BÜRGERMEISTERWAHL FGBO-Fraktionschef erklärt Kandidatur und Kernthemen

Weber will's werden

Tim Willy Weber (48) kandidiert am 26. April 2020 für das Bürgermeisteramt im Flecken Ottersberg. Der FGBO-Fraktionsvorsitzende will im Rathaus die Nachfolge von Horst Hofmann antreten. Foto: Holthusen

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Eigentlich hatte Tim Willy Weber (48) seine längst geplante Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Ottersberg als gemütlichen „Dauerlauf“ bis Herbst 2021 konzipiert. „Jetzt wird's ein Sprint“, sagt der Ratsfraktionsvorsitzende der Freien Grünen Bürgerliste (FGBO). Nachdem Amtsinhaber Horst Hofmann (CDU) für nächstes Jahr seinen vorzeitigen Rückzug angekündigt hat, wählen die Ottersberger voraussichtlich schon am 26. April 2020 ihren neuen Gemeindeverwaltungschef und obersten politischen Repräsentanten. Wenig Zeit für Wahlbewerber und ihren Wahlkampf – weshalb Weber ab sofort in den Sprint-Modus schaltet: Noch vor der offiziellen Nominierung durch die FGBO, die Vorsitzender Harald Steege für den 14. Januar ankündigt, gab Weber als erster Bewerber offiziell seine Bürgermeisterkandidatur bekannt.

Gemeinsam mit Steege skizzierte Weber am Freitag in einem Pressegespräch seine Kernthemen als möglicher neuer hauptamtlicher Bürgermeister. „Ich traue mir das Amt zu, ich traue mir die Führung der Verwaltung mit über 100 Beschäftigten zu“, sagt Weber. Führungserfahrung habe er seit 1993 – seit er den Verein „Mehr Demokratie“ mit aufgebaut habe, der heute mit 10 000 Mitgliedern und 30 Mitarbeitenden in zwölf Landesverbänden der größte Fachverband für direkte Demokratie in Europa sei. Diplom-Politologe Weber ist Geschäftsführer von „Mehr Demokratie“ mit Sitz in Bremen. Ehrenamtlich macht er seit 2006 als gewähltes Ratsmitglied Gemeindepolitik in Ottersberg. Sein Einstieg war damals das Engagement in der Bürgerinitiative gegen die Biogasanlage im Kreuzbuchen.

2013 kandidierte Weber für die Piratenpartei bei Landtags- und Bundestagswahlen, allerdings aussichtslos. Seine Aussichten, hauptamtlicher Bürgermeister des Fleckens Ottersberg zu werden, schätzt er weitaus höher ein: „Ich bin Mitfavorit“, sagt er mit Verweis auf den zu erwartenden Mitbewerber von der CDU, der noch nicht benannt ist, aber Reiner Sterna heißen könnte.

Weber hat sich in den vergangenen Jahren im Gemeinderat als kluger Denker, guter Rhetoriker und beharrlicher Nachfrager profiliert. Phasenweise ging er mit politischen Gegnern und dem Bürgermeister süffisant und gnadenlos ins Gericht. Aber „ich bin weicher geworden“, sagt der 48-Jährige von sich, „älter werden ist dafür ganz gut“. Für veränderte Rollen habe zudem die Entwicklung der FGBO „von der Korrektur- zur Orientierungsfraktion“ gesorgt: „Ich kann jetzt besser beurteilen, was die Kommune alles leistet.“

Das A & O ist für Weber Kommunikation und Information: „In der Politik müssen alle mitgenommen werden: Verwaltung, Politik und vor allem Bürgerinnen und Bürger.“ Einwohnerversammlungen, Bürgermeistersprechstunden, Zukunftswerkstätten und andere Beteiligungsformen, das Einbinden und Zusammenführen vieler gesellschaftlicher Interessen und Gruppen haben oberste Priorität für den Kandidaten, der als Bürgermeister einen Prozess anstoßen will: „Ottersberg 2030 – wie wollen wir leben und was müssen wir dafür tun?“ Um gemeinsam Antworten zu finden, will Weber die „Initiativkraft der Menschen hier als großes Potenzial nutzen und ein neues Wir schaffen“: „Schon in meinem Wahlkamp werde ich die Sorgen und Wünsche der Menschen erfragen und dabei mehr zuhören als reden.“

Große Bedeutung misst Weber auch der interkommunalen Zusammenarbeit mit Oyten und Achim bei: „Die gemeindlichen Handlungsspielräume werden enger – die Zukunft liegt in freiwilliger Zusammenarbeit.“

Wichtig sind Weber die ökologische Seesanierung in Otterstedt, Projekte zu Klimaschutz, Verkehr und neuen Wohnformen. Im Kernort will er mehr Plätze mit Aufenthaltsqualität schaffen – neben dem geplanten neuen Schulvorplatz auch einen Bibliotheksanbau. Eine große Herausforderung sei die Bewältigung des wirtschaftlichen Wandels, der Ottersberg im Kreisvergleich ins Hintertreffen befördert habe: Trotz räumlicher Einschränkungen durch viele Landschaftsschutzzonen im Flecken „müssen wir über neue Gewerbegebiete nachdenken“. Natürlich sei nicht alles gleichzeitig und sofort zu schaffen: „Deshalb müssen wir Prioritäten setzen – im Dialog“, sagt der Kandidat.

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