Geschäftsführer im Interview 

Wie viel Dodenhof steckt noch in der Einkaufsstadt in Posthausen?

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Ralph Dodenhof leitet das Familienunternehmen seit dem Jahr 2002.

Im 109. Jahr ist die Aufregung vielleicht so groß wie nie zuvor. „dodenhof“ holt sich für die große Möbelsparte andere Investoren an Bord, unter Mitarbeitern geht die Angst vor Entlassungen um. Hat sich die Einkaufsstadt in Posthausen finanziell übernommen? Ralph Dodenhof wiegelt ab.

Der 51-Jährige führt das Unternehmen als Geschäftsführender Gesellschafter seit 2002 und betont, man sei „in der Struktur kerngesund“. Warum sich Dodenhof dennoch neu aufstellen muss und welche Pläne es für die Zukunft gibt, verrät er im Interview.

Wie geht es Ihnen?

Ganz gut, vielen Dank der Nachfrage.

Das soll natürlich auch so bleiben. Aber wir müssen auch über einige unangenehme Dinge sprechen, über die Sie als Chef des Hauses zuletzt auffällig lange geschwiegen haben. Warum?

Wir haben uns schon geäußert, aber den Kommunikationsstrang zu den Wohnwelten letztlich überwiegend über„XXXLutz“ abgewickelt.

Wieso gibt es jetzt eine umfangreiche Anzeigenkampagne in den hiesigen Tageszeitungen mit viel Erklärtext zu den Veränderungen im Hause?

Das war von vornherein geplant, um so über die Veränderungen zu informieren. Wir haben aber auch gesehen, dass wir am Anfang der Partnerschaft intern wie extern zu wenig kommuniziert haben. Insofern war das ein guter Baustein, um Aufklärung zu betreiben über das, was neu ist, was sich verändert und was gleich bleibt.

Sie führen das Unternehmen in vierter Generation. Aber jetzt gibt es „XXXLutz“ im Möbelhaus, Elektronik von Expert, Gartenmöbel bei Obi, Getränke bei Hol Ab. Wie viel Dodenhof steckt noch in der Einkaufsstadt in Posthausen?

Noch ganz viel. Aber: Der Markt im Einzelhandel wandelt sich aktuell massiv, es ist eine Revolution, eine Disruption, weil die Veränderungen so stark getrieben sind durch die Digitalisierung. Das stationäre Marktvolumen sinkt seit Jahren und wird auch weiter sinken. Dodenhof hat viele vorausschauende Maßnahmen ergriffen, sodass wir diesen Wandel besser bewältigen als andere Händler, aber der Markt bleibt angespannt – vor allem für Familienunternehmen, hinter denen nicht große Konzerne stehen. Die kleineren spüren noch größer den Kostendruck und den Margendruck durch den E-Commerce. Hier in der Region werden wir zwar als Schwergewicht wahrgenommen, aber wenn man in die einzelnen Bereiche hineinguckt, dann sind wir national eher ein kleiner Händler. Das steht hinter der Überlegung für strategische Partnerschaften. Das ist für uns eine ganz wichtige Säule. Ganz alleine sind wir zu klein.

Mit „XXXLutz“ sind Sie für die Möbelabteilung jetzt aber noch einen Schritt weiter gegangen.

Das ist richtig. In diesem Joint Venture geben wir die operative Führung ab. Das ist aber der einzige Bereich. Es wird auch in der Zukunft in der Planung keinen weiteren Bereich geben, wo wir diese Führung abgeben.

Auch wenn über der Elektro-Abteilung „Expert“ zu lesen ist, bleibt es Dodenhof?

Es ist zu 100 Prozent in der Inhaberschaft von Dodenhof und zu 100 Prozent in der Führung von Dodenhof. Das ist für den Kunden vielleicht schwer zu verstehen, da müssen wir noch weitere Aufklärungsarbeit leisten. Wir sind der größte Expert-Händler im Norden, aber komplett von Dodenhof geführt. Wo wir in ein Co-Branding einsteigen, ist es schwer zu erkennen, wie viel Dodenhof noch drinsteckt. Wir bauen das Thema der strategischen Partnerschaften weiter aus, das heißt aber in erster Linie, dass wir die Zusammenarbeit mit den Einkaufsverbänden und Verbundgruppen verstärken, um insbesondere bessere Antworten für die Digitalisierung zu finden.

Wird über dem Supermarkt demnächst Rewe stehen?

