Theaterprojekt auf dem Quelkhorner Parzival-Hof

„La Viza Furiosa“: Hinter Masken mal jemand ganz anderes sein

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Hat viel Fantasie und viel Spaß zusammen – die Theatergruppe mit dem selbst erfundenen Namen „La Viza Furiosa“, die die angehende Theaterpädagogin Julia Becker (re.) auf dem Quelkhorner Parzival-Hof initiiert hat.

Quelkhorn - Inklusiv – das Wort findet Julia Becker, angehende Theaterpädagogin, im Alltagsgebrauch ziemlich „abgenudelt“ – und auch überflüssig. Dass jeder ein- und niemand ausgeschlossen ist – „das ist doch selbstverständlich, oder?“ Ohne dass es dafür einen besonderen Begriff braucht.

Diesen Geist spiegelt ihr Theaterprojekt auf dem Quelkhorner Parzival-Hof, das auf dem Papier inklusiv heißt und im gemeinsamen Tun so selbstverständlich ist. Die bunt zusammengewürfelte Truppe strahlt Spontaneität und Spielfreude aus und hat sichtlich viel Spaß zusammen. Das unterstreicht der frei erfundene Name „La Viza Furiosa“, den sie sich gegeben hat: „Weil es einfach so schön klingt...“

Seit Januar treffen sich in dem Theaterprojekt zwölf Frauen und Männer jeden Donnerstagabend im Bauernhaussaal des Parzival-Hofs, der Lebens- und Arbeitsort für Menschen mit geistiger Behinderung ist. Die Theatergruppe besteht aus Bewohnerinnen und Bewohnern des Hofs und aus Menschen aus Quelkhorn, Lilienthal, Ottersberg und Fischerhude, die alle Lust aufs Theaterspielen hatten und sich vorher untereinander nicht kannten.

Julia Becker hat Initiative ergriffen

Initiiert hat die Theatergruppe Julia Becker, die an der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen das Fach „Theater im Sozialen. Theaterpädagogik“ studiert und die den Parzival-Hof schon von ihrer Mitarbeit beim Wohntraining kennt. Konzeption, Umsetzung und Leitung des Theaterprojekts bringt sie als benotete berufspraktische Facharbeit in ihr Studium ein. Ideell und finanziell unterstützt wird die Theatergruppe von der Stiftung Leben und Arbeiten, vom studentischen (Kultur-) Verein im alten Ottersberger Bahnhof, vom Studentenausschuss der Hochschule und von der „Aktion Mensch“.

In großer Runde schildern die Theaterspieler ihre Anfänge: Nach dem ersten Kennenlernen „hat Julia spezielle Übungen mit uns gemacht, um uns aufs Theaterspielen vorzubereiten – damit wir uns das trauen“. Dann ging’s los mit dem Maskenbau aus speziellem Papier. Jede Gesichtsmaske erhielt während der Entstehung ihren ganz eigenen Ausdruck und ihre einzigartige Farbmischung. Später überlegte die Gruppe zusammen, welche Figur sich hinter welcher Maske verbergen könnte. 

Fiktive Namen nahmen Gestalt an, „und dann haben wir uns auf Klamottensuche gemacht“. Schließlich waren der coole Teenager Tommy, die quirlige Putzfrau Anni, der gemütliche Pater Sam, die taffe Sportlerin Eva, der neugierige Fietje Lehmann, die bezaubernde Florentine, Charmeur Udo, die Bauersfrauen Inge und Iris und noch weitere Figuren geboren. Aus dem Gesichtsausdruck der Masken und den Bewegungen der Spieler hinter der Maske entwickelte sich alles weitere. Das eingeschränkte Gesichtsfeld unter der Maske machte den Akteuren erst zu schaffen, aber sie genossen es, „mal jemand ganz anderes zu sein – geschützt hinter der Maske“.

Mit Körpersprache und viel Improvisation

Dabei schlüpften sie nicht in Rollen von Personen, die sie gerne mal wären, sondern spielten im Gegenteil „etwas, was man nie sein wollte“. Das hat sich in der Entwicklung des Spiels einfach so ergeben.

Allein mit Körpersprache und viel Improvisation erzählen die Figuren Geschichten. Was passiert, wenn diese und jene Figuren aufeinander treffen; was machen sie, wenn sie zusammenkommen? Streiten, schlichten, flirten, sich annähern, zurückweichen – das Spektrum der nonverbalen Kommunikation ist breit. Ort der Begegnung ist immer die selbe Holzbank. „Das Grundgerüst ist fix, und in diesem Rahmen wird improvisiert“, schildert Julia Becker. Deshalb waren die bisherigen vier Aufführungen bei verschiedenen Festen „auch immer ein bisschen anders“.

Mit Live-Musik begleitet hat die Aufführungen „Funny Island Home“, die Band des „Inselhauses“ vom Parzival-Hof. In Zusammenarbeit mit den Theaterspielern entwickelten die Musiker bei den Proben für jede Maske eine eigene Erkennungsmelodie. Ein besonderer Clou, der allen gefiel.

So langsam geht das befristete Theaterprojekt seinem Ende entgegen. Aber eine zweite Auflage ist bereits in Planung. Für den Neustart voraussichtlich am 9. Januar 2018 können sich Interessierte schon in der Verwaltung der Stiftung Leben und Arbeiten anmelden (Mail: g.boeger@leben-arbeiten.de, Telefon 04208/299-0). Die Akteure von „La Viza Furiosa“ sind auf jeden Fall dabei: „Na klar, wir wollen weitermachen!“

pee

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