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Wärme und Wege made in Ottersberg

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Von: Petra Holthusen

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Radweg, der vom Ottersberger Ortskern durch die Wümmewiesen zum Bahnhof führt
Ein Radwegenetz abseits der großen Straßen, das die Ortschaften miteinander verbindet, will die Gemeinde Ottersberg ausbauen. Saniert wird in dem Zuge unter anderem der Radweg, der vom Ottersberger Ortskern durch die Wümmewiesen zum Bahnhof führt (Bild). © Holthusen

Ottersberg – Mal ein Jahr vorausgeschaut: An zwei neuen Feuerwehrhäusern in Posthausen und Ottersberg ist das Richtfest in Sicht und auch der Ausbau eines ressourcen- und klimaschonenden Nahwärmenetzes im Flecken hat begonnen – dann wird 2023 ein gutes Jahr gewesen sein für Bürgermeister Tim Willy Weber. „Das wären auf jeden Fall drei Highlights“, sagt der Gemeindechef. Auf der Ottersberger Vorhabenliste für dieses Jahr stehen aber noch ein paar mehr: neue Sonnenstromanlagen auf Flächen und Dächern, ein Radwegenetz, das abseits der Straßen die Dörfer verbindet, oder auch der zweite Bürgerrat.

Eine personelle Veränderung steht auf der Position des Wirtschaftsförderers ins Haus: Nach nicht mal zwei Jahren verlässt Timo Erdelmeier Ende März die Gemeindeverwaltung. Erdelmeier, der sich als Ansprechpartner der Unternehmen erfolgreich um Bestandspflege, Erweiterungsbedarfe, Neuansiedlungen und Fördermittelprogramme gekümmert habe, verabschiedet sich Weber zufolge in die berufliche Selbstständigkeit. Die erst 2021 geschaffene Stabsstelle des Wirtschaftsförderers hat die Gemeinde neu ausgeschrieben. „Es liegen schon einige interessante Bewerbungen vor“, meint der Bürgermeister zuversichtlich, was Erdelmeiers Nachfolge betrifft.

Apropos Wirtschaftsförderung: Sieben neue Firmen haben sich laut Weber zuletzt in der Gemeinde angesiedelt – darunter das Ingenieurbüro 1punkt5, das nachhaltige klimaschützende Energiesysteme für Gewerbe und Industrie projektiert. Die neu geschaffenen Flächen im Gewerbegebiet am Bahnhof sind übrigens „fast alle schon vergeben“, sagt Weber. Unter anderem die Tierarztpraxis werde von der Großen Straße in den Gewerbepark umsiedeln und plane dort ihren Neubau. Die Schaffung neuer Gewerbeflächen gewinne also an Bedeutung – zunächst hat Weber dafür Erweiterungsmöglichkeiten gewerblicher Areale in Posthausen und Quelkhorn im Blick. Und auch das bereichert die lokale Wirtschaft: Zwei neue Restaurants haben kürzlich an der Großen Straße im Ortskern eröffnet. Ottersberg kann zum Essen wieder ausgehen, wahlweise griechisch oder italienisch.

Zur Energiewende will Ottersberg weiterhin in beachtlichem Maße beitragen. Das gemeindeeigene Elektrizitätswerk erweitert dem Bürgermeister zufolge sein Geschäftsfeld: Bisher vor allem im Stromhandel tätig, will das E-Werk künftig auch selber Strom produzieren. Dafür ist eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage auf der Brache der früheren Bauschuttdeponie hinter dem Bauhofgelände in Planung. Eine große Solarstromanlage will die Gemeinde dieses Jahr zudem für 150 000 Euro auf den Dächern der Wümmeschule bauen – „für den Eigenbedarf“, so Weber. Die Schule sei „einer der Hauptstromverbraucher“ der Kommune. Für weitere Fotovoltaikprojekte seien auch bereits die Dächer aller anderen öffentlichen Gebäude gesichtet worden.

