Otterstedter veröffentlicht Buch

604 Flughäfen in 130 Ländern - Dietmar Plaths Leben als Luftfahrtfotograf

Arbeitsplatz Ladeluke: Dietmar Plath fotografierte zwischen Himmel und Erde unter anderem Transall-Flugzeuge.

Otterstedt - „Für Dietmar Plath würden die Leute das Flugzeug auch hochkant stellen.“ Davon sind Weggefährten des Luftfahrtfotografen überzeugt.

Plaths Hartnäckigkeit und Überredungskunst kennen keine Grenzen, wenn er ein ganz bestimmtes Flugzeug vor einem spektakulären Hintergrund im günstigsten Licht aus einer besonderen Perspektive fotografieren will. 

Und das wollte er tausende Male in 40 Jahren – zu Wasser, Land und aus der Luft: Auf 604 Flughäfen in über 130 Ländern und in 10.000 Stunden zwischen Himmel und Erde hat Plath alles in Szene gesetzt, was menschengemachte Flügel hat. 

Plath trifft Papst und besucht Naturvölker

Papua-Neuguinea besuchte Fotograf Plath mehrmals.

Dabei hat er den Papst getroffen, sein Leben riskiert, Naturvölker besucht und Zipfel dieser Erde gesehen, die die allerwenigsten Menschen je zu Gesicht bekommen. Das abenteuerliche Berufsleben des Otterstedters bietet mehr als genug Stoff für ein Buch – und das ist jetzt erschienen.

Neben ungezählten Fotoreportagen für namhafte Magazine und für seine eigene Fachzeitschrift „Aero International“ hat Plath über 30 Bildbände und genauso viele Fotokalender veröffentlicht, die meisten davon im GeraMond-Verlag.

Flugzeuge von der Antarktis bis nach Afghanistan fotografiert

„Es war mir nie zu weit“: In dem Buch erzählt Dietmar Plath (64) aus seinem abenteuerlichen Berufsleben als Luftfahrtfotograf.

Jetzt fand es dieser Verlag an der Zeit, den international renommierten Luftfahrtfotografen mal selbst zum Thema eines Buchs zu machen. „Abenteuer Luftfahrt-Fotografie“ ist der schlichte Titel des druckfrischen Werks. Der Untertitel „Es war mir nie zu weit“ gefällt Plath besser, denn „genau so war es ja“. 

Es war ihm nie zu weit, in die Antarktis, nach Papua-Neuguinea, China, Buthan, Afghanistan, Lesotho oder auf die Galapagos-Inseln zu fliegen, um Passagier- und Transportflugzeuge, Hubschrauber und Wasserflugzeuge, insgesamt 268 verschiedene Typen, dort zu fotografieren, wo sie zu Hause sind, eingebettet in die landestypische Natur und Kultur – je exotischer, umso besser.

Plaths Abenteuer: Etwa 180 Mal um die Erde geflogen

Die Einreise nach Buthan war ein langer Kampf.

Dafür flog er selbst 180 Mal um die Erde – nämlich mehr als sieben Millionen Kilometer weit an Bord von 413 Airlines. 425 Tage reine Flugzeit, weit mehr als ein Jahr, verbrachte der 64-Jährige bislang in der Luft.

Allein die Zahlen sind beeindruckend, die Geschichten dahinter sind es noch viel mehr. Für das Buch erzählte Dietmar Plath der Texterin Sigrid Andersen sein berufliches Leben. Das begann 1970 für den 15-jährigen Jungen aus Otterstedt mit seiner Lehre zum Industriekaufmann beim Bremer Luftfahrtkonzern VFW, später Airbus. 

Einer der gefragtesten Luftfahrtfotografen

Lieblingsbilder zeigte Plath 2016 open air in Hamburg.

Gleich am ersten Tag packte ihn diese „Mischung aus Fernweh und Faszination Technik“, die ihn seitdem antreibt und zu dem machte, was er ist: einer der weltweit gefragtesten Luftfahrtfotografen. Am Anfang stand nur der Wunsch zu reisen („Ich wollte die Welt sehen“), aber dann packte ihn die Flugzeugfotoleidenschaft.

Das Buch erzählt von Plaths erster Fernreise vor 40 Jahren nach Indien, „bei der alles schief ging“ und aus der der junge Fotograf Lehren fürs Leben zog, was die Beschaffung von Genehmigungen und die Einstellung auf Land, Leute und Klima angeht. „90 Prozent meiner Arbeit sind akribische Planung – der Rest ist Zufall“, sagt Plath heute. 

Enges Zeitfenster: Manchmal kommt es auf eine Landung an

Am liebsten überlässt er dem Zufall gar nichts – zu klein ist das Zeitfenster, wenn er Flugzeuge in der Luft vor imposanter Kulisse fotografiert: „Ich hab’ oft nur diese eine Landung – ein paar Sekunden Zeit für ein Foto, das ich nur einmal im Leben mache, das Motiv eines einmaligen Moments. Und das muss dann sitzen.“ Einmal war er 30 Sekunden zu spät auf dem Rollfeld – der Moment war verpasst: „Und dafür war ich in Australien!“

Das Buch spannt den Bogen von Plaths Lieblingsflughäfen über die „Unvergesslichen“ unter „seinen“ Flugzeugen, spezielle Ziele und besondere Begegnungen – wie die mit Astronaut Neil Armstrong –, bis hin zu Reisen in Länder, in denen Journalisten und Fotografen nicht gern gesehen sind, und zu einigen brenzligen Situationen.

Leben verändert: Plath wird aus dem Urwald gerettet

Nicht mit eigenen Worten schildern konnte und wollte Plath seinen Absturz mit einem Wasserflugzeug über dem dichten Dschungel von Französisch-Guayana in Südamerika vor 26 Jahren. Durch eine unglaubliche Verkettung glücklicher Zufälle wurde er lebensgefährlich verletzt aus dem Urwald gerettet. Das hat sein Leben verändert. Alles nach 1993 sind für ihn „geschenkte Jahre“, und dafür ist er jeden Tag dankbar. In dem Buch dokumentiert ein Zeitungsbericht das Wunder von damals.

Jetzt geht Plath auf die 65 zu und staunt im Rückblick selbst über seinen Werdegang. Er sei einfach oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen und habe die richtigen Leute getroffen, die ihn in seiner Arbeit unterstützt hätten, sagt er bescheiden: „Die Kurzfassung meines Lebens ist: Ich habe viel Glück gehabt. Die Langfassung ist: Ich habe sehr viel Glück gehabt.“ 

So langsam reduziert er seine Reisen und seine Arbeit: „Ich mache nur noch die Kür.“ Zum Beispiel im November im Kruger-Nationalpark in Südafrika eine Fotoreportage über die kleinen Safariflieger. Auch nach Myanmar möchte er nochmal, ansonsten hat Plath keine Wunschziele: „Eigentlich war ich ja überall.“ Nur ein Traum bleibt unerfüllt: „Einmal auf einem Flugzeugträger zu landen, das wird wohl nichts mehr.“

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