Fahrgastzahlen der Ottersberger Bürgerbusler sinken nach Re-Start um die Hälfte

Voller Einsatz – halbleere Busse

Als 250 000. Fahrgast des Ottersberger Bürgerbusvereins seit Fahrbetriebsbeginn im November 2011 hatten Vorsitzender Henning Struckmann (li.), der damalige Bürgermeister Horst Hofmann und Fahrdienstleiter Rolf Schulze (re.) kurz vor dem Corona-Lockdown Charlotte Rebentisch begrüßt und beglückwünscht. Seit dem Bürgerbus-Neustart im Juni haben sich die Fahrgastzahlen in Zeiten von Corona halbiert. 
Archivfoto: Duncan
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Als 250 000. Fahrgast des Ottersberger Bürgerbusvereins seit Fahrbetriebsbeginn im November 2011 hatten Vorsitzender Henning Struckmann (li.), der damalige Bürgermeister Horst Hofmann und Fahrdienstleiter Rolf Schulze (re.) kurz vor dem Corona-Lockdown Charlotte Rebentisch begrüßt und beglückwünscht. Seit dem Bürgerbus-Neustart im Juni haben sich die Fahrgastzahlen in Zeiten von Corona halbiert. Archivfoto: Duncan

Ottersberg – Voller Aufwand – halbleere Busse: „Wir spüren die Zurückhaltung unserer Fahrgäste nach dem Corona-Lockdown ganz deutlich“, sagt Henning Struckmann, Vorsitzender des Ottersberger Bürgerbusvereins. Nach dem Re-Start der beiden Kleinbusse, die von Bürgern für Bürger auf zwei Linien durch den Flecken gesteuert werden, hat sich die Zahl der Passagiere halbiert. Bis Februar, so Struckmann, „waren wir noch so stolz auf unsere 3000 Fahrgäste pro Monat“. Seit dem Neustart Anfang Juni sind es höchstens 1500.

Zum einen fehlen die Berufspendler: „Wer im Homeoffice oder in Kurzarbeit ist, sitzt nicht bei uns im Bus“, so Struckmann. Auch „Studenten der Ottersberger Hochschule haben wir kaum gesehen“, und von den älteren Menschen, die den Bürgerbus gern für Fahrten zum Arzt oder Einkaufen nutzen, trauen sich während der anhaltenden Corona-Pandemie noch nicht alle wieder in öffentliche Verkehrsmittel.

Auch einige der 30 ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer möchten sich als Zugehörige der sogenannten Risikogruppe in der Corona-Zeit nicht ans Steuer des Bürgerbusses setzen. Zwar werden die Fahrer mithilfe von Trennscheiben, Desinfektionstüchern und Einmalhandschuhen geschützt, aber hundertprozentige Sicherheit gibt es im öffentlichen Raum natürlich nicht. Bei werktäglich fünf zu besetzenden Schichten birgt ein Pool von aktuell 25 Fahrern für den Vereinsvorstand „immer das latente Problem: Wie kriegen wir die Schichten voll?“, so Struckmann. Da die Bürgerbusse beide Linien in vollem Umfang nach regulärem Fahrplan bedienen, werden täglich fünf Fahrer benötigt – jeder muss also jede Woche ran, und „die mit Lust und Zeit etwas häufiger als sonst“, schildert Struckmann, der selber als Fahrer aktiv ist.

Für die Fahrgäste ist – wie in allen Bussen und Bahnen – das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht, und in der Regel verteilen sie sich umsichtig in den Neun-Sitzern, um Mindestabstände soweit wie möglich einzuhalten. „Die verhalten sich alle prima!“, lobt Struckmann die Bürgerbus-Passagiere.

Aber ihre Gesamtzahl liegt aktuell eben nur „bei 50 Prozent des Vorjahresniveaus“, so Struckmann. Einnahmen, die beim Ticketverkauf nicht erzielt werden, fehlen dem Bürgerbusverein jedoch zur Deckung der Betriebskosten. Auf „einen knappen Tausender jeden Monat“ beziffert der Vorsitzende das derzeitige Verlustgeschäft. Wäre der Bürgerbusverein ein Wirtschaftsunternehmen, das Gehälter zahlen müsste, wäre er wohl schon pleite. Aber neben der nicht hoch genug zu bewertenden ehrenamtlichen Basis „haben wir zum Glück auch die Rückendeckung der Kommune“, sagt Struckmann mit Verweis auf den vertraglich vereinbarten Defizitausgleich. In dem Jahr, als der Verein zwei nagelneue Busse am Start hatte, brauchte die Gemeinde Ottersberg gar nichts an Verlusten auszugleichen – in Vorjahren mit vielen Fahrzeugreparaturen dagegen auch schon mal einen fünfstelligen Betrag. Darauf werde es leider wohl auch im Corona-Jahr hinauslaufen, mutmaßt der Bürgerbus-Chef.

Eine neue Adresse und ein neues Gesicht hat übrigens die Geschäftsstelle des Bürgerbusvereins, die seit Anfang Juli von Inge Schnaars an der Molkereistraße in Fischerhude geführt wird. Sie übernahm diese Tätigkeit von der langjährigen Geschäftsstellenleiterin Angelika Pohlmann. Mit Inge Schnaars konnte der Verein eine in Buchhaltung und Personalverwaltung versierte Steuerfachangestellte gewinnen, die Ende 2018 ihre aktive Berufszeit in einem Bremer Steuerbüro beendete. „So ganz ohne passende Nebenbeschäftigung wollte Inge Schnaars dann aber doch nicht bleiben. Der frei werdende Minijob bei den Ottersberger Bürgerbuslern kam ihr gerade recht“, schildert Struckmann.

Inge Schnaars freut sich nach ihren Worten „auf neue Herausforderungen und die Möglichkeit, alle anfallenden Verwaltungs- und Abrechnungsaufgaben für den Verein kennenzulernen und zu managen“. Gern beantwortet sie auch Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern, die sich für eine Tätigkeit als Unterstützer, Bürgerbusfahrer oder für eine Vereinsmitgliedschaft interessieren. Firmen, die als Sponsoren auf den Monitoren in den Bussen Werbung zeigen möchten, sind bei Inge Schnaars in der Geschäftsstelle an der Molkereistraße ebenfalls an der richtigen Adresse.

Infos und Kontakt

Mit der Übernahme der Vereinsgeschäftsstelle durch Inge Schnaars hat der Bürgerbusverein Ottersberg eine neue Postanschrift erhalten: Molkereistraße 74 in 28870 Ottersberg-Fischerhude. Die ebenfalls neue Telefonnummer der Geschäftsstelle lautet: 04293 / 7896512. Die bekannte E-Mail-Adresse ist dagegen weiterhin gültig: info@buergerbus-ottersberg.de. Im Internet findet sich der Verein unter der Adresse www.bürgerbus-ottersberg.de

Von Petra Holthusen

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