Auch Oyten lehnt Sondernutzung ab

Verzichtet DEA auf seismische Erkundung?

Dieses Verbotsschild für seismische Messungen auf Privatgrundstücken hat die Bürgerinitiative NoMoorGas als Vorlage für Grundstückseigentümer entworfen, die seismische Untersuchungen der DEA auf ihrem Grund und Boden ablehnen.

Ottersberg / Oyten - Von Petra Holthusen. Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Erdöl AG (DEA), Maria Hanssen, erwägt, „von den geplanten seismischen Untersuchungen in unserer Region Abstand zu nehmen“.

Das erfuhr CDU-Landtagsabgeordneter Axel Miesner, zu dessen Wahlkreis die Gemeinden Oyten und Ottersberg gehören, nach eigenen Angaben am Dienstag in einem Gespräch mit dem Niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD). Die DEA-Vorstandschefin würde von den geplanten Aktivitäten absehen wollen, habe dieses aber noch nicht offiziell bestätigt, erklärte Lies gegenüber Miesner, der Vorsitzender des Umweltausschusses im Landtag ist.

„Dieses ist bereits ein erstes positives Signal der DEA gegenüber den Menschen in unserer Heimat. Jetzt geht es darum, weiter deutlich zu machen, dass die seismischen Messungen in unserer Heimat nicht gewollt sind“, erklärte Miesner im Anschluss an das Gespräch mit Lies.

Gegen das Vorhaben der DEA, in den Landkreisen Verden und Osterholz durch umfangreiche seismische Messungen mit Hilfe von tonnenschweren Vibro-Trucks mögliche neue Gaslagerstätten zu identifizieren, regt sich massiver Widerstand in der Region (wir berichteten). Bürgerinitiativen formieren sich, Unterschriftenlisten kursieren, und Gemeinden lehnen die Anträge der DEA auf eine Sondernutzung öffentlicher Straßen mit Vibro-Trucks ab.

Politik sorgt sich wegen Erderschütterungen

Zuletzt verweigerten am Montag die führenden Ratsfraktionsvertreter im nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss der Gemeinde Oyten der DEA in einem einstimmigen Beschluss die Erlaubnis, mit ihren Messzügen die im Eigentum der Gemeinde befindlichen öffentlichen Straßen, Wege und Flächen zu benutzen. Das bestätigte Bürgermeister Manfred Cordes. Die Politik sorge sich wegen möglicher Erderschütterungen durch die von den Vibro-Trucks ins Erdinnere gesandten Schallwellen und befürchte die Anwendung des umstrittenen Fracking-Verfahrens, sollte eine Gasförderstelle auf Oytener Gemeindegebiet ausgemacht werden, berichtete Cordes.

Über eine Sondernutzung kommunaler Straßen zu entscheiden, sei Aufgabe des hauptamtlichen Bürgermeisters, und die Erlaubnis im vorliegenden Fall habe Horst Hofmann der DEA nicht erteilt, erklärte auf Nachfrage der Ottersberger Vize-Verwaltungschef Jürgen Buthmann-von Schwartz. Im Verwaltungsausschuss sei die Auffassung der Verwaltungsspitze politisch unisono bestätigt worden. 

Durch die bei den geplanten seismischen Untersuchungen zu erwartenden Erschütterungen „sehen wir erhebliche Beeinträchtigungen an Straßen und Kanalnetz auf uns zukommen“, so Buthmann-von Schwartz. Wie die DEA mit dabei entstehenden Schäden umzugehen gedenke, habe sie der Gemeinde nicht schlüssig erklärt. „Wir haben erhebliche Bedenken“, betonte Buthmann-von Schwartz. Zum Beispiel allein die Vorstellung, die tonnenschweren Vibro-Trucks erschütterten wie geplant im Ortskern den Alten Weg mit seinem Klinkerpflaster... – „die Sondernutzung sehen wir so als unmöglich“.

Landtagsabgeordneter drängt auf Verzicht der Untersuchungen

Der für die Region zuständige Landtagsabgeordnete Axel Miesner hatte bereits im Oktober Umweltminister Lies aufgefordert, bei der DEA auf einen Verzicht der seismischen Untersuchungen zu drängen. Der Umweltausschuss des Landtages sei gerade darüber unterrichtet worden, dass ein räumlicher und zeitlicher Zusammenhang auftretender Erdbeben mit der Erdgasförderung feststellbar sei und dass sich Spannungen über viele Jahre, auch nach dem Ende der Erdgasförderung, aufbauen und zu Erdbeben führen könnten, schrieb Miesner an Lies. 

„Die Erdgasindustrie selbst hat durch ihr Verhalten dazu beigetragen, dass die Erdgasförderung keine Akzeptanz mehr in der Bevölkerung hat“, so der Abgeordnete. Es müsse bei der Identifikation von Erdgaslagerstätten und der Suche danach ein Umdenken erfolgen. Mindestens in einer dicht besiedelten Region wie dem Umland von Bremen dürfe es keine Erdgasförderung mehr geben, unterstrich Miesner.

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