Initiative LebensArt kauft Altcampus der Hochschule für Kultur- und Wohnprojekt

Vision wird Wirklichkeit

In den alten Hochschulgebäuden am Wiestebruch verwirklicht die Initiative LebensArt ihr lange geplantes Kultur- und Wohnprojekt.

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Aus Vision wird Wirklichkeit: Auf dem Altcampus der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) am Wiestebruch entsteht das Kultur- und Wohnprojekt LebensArt.

Nach vier Jahren Planung und Vorbereitung haben der für den Kulturbereich zuständige Verein LebensArt und die für das gemeinschaftliche Wohnen gegründete LebensArt GmbH & Co. KG die alten Hochschulgebäude auf dem 5140 Quadratmeter großen Areal für eine Million Euro von der Hochschulträgergesellschaft gekauft. Aus Anlass des Eigentümerwechsels informierten HKS-Geschäftsführer Prof. Dr. Ralf Rummel-Suhrcke und die LebensArt-Initiatorinnen um Tine Pockels, Susanne Wendekamm und Claudia Schüler am Freitag vor Ort zusammen mit Architekt Thomas Isselhard über die Projektdetails – und das mit spürbarer Euphorie.

Nach einem Stufenplan zieht die Hochschule in den nächsten zwei Jahren peu à peu am Wiestebruch aus und siedelt Unterrichts-, Forschungs-, Seminar- und Verwaltungsräume vom Altcampus an den zweiten Standort an der Großen Straße um. Hier, am neueren und künftig zentralisierten Campus, ist am Montag Baubeginn für das millionenschwere Erweiterungsvorhaben der HKS. Für dessen Finanzierung wird der über 50 Jahre alte Gründungsstandort verkauft.

Das gab die Hochschule schon 2014 bekannt. Mit Beginn der Nachnutzer-Suche für die alte Kunststudienstätte formte sich ab 2015 die Idee von Gleichgesinnten, in den großen Gebäuden gemeinschaftliches, generationsübergreifendes Wohnen mitsamt künstlerischem Umfeld zu verwirklichen. Schaffung und Festschreibung von Leitgedanken, Strukturen, Organisationsformen, Finanzierungsmodell und rechtlichem Rahmen beanspruchten viel Zeit und Kraft der Visionäre – und sie gelang: Das Projekt ist umsetzungsreif.

„Ein langjähriger Prozess, der sich sehr gelohnt hat“, findet Hochschulleiter Rummel-Suhrcke. Für ihn wird das Projekt LebensArt ein „Innovationszentrum“, das das soziale Wirken und künstlerische Schaffen an dem Standort fortsetze und dabei mit seiner Wohn-, Lebens- und Kulturform zukunftsweisende Impulse für die ganze Region gebe. Die Kooperation von HKS und LebensArt ist in dem Konzept auch über den Auszug der Hochschule hinaus gedacht: „Zum Beispiel wollen wir die große Aula gemeinsam bespielen.“ Dass die Partner weltbildlich auf einer Wellenlänge sind und einen guten Draht gefunden haben, kommt übrigens nicht von ungefähr: Die Hälfte der LebensArt-Gründer hat mal an der Hochschule studiert.

„Uns ist eine echte Win-win-Situation gelungen“, sagt Tine Pockels. Dadurch, dass sich die HKS Stück für Stück vom Wiestebruch zurückziehe, könne LebensArt schrittweise umbauen und einziehen. Als erstes werden die Ateliers und Ausstellungsräume des Kulturvereins beziehbar sein: „Hier ist der bauliche Aufwand am geringsten“, so der beauftragte Architekt Thomas Isselhard. Er ist Fachmann für nachhaltiges Bauen, lebt selbst voller Überzeugung in einem Gemeinschaftswohnprojekt und begleitet die Ottersberger Initiative deshalb mit doppelter Begeisterung.

In den Gebäudeteilen für Kunst und Kultur plant Lebensart nicht nur für seine Bewohner, die zumeist selbst Kunstschaffende sind, Ateliers, sondern auch Mieträume für Kunstschule, Reiki-Institut, therapeutische Praxen und ökologische Kleinstunternehmen. Die Mieteinnahmen sollen den Kulturbereich finanziell absichern, für den außerdem eine erfolgversprechende Stiftung in Gründung ist. „Wir haben ganz viele Unterstützer von außen“, erzählt Claudia Schüler. Nach außen will der Kulturverein LebensArt auch bewusst wirken: als lebendiges öffentliches Forum für Ausstellungen, Theater, Konzerte, Vorträge und Lesungen. Ein Café und studentisches Wohnen über der vielfältig nutzbaren Hochschulaula gehören ebenso zum Konzept.

Im Wohnbereich, nach hinten Richtung Wiestetal gelegen, sind 18 Wohneinheiten von 40 bis 150 Quadratmetern Größe für Singles, Paare, Familien und WGs geplant. Ob jemand mit Garten wohnen möchte oder mit Ausblick ins Grüne von oben – „da ist viel Spielraum“, sagt Architekt Isselhard. Das Wohngebäude wird barrierefrei und energetisch „auf Neubaustandard“ saniert. Alle haben ihre privaten Räume, „leben aber nicht nebeneinander, sondern miteinander“, erklärt Susanne Wendekamm. Das beinhaltet die nachhaltige und ressourcenschonende gemeinsame Nutzung von Waschmaschine, Rasenmäher oder Auto ebenso wie ein achtsames, einander zugewandtes Zusammenleben in sozialer Gemeinschaft. Das Projekt finanziert sich über das Kapital, das die Bewohner in ihre Gesellschaft einbringen, und die individuellen Nutzungsentgelte für die Wohnungen.

Weitere Infos

www.lebensart-ottersberg.de

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