„Wirtschaftliche Gründe“ / Aus noch vor Weihnachten / Behrens protestiert

Deutsche Post AG schließt ihre Filiale in Otterstedt

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Der Postshop an der Hauptstraße 25 in Otterstedt schließt zum 1. Dezember.

Otterstedt - Die Deutsche Post AG dünnt ihr Filialnetz weiter aus. Zum 1. Dezember wird der Standort in Otterstedt geschlossen. „Aus wirtschaftlichen Gründen“, begründete Maike Wintjen, Pressesprecherin der Post für Norddeutschland, gestern auf Nachfrage diesen Schritt, der insbesondere ältere Bewohner des Dorfes treffen dürfte.

Der Postshop im Geschäft von W. Holsten und Sohn an der Hauptstraße 25 wird ihren Angaben zufolge letztmals am Montag, 30. November, geöffnet haben. Damit können schon keine Weihnachtsbriefe und -pakete mehr vor Ort aufgegeben werden.

Die Einwohner, die von dem Einschnitt betroffen sind, müssen sich wohl umorientieren. Denn Otterstedt verliert vermutlich auf Dauer ein Stück Infrastruktur und für manch einen sicherlich auch an Lebensqualität.

Die Zweigstelle rentiere sich nicht mehr, sagt Wintjen. Bei der Beurteilung dieser Frage komme es weniger darauf an, wie hoch die Kundenfrequenz sei, sondern mehr darauf, was gekauft werde, erläuterte sie. „Wenn nur Briefmarken über den Ladentisch gehen, bringt das nicht viel ein.“

Der Trend beim Verbraucherverhalten komme dem stationären Handel nicht gerade entgegen. „Kunden bedienen sich immer mehr im Internet“, erklärte Wintjen im Gespräch mit der Redaktion.

Eine Ersatzlösung vor Ort werde die Deutsche Post AG deshalb aus eigenem Antrieb nicht schaffen. Aber wenn ein Ladenbetreiber in Otterstedt einen DHL-Shop, der nur einen kleinen Teil der bei Holsten zu bekommenden Postdienstleistungen anbietet, eröffnen wolle, könne er das gerne machen. Interessenten verweist Wintjen auf die Internetseite www.deutschepost.de/partner-werden.

Ansonsten, teilte die Pressesprecherin weiter mit, könnten die Kunden aus Otterstedt auf die Post-Niederlassungen in Ottersberg ausweichen. Dort gebe es einen Paketshop, Große Straße, und die Filiale an der Grünen Straße warte auch mit Postbankservice auf.

Der Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens (Die Linke) bedauert die Ausdünnung des Filialnetzes in seinem Wahlkreis. „Die Post wirbt mit flächendeckender und hochwertiger Versorgung der Bevölkerung. Dieser Service ist nach meinem Verständnis keine Frage der Frequenz. Mit Filialschließungen grenzt die Post immer mehr Bevölkerungskreise systematisch von Postdienstleistungen aus.“

Für Behrens ist das Aus für Otterstedt eine Folge des Privatisierungskurses. „Die Deutsche Post muss mit einem ausreichenden Filialnetz präsent sein und Universaldienstleister bleiben. Ich fordere die Post AG auf, von der Schließung der Filiale abzusehen – selbst wenn sich in Otterstedt Kaufleute für die Übernahme eines DHL-Shops fänden.“ Behrens hat sich deshalb auch mit einem Brief an die Post AG gewandt.

mm

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