Diesbezüglich sind wir momentan in Gesprächen mit Partnern, das kann kurz- oder mittelfristig zu einem Co-Branding führen. Auch hier unter der Führung von Dodenhof.

Unter den Arbeitnehmern geht Angst um, den Job zu verlieren. Verdi spricht bei „XXXLutz“ von einem der „härtesten Arbeitgeber Deutschlands“. Ist die Angst gerechtfertigt?

Nein, in keinster Weise. Wir haben den stärksten Partner, den man in diesem Bereich finden kann, gewählt, um das Gemeinschaftsunternehmen zu betreiben. Wir sind sehr zuversichtlich, dass der Einrichtungsbereich damit an beiden Standorten zukunftsorientiert ausgerichtet wird und damit die Standorte und Arbeitsplätze langfristig gesichert werden. Eine Veränderung bringt aber immer eine gewisse Unsicherheit mit sich: Die Führung verändert sich, Strukturen und Prozesse. Ich glaube, die Sorgen haben sich mittlerweile größtenteils gelegt. Die Mitarbeiter erleben jetzt viele positive Dinge, die „XXXLutz“ bietet, die Dodenhof nicht geboten hat.

Hinter den Kulissen des Möbelhauses in Posthausen läuft derzeit der Übergang von Dodenhof zu „XXXLutz dodenhof“ – was auch kritisch gesehen wird.

Was ist das konkret?

Es gibt besondere Ausbildungs- und Förderprogramme bei „XXXLutz“, ein Benefit-Programm und einige zusätzliche Vorteile. Viele unserer Führungskräfte sind jetzt auch in verantwortungsvoller Position beim Joint Venture. In Posthausen ist es sogar so, dass alle Führungspositionen von Dodenhof-Mitarbeitern besetzt wurden, das spricht für Kontinuität. Am Anfang muss es sich zurecht ruckeln – und wir mussten gewiss in der Kommunikation noch einiges dazulernen.

Wie viele betriebsbedingte Kündigungen hat es seit der Übernahme im Oktober gegeben?

Die liegen im einstelligen Bereich. Das ist im Vergleich zu Zusammenschlüssen bei anderen Unternehmen relativ glimpflich verlaufen. Im Augenblick kenne ich keine weiteren Pläne, den Personalstamm zu verändern. Das hängt aber natürlich auch von der künftigen Umsatzentwicklung und von möglichen organisatorischen Veränderungen ab.

Ist die Familie Dodenhof in die Entscheidungen bei „XXXLutz“ noch eingebunden?

Wir haben 25 Prozent am Joint Venture, damit sind wir in strategische Geschäftsentscheidungen eingebunden. Entscheidungen im Tagesgeschäft werden nicht von uns mitgetroffen.

Hat sich Dodenhof finanziell übernommen?

Nein. Dodenhof ist in der Struktur ein kerngesundes Unternehmen. Wir müssen allerdings weiter stark an unserer Profitabilität arbeiten. Wir haben uns vor zwei Jahren überlegt, in welche Richtung wir die einzelnen Geschäftsbereiche entwickeln wollen und haben uns dafür jeweils die Rahmenbedingungen angeschaut. Für den Bereich Wohnen haben wir früh die Entscheidung getroffen, dass so eine strategische Partnerschaft die beste Lösung ist.

War der Umbau des klassischen Dodenhof-Einkaufscenters zu einer Mall der richtige Weg?

Definitiv. Das ist der einzige Weg, um sich am Standort Posthausen zukunftsorientiert aufzustellen. Die Bedürfnisse der Kunden werden immer vielfältiger, die kann man mit einem Konzept in einem Warenbereich nicht mehr befriedigen. Der Kunde sucht die Vielfalt. Wir haben das in unserer strategischen Leitlinie 2020 mit vier Vs verankert: Vertrauen, Vielfalt, Vernetzung, Vergnügen. Vielfalt muss im eigenen Sortiment erhöht werden und in fremden Formaten und Ergänzungen. Entweder bieten wir das dem Kunden, oder wir sind nicht mehr zeitgemäß aufgestellt.

Wird dieser Weg ausgebaut?