Was nun das Einsparen von Energie betrifft, „machen wir das unaufgeregt“, erklärt Weber. Weil in Ottersberg die Straßenlaternen sowieso nachts abgeschaltet werden, brauchen sich Politik und Verwaltung darüber nicht die Köpfe heiß reden. Absenkungen der Raumtemperaturen oder Reduzierung der Weihnachtsbeleuchtung samt Umstellung auf LED seien einfach umgesetzt worden, „ohne groß zu rasseln“.

Während Ottersberg aus erneuerbaren Energien mehr Strom produziere als im Flecken insgesamt verbraucht werde – „da sind wir schon sehr gut!“ –, sieht Weber bei der Wärmeversorgung einigen Nachholbedarf. Mit Volldampf plant die Gemeinde deshalb ein Nahwärmenetz, das die Abwärme aus Industrieprozessen nutzt, um Häuser zu beheizen. Im ersten Ausbauschritt könnten dem Bürgermeister zufolge bis zu 200 Häuser in Ottersberg-Ost und im Kernort angeschlossen werden. Im Frühjahr soll es dazu eine Einwohnerinfoveranstaltung geben. Weber hofft, die Nahwärmeversorgung bis 2025 in Ottersberg-Ost verwirklicht und in den Folgejahren perspektivisch auf das gesamte Gemeindegebiet ausgeweitet zu haben: „Dieses Jahr soll es losgehen. Auch diese Wärme wird Geld kosten, aber sie ist regional produziert und macht unabhängig vom Gas.“

Energiewende heißt für Weber auch Verkehrswende. Die Förderung von klimafreundlichem Fahrradverkehr spielt in Ottersberg deshalb eine große Rolle: Neben dem Bau einer per App zu steuernden Fahrradabstellanlage am Bahnhof rücken 2023 die Sanierung und der Neubau von Radwegen in den Fokus. Ziel ist laut Weber, abseits der großen Straßen quer durch die Landschaft ein Routennetz aus breiten, asphaltierten Wegen zu schaffen, das Ortschaften, Ortskern und Bahnhof miteinander verbindet und das Radfahren im Alltag attraktiv macht. Zum Auftakt sollen dieses Jahr die Fahrradverbindungen zwischen Ottersberg und Otterstedt ausgebaut werden, weitere folgen abschnittsweise in den nächsten Jahren.

Im Genehmigungsverfahren ist die von Anwohnerprotesten begleitete Wohnbauplanung rund um das Gasthaus am Otterstedter See. „Die große Aufregung ist weg“, stellt der Bürgermeister fest, „es gibt mehr konstruktive Gespräche jetzt.“ Das Vorhaben am See ist im Fluss: Gemeinde, Investor und Anwohner seien miteinander im Austausch, und „die Pläne werden sich noch verändern“, sagt Weber.

Seit der Flutkatastrophe im Ahrtal und spätestens seit den veränderten Rahmenbedingungen der Energieversorgung infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine arbeitet Ottersberg wie alle Kommunen verstärkt am Wiederaufbau des Zivilschutzes. Der Verwaltungsstab hat mit Gemeindebrandmeister und DRK und in Kooperation mit dem Institut für Gefahrenabwehr eine Arbeitsgruppe im Rathaus gebildet. „Wir teffen uns alle vier Wochen und verteilen neue Aufgaben“, schildert der Bürgermeister. Leistungsstarke Notstromaggregate wurden bestellt, die Funktionsfähigkeit der Feuerwehrgerätehäuser sichergestellt, Anlaufpunkte und Schlaflager für die Bevölkerung festgelegt. „Das hört sich alles schrecklich an, aber es ist einfach Vorsorge“, sagt Weber, „wir bereiten uns vor auf Situationen, von denen wir hoffen, dass sie nie eintreten.“ Falls doch, sei die Gemeinde in der Verantwortung, für ihre Einwohner zu sorgen.

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