Verbotene Bestrafung

Waldorfschule in Ottersberg: Eltern erheben schwere Vorwürfe gegen Lehrerin

An der Waldorfschule in Ottersberg sollen Kinder als Bestrafung mit dem Gesicht an die Wand gestellt worden sein. Wie reagiert die Schulleitung?

Ottersberg – Kinder als Bestrafung mit dem Gesicht an die Wand zu stellen, das ist in Deutschland gesetzlich verboten. Doch genau das soll Schülerinnen und Schülern an der Freie Rudolf-Steiner-Schule in Ottersberg im Unterricht bei mindestens einer Lehrerin der Schule mehrfach widerfahren sein.

In einem Schreiben von Eltern der Waldorfschule, das kreiszeitung.de vorliegt, heißt es, „die Lehrerin* ist leider kein Einzelfall. Demütigungen und Gewaltanwendungen kommen an unserer Schule leider in vielen Unterrichtsstunden vor, so wurde es uns inzwischen aus verschiedenen Quellen von Eltern und Schülern berichtet.“

SchuleFreie Rudolf-Steiner-Schule
StandortOttersberg
Gründung1946
Neubau von Schul- und Heimbau1967/68

„Wir haben alle vorgetragenen pädagogischen Vorwürfe gegen die betroffene Kollegin sehr ernst genommen und sind ihnen nachgegangen“, sagte der Vorsitzende des Schulvereins, Holger Wieters-Froehlich, gegenüber der Kreiszeitung. Die Schule habe sich die Unterstützung einer Supervision/Mediation von außen eingeholt, nachdem die zahlreichen Gespräche mit der Familie nicht zu einer Lösung geführt hätten, fügte er hinzu. „ Mit all diesen Bemühungen von Seiten der Schule ist es uns bedauerlicherweise nicht gelungen, mit einem Elternhaus eine Befriedung in dieser Angelegenheit zu erreichen“, so Wieters-Froehlich.

Der Kreiszeitung liegt ein Brief an die Schulklasse der betroffenen Schülerinnen und Schüler vor. Darin heißt es zu den Vorwürfen: „Der Prozess um die Vorwürfe von pädagogischem Fehlverhalten vonseiten der Lehrerin an den Kindern, wurde mit dem Aussprechen einer Ermahnung, sollte sie solche Erziehungsmaßnahmen durchgeführt haben, durch die Schulführung in einem Gespräch im Frühjahr 2020 geklärt.“

Eklat an Waldorfschule in Ottersberg: Konflikt schwelt seit einem Jahr

Der Konflikt bestehe seit über einem Jahr. Nach Angaben der Eltern sei die Entschuldigung der Schulführung erst im Februar 2021 erfolgt, nachdem die Eltern das Thema auf einem Elternabend im September 2020 erneut auf die Tagesordnung gebracht hätten.

Daraufhin habe es ein Gespräch zwischen den Eltern und der Schulführung im Oktober gegeben. Der Vertrauenskreis der Schule habe dann mit der Lehrerin und den Eltern gesprochen, „daraufhin erfolgte die vermeintliche Entschuldigung im Februar 2021 – also über ein Jahr nach der ersten Ansprache der Vorfälle durch uns“, heißt es von einem Elternteil.

Waldorfschule in Ottersberg: Schüler ohne Begründung gekündigt

Doch nun mündete der Konflikt laut Eltern in einer Kündigung eines Schülers der 7. Klasse. Die Schule beteuert hingegen, dass die Kündigung nicht mit dem Konflikt zu tun habe. Was war passiert?

Die betroffenen Eltern schreiben: „Die Kündigung von dem Schüler* ist ohne Angabe von Gründen fristgerecht und ordentlich erfolgt“. Weiter heißt es: „Wir gehen davon aus, dass ursächlich für die Kündigung ist, dass wir in der 4. Klasse darauf bestanden haben, dass die Schule und die Lehrerin zugeben, dass es zu diesen Vorfällen gekommen ist und nicht stattdessen die Glaubwürdigkeit zahlreicher Kinder infrage gestellt wird.“

Konflikt zwischen Schule und Eltern: Werden Schülerinnen und Schüler an der Waldorfschule in Ottersberg unrechtmäßig bestraft?

Anfang 2020 berichteten Schüler der damaligen 3. Klasse, eine Lehrkraft habe einen Mitschüler angebrüllt und mit dem Gesicht zur Wand gestellt. In dieser Klasse war auch ein jüngeres Kind der Eltern des gekündigten Schülers. Da beide Kinder der Eltern in der Vergangenheit bei der gleichen Lehrerin ebenfalls schon mit dem Gesicht zur Ecke stehen mussten, hätten sie eine Aufklärung vonseiten der Schule gefordert.

Als dafür laut ihrer Auffassung nach über einem Jahr keine zufriedenstellende Resonanz kam, kündigten sie den Schul-Vertrag ihres jüngeren Kindes in der vierten Klasse. Zwei Tage später kündigte die Schule wiederum den Vertrag ihres älteren Kindes.

Waldorfschulen-Beschwerdestelle sieht Indiz aber keinen Beweis

In einer Stellungnahme bestätigt Thomas Krauch von der Schlichtungs- und Beschwerdestelle des Bundes der Freien Waldorfschulen die Tatsache, dass verschiedene Eltern aus Erzählungen ihrer Kinder die Schilderung von dem Kind bestätigen und auch berichten würden, dass die Lehrerin die verbotenen Maßnahmen praktiziert habe. Sowohl in der 4. Klasse als auch aus anderen Klassen.

Das „ist zwar ein Indiz, aber kein Beweis, dass es im konkreten Fall so gewesen sein muss. Natürlich stehen diese Vorwürfe im Raum und sind ernst zu nehmen“, heißt es vom Bund der Freien Waldorfschulen.

Ein Schüler der Waldorfschule in Ottersberg wurde ohne Angabe von Gründen gekündigt.

Die Vorwürfe wurden laut dem Bund der Freien Waldorfschulen gründlich vom Vertrauenskreis und der Schulführung behandelt: „Die Lehrerin wurde ermahnt für den Fall, dass sie die genannte Maßnahme praktiziert haben sollte. Sie selbst hat sich für den Fall entschuldigt, dass sie durch ihr Verhalten Kinder seelisch verletzt haben sollte“, heißt es in der Stellungnahme.

Die Frage, ob vielleicht noch Friedensschaffung versucht werden sollte, sei mit der Schulführung besprochen worden. Die Schulführung habe vor dem Hintergrund der Geschehnisse im zurückliegenden Jahr dafür aber keinen Ansatzpunkt gesehen.

Eklat an Waldorfschule in Ottersberg: „Kind in Sippenhaft genommen“

Die Eltern des gekündigten Kindes schreiben: „Die von uns gewünschte Veränderung im Umgang mit pädagogischem Fehlverhalten, dass immer einmal passieren kann, und ein Gespräch auf Augenhöhe waren uns ein Anliegen, dass nun unserem Kind den Schulplatz gekostet hat, obwohl er gerne auf eigenen Wunsch in seiner Klassengemeinschaft bleiben wollte.“

Das Kind werde somit in Sippenhaft genommen, weil die Schulführung nicht in der Lage gewesen sei eine transparente und faire Konfliktlösung auf der Ebene der Erwachsenen zu ermöglichen. * Kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

(Artikel aktualisiert am 09. Juni um 18.09 Uhr und ergänzt mit der Stellungnahme der Schule, die uns nach der Veröffentlichung auf kreiszeitung.de erreicht hat)

Rubriklistenbild: © dpa/Fabian Sommer

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