Das Thema Vielfalt ist bestimmt noch nicht ausgereizt. Einkaufen alleine ist es heute nicht mehr. Einkaufsstätten werden immer mehr zu Begegnungsstätten und zu Orten der Freizeitgestaltung. Gastronomie, Aufenthaltsqualität, Erlebnis und Freizeitgestaltung geraten immer mehr in den Fokus der Kunden, diesen Strauß wollen wir gerne bieten. Unsere Vision ist es, uns vom größten Shopping-Center im Norden zur größten Shopping- und Erlebniswelt im Norden zu entwickeln. Auf diesem Weg haben wir einige wichtige Schritte schon gemacht – das gastronomische Angebot ausgebaut, mit dem Fitnessstudio das Thema Freizeit aufgenommen und die Vielfalt in den Geschäftsformaten erhöht. In diese Richtung soll und wird es weitergehen. Es fehlen noch gastronomische Angebote im gehobenen und mittleren Bereich, auch bei den Außensitzplätzen müssen wir was machen.

Hat Dodenhof nicht einen ganz entscheidenden Schritt verschlafen: Onlineshopping?

Verschlafen würde ich nicht sagen, aber wir sind etwas zu spät gestartet. Das war auch unserer komplexen Struktur mit sechs oder sieben Warenwirtschaftssystemen geschuldet. Wir mussten erst einmal sehr stark in unsere IT investieren, um das zusammen zu bringen für einen Onlineshop. Wir sind jetzt seit eineinhalb Jahren mit dem Shop am Netz, und es lässt sich ganz gut an, wir sind als mittelständischer Händler schon recht weit vorne. Wir haben sehr viel von den Kunden gelernt. Zunächst haben wir zum Beispiel das Angebot kuratiert, doch die Kunden wollten viel mehr Artikel. Da rüsten wir technisch nach. Wir sind jetzt bei 15 000 Artikeln direkt auf dodenhof.de.

Das ist aber nicht die einzige Plattform, wenn wir über Digitalisierung sprechen.

Nein. Wir sind über die Partner natürlich auch zum Beispiel im Expert-Shop dabei, zudem haben wir die „digitale Regalverlängerung“ eingeführt. Das ist eine direkte Onlineverbindung zwischen uns und den Fabrikanten über Tablets im Verkauf. Wenn eine Hose in einer bestimmten Größe nicht verfügbar ist, kann der Verkäufer sofort die Bestellung auslösen, dann ist sie binnen weniger Tage da. Der nächste Schritt wird sein, dass wir sie direkt zum Kunden versenden.

Was ist mit anderen Großprojekten wie dem See, der einst auf der Freifläche geplant war?

Für den Vorplatz gibt es unterschiedliche Konzepte und Ideen, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, das ist noch nicht ganz spruchreif. Was spruchreif ist, sind zwei andere Großprojekte: Zum einen werden wir das Sporthaus komplett umbauen, die zweite große Baustelle wird der Genießermarkt sein. Beide Bereiche werden absolute Highlights der Region werden. Insbesondere den Genießermarkt werden wir noch in Richtung Frische, Bio und Regionalität entwickeln. Der Supermarkt wird etwas komprimiert und zum Sporthaus hin mit einer weiteren Mall mit Shops und Dienstleitungen sowie einem Zugang zum Parkplatz West verbunden.

Warum wird es Dodenhof auch noch in der fünften Familiengeneration geben?

Weil wir rechtzeitig die entsprechenden Weichen für die Zukunft stellen und sehr genau schauen, was der Kunde heute und auch in Zukunft erwartet. Das Einkaufszentrum muss sich deutlich wandeln, und das tun wir.

Das Familienunternehmen

Ralph Dodenhof führt das Familienunternehmen Dodenhof in vierter Generation. Der heute 51-Jährige ist nach dem kaufmännischen Studium in Münster und kürzeren externen Stationen 1995 in die Firma eingestiegen, seit 2002 ist er Geschäftsführender Gesellschafter und Sprecher der Dodenhof-Gruppe. Ralph Dodenhof ist verheiratet und hat drei Kinder. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1910 im Posthausener Ortsteil Stellenfelde als Gemischtwarenladen von Hermann Dodenhof senior. 1925 siedelte man an den heutigen Standort um. 

1998 erhielt Dodenhof in Posthausen eine eigene Autobahnabfahrt, zudem wurde das zweite Haus in Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) eröffnet. 2012 fiel der Startschuss für die erste Mall. Dodenhof beschäftigt in Posthausen 900 Mitarbeiter, „XXXLutz dodenhof“ 470, hinzu kommen rund 400 bei Mietpartnern. In Kaltenkirchen sind es 300 bei Dodenhof und rund 400 bei „XXXLutz dodenhof“. Mit einer Ladenfläche von mehr als 125 000 Quadratmetern ist Dodenhof in Posthausen Deutschlands größtes Einkaufszentrum.

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