BÜRGERMEISTERWAHL FGBO-Kandidat Weber bilanziert Haustür- und Wohnzimmergespräche

Wenn Wahlkampf weniger wichtig wird

„Eine besondere Zeit“: Die Auswertung seiner bisherigen Gespräche im Wahlkampf stellte FGBO-Bürgermeisterkandidat Tim Willy Weber am Donnerstag im Pressegespräch per Videokonferenz vor. Foto: Holthusen

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Beim Kaffee zusammen um einen Tisch hocken, fällt ja gerade flach. Also flimmerte am Donnerstag die erste Videopressekonferenz in Ottersbergs Geschichte über die Monitore. Es ist eben „eine besondere Zeit“, sagt Bürgermeisterkandidat Tim Willy Weber. Eine Zeit, in der Wahlkampf spürbar „weniger wichtig wird“, weil Menschen notgedrungen andere Dinge im Kopf haben.

Dennoch steht der Flecken am 26. April vor der Wahl des neuen hauptamtlichen Bürgermeisters, und Weber, Kandidat der Freien Grünen Bürgerliste Ottersberg (FGBO), hat seinen Wahlkampf auf Telekommunikation umgestellt. Bis Corona ihn ausbremste, hatte Weber eigenen Worten zufolge rund 400 Haustürgespräche geführt, sich in 16 Wohnzimmergesprächen mit insgesamt fast 200 Menschen ausgetauscht und 78 Rückmeldungen auf seine Postkartenaktion „Meine beste Idee“ ausgewertet. Was er aus Aktionen und Dialogen inhaltlich bislang mitgenommen hat und welche Schlussfolgerungen er daraus für seine Arbeit im angestrebten Wunschjob Bürgermeister zieht, erläuterte Weber im Pressegespräch per Videokonferenz.

Immer wiederkehrende Themen, die offenbar viele Menschen bewegen, sind Weber zufolge der Zustand von Straßen und Radwegen sowie besonders die Bereiche Verkehr/Mobilität und Wohnen – zwei Bereiche, die nach innovativen, zukunftsfähigen Konzepten verlangen und denen auch Weber selbst hohe Priorität einräumt.

Weber erlebt die direkten Kontakte, den unmittelbaren Austausch im Wahlkampf mit Blick auf das kommunalpolitische Handlungsziel, Lebensbereiche zu verbessern, als lehrreichen Aha-Effekt: Es sei eine Sache, als Ratsmitglied theoretisch von etwas Kenntnis zu haben, aber eine ganz andere, von Betroffenen die Auswirkungen erzählt zu bekommen. Beispielhaft nennt er die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung, die Beschäftigten der Fertiggerichtefabrik Buss den Weg per Fahrrad zur Frühschicht extrem erschwert. Das hat Weber erst jetzt in den Gesprächen erfahren.

Ideen, die der 48-Jährige bisher mitgenommen hat, sind ein Tourismuskonzept für die gesamte Gemeinde, nicht nur Fischerhude, sowie ein Leitbildprozess: Welche Schwächen sollen beseitigt, welche Stärken ausgebaut werden? Die Frage „Wo wollt ihr eigentlich hin?“ sei ihm öfter begegnet, so der derzeitige FGBO-Fraktionsvorsitzende. Viel Anklang gefunden habe seine Idee von einer kommunalen Wohnraumagentur, die neben günstigem Wohnraum auch Beratung bieten soll für Menschen, die ihre Wohnsituation bedarfsgerecht verändern möchten. So eine Agentur leiste auch ein Stück Sozialarbeit, die gleichzeitig mit Seniorenarbeit verknüpft werden könne, meint Weber. Außerdem hat der Bürgermeisterkandidat bei seinen Gesprächen ein Bedürfnis nach Treffpunkten, Orten mit Aufenthaltsqualität, gemeinsamen Projekten und damit nach Identifikation notiert.

Daraus ergibt sich für Weber eine To-do-Liste, auf der Radwege-Sanierung, Attraktivitätssteigerung des Kernorts und Anstoß eines Beteiligungs- und Leitbildprozesses oben an stehen. Wohnen und Verkehr erklärt Weber zu „mittelfristigen Aufgaben“ – allein wegen des erforderlichen Umfangs an Manpower und Geld. Wobei sich der Kandidat eine Finanzierung von Projekten mit hohem sozialen Nutzen, wie er ihn etwa bei einer kommunalen Wohnraumagentur sieht, durchaus über Kredite und Grundsteuererhöhungen vorstellen kann.

Spannend findet Weber die Zuschriften unter dem Titel „Meine beste Idee“: „Das ist wie ein Seismograf – und ein großer Pool an Vorschlägen, auf die man zurückgreifen kann.“ Das fängt bei einer Straßenbeleuchtung mit Bewegungsmeldern an und hört mit einem Geburtshaus noch lange nicht auf. Die „besten Ideen“ von Bürgern sind im Internet auf der Website www.tim-weber.jetzt nachzulesen. Dort läuft die Aktion auch noch weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

Vorbereitung für den Ernstfall: Ist die Aller-Weser-Klinik in Achim gerüstet?

Vorbereitung für den Ernstfall: Ist die Aller-Weser-Klinik in Achim gerüstet?

Stimmzettel druckreif – 10.500 Briefe gehen für Bürgermeisterwahl in Ottersberg auf den Weg

Stimmzettel druckreif – 10.500 Briefe gehen für Bürgermeisterwahl in Ottersberg auf den Weg

Weitere Covid-19-Infektionen und erste Bilanz der Polizei

Weitere Covid-19-Infektionen und erste Bilanz der Polizei

Neuer Wirtschaftsförderer gesucht

Neuer Wirtschaftsförderer gesucht

Kommentare