Ringen um Finanzierung

Konzept für bleiverseuchten Wurfscheibenschießstand steht

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Wegen der Verseuchung des Bodens mit Bleimunition liegt der Wurfscheibenschießstand der Fischerhuder Schützen seit 2013 brach. Funktioniert die Finanzierung wie geplant, werden die kontaminierten Flächen nächstes Jahr saniert und nach neuen Umweltstandards für den Weiterbetrieb des Trapschießens vorbereitet.

Fischerhude - In den Wümmewiesen, da wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, baute der Fischerhuder Schützenverein 1969 seinen Wurfscheibenschießstand. Über Jahrzehnte schossen ambitionierte Sportschützen und übende Jäger aus der Region hier beim Trapschießen mit Flinten und Bleischrotmunition auf fliegende Ziele.

Das sportliche Tontaubenschießen in freier Natur erfreute sich mächtiger Beliebtheit – allerdings auf Kosten der Umwelt: Patronen und Wurfscheibenreste kontaminierten den Boden. 2013 hatte die Verseuchung mit Blei, einem giftigen Schwermetall, einen alarmierenden Wert erreicht, der zur zwangsweisen Stilllegung des Wurfscheibenschießstands führte.

Seitdem bemüht sich der Verein, die technischen und rechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen, um das Trapschießen wieder aufnehmen zu können. Nach sechs Jahren Auseinandersetzung mit Behörden und Gutachtern und mit Aktenordnern voller Expertisen und Anträge sind die Schützen kurz vorm Ziel. Sanierung und Neubau sind mit rund 420.000 Euro veranschlagt. Vorstandsbeauftragter für das Projekt ist Udo Wunderlich. Ohne die Unterstützung von Jagdfreund Reinhard Wischhusen, der als früherer Grasberger Vize-Verwaltungschef die Behördenwege kennt, hätte Wunderlich schon vor Jahren hingeworfen: „Wieviel Zeit und Arbeit da drinstecken, glaubt kein Mensch.“ Nicht umsonst machen Wurfscheibenschießstände angesichts unverzichtbarer umwelttechnischer Standards landauf, landab nach und nach dicht.

Die Problemlösung in Fischerhude nahm Jahre in Anspruch. Aber Wunderlich und Wischhusen blieben hartnäckig, begleitet von Umweltfachplanern. Inzwischen ist die Sanierungsvereinbarung auf freiwilliger Basis mit der Naturschutzbehörde beim Landkreis unterschrieben. Die Genehmigung zum Weiterbetrieb der Anlage nach Abschluss der erforderlichen Maßnahmen liegt vor – inklusive Lärmauflagen, die pro Monat sieben Veranstaltungen mit je 900 Schuss erlauben. Schießbetrieb wäre samstagvormittags und sonntagnachmittags.

Die baulichen Anlagen wie Clubhäuschen und Schießleitungsstand sollen erneuert und modernisiert werden.

Jetzt hängt alles an der Finanzierung. Die Bodensanierung für rund 250.000 Euro wird voraussichtlich über das Landesprogramm „Sanierung von Brachflächen“ bezahlt. Die Vorgespräche mit der NBank seien positiv verlaufen – Wunderlich und Wischhusen rechnen mit der Bewilligung der Gelder im Frühjahr. Der genehmigten Planung zufolge soll das kontaminierte Erdreich abgeschoben, auslaufsicher verpackt und in einer Wallanlage auf dem Gelände eingelagert werden. Nach Wiederauffüllung der abgetragenen Fläche soll diese mit einem Vlies abgedeckt werden, von dem die Schrote – künftig aus Weicheisen – und die Wurfscheibenreste regelmäßig abgesammelt werden können.

Für die Wiederherstellung der Betriebsgebäude rechnen die Schützen mit Kosten von 169.000 Euro. Das Clubhäuschen aus Holz braucht eine Grundsanierung samt neuer Verschalung und einen Anbau für die bislang fehlende WC-Anlage. Der Container für die Schießsportleitung, die die Wurfscheiben freigibt, muss ersetzt werden.

Zehn Prozent der 169.000 Euro kann und will der Schützenverein selbst bezahlen, für die restlichen 90 Prozent hat er im Rahmen der Sportstättenförderung die üblichen Zuschussanträge gestellt: Jeweils ein Drittel davon – je 50.700 Euro – sollen Landessportbund, Landkreis Verden und Gemeinde Ottersberg beisteuern.

Diese Drittel-Regelung ist bei Investitionen in Sportstätten gängige Praxis im Kreis. Allerdings passierte der Förderantrag an den Flecken den zuständigen Fachausschuss des Gemeinderates am Mittwochabend im Rathaus nur mit Ach und Krach bei überwiegender Stimmenthaltung. Die Politik, die hier und da Informationslücken erkennen ließ, äußerte Skepsis, störte sich an der Höhe der Zuschusssumme, an der Lagerung des verseuchten Bodens und an den Entgelten, die der Verein von den Trapschützen erhebt. Lediglich Hannah Schwarz-Kaschke (CDU) und Holger Wieters-Froehlich (FGBO) legten sich für die Förderung argumentativ ins Zeug. „Das ist für uns die viel günstigere Lösung, als wenn die Gemeinde irgendwann auf einem verseuchten Gelände sitzenbleibt“, sagte Schwarz-Kaschke. „Wir können keine Unterschiede in der Förderung von Fußballvereinen, Tennisclubs und Schützenvereinen machen“, mahnte Wieters-Froehlich, „wir fördern alle gleich.“

Die Arbeitsgemeinschaft Ottersberger Sportvereine hatte den Zuschuss bereits im Vorfeld befürwortet.

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