Rat legt Mindestabstände für Spielhallen fest

Gegen ungezügeltes Wachstum: Maß ist voll in Sachen Glücksspiel

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Glücksspiel kann süchtig machen – deshalb legt der Ottersberger Gemeinderat für den Ortskern einen Mindestabstand von 500 Metern zwischen Spielhallen fest und erschwert damit weitere Ansiedlungen.

Ottersberg – Spielhalle, Wettbüro, Sportsbar... – „Bermuda-Dreieck“ nennen manche Ottersberger den Bereich um den Kreisel Große Straße / Grüne Straße. Um entlang der Schulwege im Ortskern die Ansiedlung weiterer Lokalitäten, von denen potenzielle Spielsuchtgefahren ausgehen, zu verhindern, hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung eine „Verordnung über den Mindestabstand von Spielhallen“ erlassen. Danach wird um die Spielhalle an der Grünen Straße ein 500-Meter-Radius geschlagen, in dem keine weiteren Glücksspielläden aufmachen und dafür in Frage kommende Immobilien nicht für solche Zwecke vermietet werden dürfen.

500 Meter Luftlinie ist der größtmögliche Mindestabstand, den Kommunen nach dem Niedersächsischen Glücksspielgesetz zwischen Spielhallen festlegen dürfen – und „500 Meter sind sinnbringend“, stellte Ratsvorsitzende Erika Janzon (Grüne) fest. Der Gemeinderat beschloss die Verordnung einstimmig. Diese sorge für Abstände, die das Angbeot deutlich einschränkten und ein unkontrolliertes „Ablaufen“ mehrerer Läden zu Fuß erschwerten, hieß es.

Menschen im Ortskern machen sich angesichts der bestehenden und der in leerstehenden Geschäften befürchteten weiteren Glücksspiel-angebote zunehmend Sorgen um Familienangehörige, vor allem um Jugendliche. Das belegen nach Schilderung von Eckhard Bruns vom Ordnungsamt vermehrte Hinweise seit etwa drei Jahren in Form anonymer Anrufe und Schreiben an Verwaltung und Polizei. „Konkret werden Gefahren und negative Einflüsse durch das vorhandene Angebot an Geld- und Glücksspielen, insbesondere Geldspielgeräte und Wettvermittlungen angesprochen. Es ist die Rede davon, dass dort zum Teil hohe Summen verspielt würden“, so Bruns. Diese Hinweise seien bei Stichprobenkontrollen nur eingeschränkt nachprüfbar. Nicht bestätigt seien Berichte, nach denen es Versuche von Glücksspielanbietern gebe, gezielt junge Kundschaft in Lokale zu locken. „Tatsache ist aber“, so Bruns, „dass entlang der zentralen Straßen die Schulwege verlaufen und dass Schüler regelmäßig mit der Werbung für Glücksspiel konfrontiert sind.“

Laut Ordnungsamt sei bislang nur eine „echte“ Spielhalle genehmigt, aber es gebe regelmäßige Nachfragen, in leerstehenden Ladengeschäften entlang der Hauptdurchfahrtsstraßen im Ortskern Spielhallen zu etablieren. Die tatsächlichen und potenziellen Standorte lägen zentriert rund um den Kreisel. „Wegen der Dichte des Glücksspielangebots und der damit einhergehenden Werbung entsteht in einem eher ländlich geprägten Ort wie Ottersberg im Zentrumsbereich ein Erscheinungsbild, das von den Lokalen der Glücksspielbranche optisch dominiert wird“, so Bruns. Dies wirke auf Spielwillige potenziell einladend, und die Versuchung, auf kurze Distanz gleich mehrere Möglichkeiten des Glücksspiels nutzen zu können, sei für von Spielsucht bedrohte Personen nicht von der Hand zu weisen.

Das „inzwischen erreichte Maß der Versorgung des Ortes mit Lokalen, in denen Glücksspiel angeboten wird“, entspricht nach Auffassung der Verwaltung „gerade noch dem allgemeinen Niveau“. Würden im Zentrumsbereich weitere Spielhallen genehmigt, drohe ein Missverhältnis. „Um einem ungezügelten Anwachsen von Glücksspielgeräten im Ortskern vorzubeugen, stellt die Erhöhung des Mindestabstandes für Spielhallen ein geeignetes Mittel dar“ – dieser Empfehlung des Ordnungsamtes folgten die Politiker im Rat uneingeschränkt. 

pee

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