Bürgermeister im Gespräch

Wie geht's weiter mit dem Fischerhuder Kompromiss?

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Moderne Kunst in historischem Gemäuer: Das Werner-Zöhl-Museum in der sanierten Fachwerkscheune eines der ältesten Fischerhuder Höfe in der Bredenau ist ein Beispiel für den Erhalt ortsbildprägender alter Baukultur bei gleichzeitiger Nutzbarmachung für heutige Anforderungen.

Fischerhude - Von Petra Holthusen. Inzwischen dürften sich alle Beteiligten erholt haben von der denkwürdigen Sitzung Ende Mai in Bellmanns Saal. Bekanntlich beschloss der Ottersberger Gemeinderat hier nach zähem Ringen mit großer Mehrheit einen Kompromiss für die umstrittenen Bauvorschriften für den historischen Fischerhuder Ortskern.

Danach wird der jetzige Entwurf der Gestaltungssatzung auf wichtige Regelungsinhalte reduziert, werden diese Inhalte mit der betroffenen Einwohnerschaft gemeinsam erarbeitet und wird die eingedampfte Satzung in ein neues Genehmigungsverfahren gegeben. 

Gespannt verfolgten vor zwei Wochen mehr als 170 Fischerhuder die Kompromissfindung des Gemeinderates in Sachen Bauvorschriften – jetzt warten alle nicht weniger gespannt auf die Umsetzung.

Begleitend wird eine Gestaltungsfibel als Leitfaden für Bauvorhaben ausgearbeitet, in kniffligen Fällen ein externer Gestaltungsbeirat hinzugezogen. Diese Lösung fand im Saal den Beifall vieler Einwohner. Doch wie geht es jetzt konkret weiter im Verfahren? Dazu einige Fragen an Bürgermeister Horst Hofmann.

Herr Hofmann, was passiert jetzt, um die für Fischerhude gefundene Kompromisslösung in die Tat umzusetzen?

Hofmann: Wir haben noch keinen fertigen Plan. Ich bin darüber gerade im Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden des Rates. Ich persönlich möchte, dass wir als erstes eine Anliegerversammlung mit den betroffenen Einwohnern machen. Der Satzungsentwurf muss geändert, die intensive Regulierung zurückgefahren werden. 

Ich würde mir wünschen, dass wir eine Arbeitsgruppe hinkriegen aus Ortsratsmitgliedern und betroffenen Einwohnern, die zusammen rausfinden: Was wollen wir im Ortskern eigentlich genau regeln? Was wollen wir als Mindestanforderungen festlegen? Dass keine Toskana- und Stadtvillen zugelassen werden sollen, ist ja schon allgemeiner Konsens. Auch Flachdächer sind zum Beispiel nicht gewünscht.

Wer soll die Arbeitsgruppe unter Mitwirkung der Betroffenen, wie auch immer sie sich zusammensetzen wird, denn fachlich begleiten?

Bürgermeister Horst Hofmann

Hofmann: Wir müssen uns auf einen Planer einigen. Meiner Meinung nach sollte das jemand Neues sein, der mit neutralem Blick unbefangen von außen kommt. Viele der jetzigen Satzungsinhalte von unserem dafür beauftragten Planer Klaus Holland sehe ich künftig eher in der Gestaltungsfibel mit ihrem beratenden Charakter, zum Beispiel Details zur Gartenbepflanzumg, zur Anordnung der Gauben oder zu den Zaunhöhen. 

Für die Festlegung wesentlicher rechtsverbindlicher Regelungen in der Satzung brauchen wir nach meiner Meinung jetzt einen anderen Planer, auf den wir uns gemeinsam verständigen müssen. Vielleicht brauchen wir sogar einen Moderator, aber das wird sich aus den ersten Gesprächen ergeben.

Wann soll die erste Versammlung dazu denn nun stattfinden?

Hofmann: Wir packen das sofort an, wir wollen das nicht verschleppen. Aber Termine in den Sommerferien wollten wir nicht machen, das wäre unfair gegenüber den Ortskern-Einwohnern, die vielleicht verreisen. Wir werden im August starten.

Haben Sie nicht auch Zeitdruck, weil die während des alten Satzungsgenehmigungsverfahrens für den betroffenen Ortskern-Teil verhängte Veränderungssperre dieses Jahr ausläuft und nicht noch ein zweites Mal verlängert werden darf?

Hofmann: Wir lassen gerade juristisch prüfen, ob die Veränderungssperre im Ortskern, die seit Dezember 2015 besteht, 2017 für ein weiteres Jahr verlängert wurde und jetzt im Dezember 2018 ausläuft, nochmal um ein weiteres Jahr verlängert werden darf. 

Eigentlich geht das nicht, aber nach unserer Auffassung ist für eine ausnahmsweise weitere Verlängerung Grund genug vorhanden: Das Genehmigungsverfahren für die Gestaltungssatzung wurde ja durch den gegen die Satzung gerichteten Einwohnerantrag unterbrochen und durch die geplanten grundlegenden Abänderungen im Satzungsentwurf läuft ein ganz neues Beratungs-, Beteiligungs- und Genehmigungsverfahren an. Das reicht unserer Auffassung nach für eine nochmalige Verlängerung der baulichen Veränderungssperre.

Lothar Tabery, Vizepräsident der Landesarchitektenkammer, Fachmann für ländliche Baukultur und Ortsgestaltung und schon öfter als Referent in Fischerhude zu Rate gezogen, hat jetzt für das neue Verfahren die Unterstützung der Architektenkammer samt Fördermittel des Landes angeboten. Nehmen Sie das Angebot an?

Hofmann: Ich habe das nicht als Angebot zur Planung und Moderation verstanden, sondern mehr als Angebot zur Beratung durch den mobilen Gestaltungsbeirat, den die Architektenkammer und das Land Niedersachsen als Modellprojekt laufen haben. Wir werden das auf jeden Fall prüfen und überdenken.

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