkosten halten sich ja zum Glück in Grenzen, weil Mofas wenig verbrauchen. Bei den aktuellen Preisen ist das besonders wichtig.“

Damit möglichst viele Schüler gleichzeitig fahren können, sucht die Wümmeschule nach weiteren Mofas für die AG: „Wer noch ein gebrauchtes Mofa hat und dies nicht mehr braucht, kann sich gerne bei uns melden. Wir machen es dann wieder fit fürs Fahrtraining“, so Trunkhardt.

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