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Wümmeschule Ottersberg will Schulsanitätsdienst aufbauen

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Von: Lisa Duncan

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Warm eingepackt: Ben und Colin zeigen unter Aufsicht von Erste-Hilfe-Ausbilder Karl Heinz Seiler (ASB Rotenburg), wie man einem Verletzten eine Rettungsdecke umlegt.
Warm eingepackt: Ben und Colin zeigen unter Aufsicht von Erste-Hilfe-Ausbilder Karl Heinz Seiler (ASB Rotenburg), wie man einem Verletzten eine Rettungsdecke umlegt. © Duncan

Ottersberg – „Achtung, Achtung, ein Schulsanitäter aus der neunten Klasse bitte ins Sekretariat!“ So oder ähnlich könnte es im Fall der Fälle schon ab dem nächsten Schuljahr durch die Lautsprecheranlage der Ottersberger Wümmeschule tönen. Denn erstmals lassen sich an der dortigen Oberschule Jugendliche zu Schul-Rettungsssanitätern ausbilden. Die Ausbildung erfolgt in einer Nachmittags-AG in Zusammenarbeit mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Rotenburg.

Laut Erste-Hilfe-Ausbilder Karl Heinz Seiler hatte der erst 2018 gegründete Kreisverband schon zuvor an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg einen Schulsanitätsdienst aufgebaut.

18 Schüler aus den Jahrgängen 7 bis 9 sind am Aufbau des Ottersberger Schulprojekts beteiligt. „Das zeigt schon viel Interesse“, freut sich Lehrerin Esma Karakus. „Ziel ist es, den Schulsanitätsdienst hier zu etablieren.“ Die Ausbildung beinhaltet 35 Lerneinheiten, die kurz vor den Sommerferien mit einer Prüfung abschließen. Darüber hinaus soll unter Beteiligung der Schüler ein Sanitätsraum im B-Trakt der Schule extra für diesen Zweck eingerichtet werden, berichtet Karakus weiter. „Die Idee habe ich mir bei der IGS Oyten abgeguckt“, erzählt die 31-Jährige, die zuvor eine Zeit lang an der Gesamtschule unterrichtet hatte. Es habe sie sehr beeindruckt, wie Schüler bei einem Unfall mit Kopfverletzung ihr gelerntes Fachwissen aus der Sanitäterausbildung sofort abrufen und anwenden konnten – „zum Teil besser als die Erwachsenen“. Hinzu kam, dass es auch an der Wümmeschule Situationen gegeben habe, wo ein Schulsanitätsdienst nützlich gewesen wäre, berichtet Karakus und ergänzt: „So können Schüler Verantwortung übernehmen. Es ist für viele ein Anreiz, zu wissen: Ich kann helfen.“ Zudem könnten sie ihre Kenntnisse und das Zertifikat später für den Führerschein, den Vereinssport oder sonstige Ehrenämter nutzen.

Doch zunächst geht es in der AG um die Grundlagen: „Das Problem ist, keiner will mit der Ersten Hilfe anfangen, der Mensch ist ein Herdentier“, stellt Karl Heinz Seiler fest, und erklärt, worauf es ankommt: Notruf absetzen, das Kommando übernehmen, Aufgaben verteilen, Gaffer wegschicken. „Wie bildet man eine Rettungsgasse auf der Autobahn?“, fragt er. „Wer links fährt, fährt links, alle anderen fahren rechts, weil durch den Standstreifen mehr Platz ist“, weiß Colin. Mit Maske und Abstand sind auch praktische Übungen im Klassenraum dran. Mit Colin als Unfallopfer und Ben als Rettungssanitäter zeigt Seiler, wie man bei einem Verletzten die Körperwärme hält. Nur wenige Handgriffe reichen, um den „Bewusstlosen“ auf eine Unterlage zu rollen und in eine Rettungsdecke einzuwickeln.

Von Klasse 7 bis 9 seien die Schüler einerseits nicht zu jung, um die teilweise komplexen Zusammenhänge zu begreifen, andererseits verblieben die fertig ausgebildeten Schulsanitäter noch mindestens ein Jahr an der Schule, sagt Karakus. Vorgesehen sei, dass die Gruppe und der ASB sich weiterhin kontinuierlich treffen, „weil die Schüler erst mit der Erfahrung lernen“ – und das Gelernte vertiefen. Dazu gehöre am Ende sogar das Ausfüllen des Protokollbogens für die Übergabe von Unfallpatienten an den Rettungssantitäter, sagt Karakus. In etwa zwei Jahren werde eine neue Gruppe mit der Ausbildung starten, damit der Schulsanitätsdienst kontinuierlich besetzt bleibe.

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