Kreisbehörden erklären Lagerung von bleibelastetem Boden auf Schießanlage für sicher

„Verschleppung ausgeschlossen“

Fischerhude – Weniger Ermessensspielraum als vermutlich von den Grünen erhofft hat der Landkreis Verden in Bezug auf die geplante Sanierung und Reaktivierung des Tontaubenschießstands des Fischerhuder Schützenvereins in den Wümmewiesen. Darauf lassen die Antworten schließen, die der Fachdienst Bauordnung in Abstimmung mit der Bodenschutz- und Naturschutzbehörde der Verdener Kreisverwaltung nach einer umfangreichen Anfrage der Grünen-Kreistagsfraktion zu dem besagten Projekt formuliert hat. Fragen und Antworten sind am Dienstag Thema in der Sitzung des Planungsausschusses im Verdener Kreistagssaal.

Das Sanierungsvorhaben der Fischerhuder Schützen, das mit erheblichen öffentlichen Zuschüssen finanziert werden soll, birgt Konfliktpotenzial. Wie berichtet, soll auf dem Freiluft-Schießstand im heutigen Landschaftsschutzgebiet bleiverseuchtes Erdreich abgetragen und als Wall auf dem Gelände gelagert werden. Im Anschluss wollen die Schützen die Fläche neu verfüllen und präparieren, ihre Vereinsanlagen sanieren und das Wurfscheibenschießen wieder aufnehmen, dann mit Eisenschrot. Auch Jäger bekunden Interesse an dieser Möglichkeit des Trainings. Fischerhuder Anwohner dagegen fürchten Umweltschäden und Lärmbelästigung: Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet, um das Projekt zu verhindern.

Dadurch wurde die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen aufmerksam und stellte der Kreisverwaltung kritische Fragen zu Genehmigung und Förderung der Schießstand-Sanierung.

Die Baugenehmigung für den Fischerhuder Tontaubenschießstand datiert bereits aus dem Jahr 1969 und „gilt als immissionsschutzrechtliche Genehmigung fort“, wie die Bauordnungsbehörde in Beantwortung der Grünen-Anfrage erläutert. Nach alarmierenden Ergebnissen von Bodenproben, der der Landkreis veranlasst hatte, „erklärte sich der Schützenverein 2014 damit einverstanden, den Schießbetrieb im Wesentlichen ruhen zu lassen“, schreibt der Fachdienst Bauordnung. In den Folgejahren sei der Schießstand nachweislich in Einzelfällen für den Schießbetrieb genutzt worden: „Zu einer rechtlich bedeutsamen Nutzungsunterbrechung ist es nicht gekommen, sodass die Anlage nach wie vor Bestandsschutz genießt.“ Einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung für den Weiterbetrieb bedürfe es daher nicht.

Als das Landschaftsschutzgebiet in dem Bereich ausgewiesen wurde, handelte es sich laut Kreisverwaltung „bei dem Schießstand um eine bestandsgeschützte Anlage mit einer gültigen Betriebserlaubnis, weshalb eine Einschränkung des Betriebs durch die Unterschutzstellung nicht möglich war“.

Im Rahmen der geplanten Sanierung des Tontaubenschießstands sei vorgesehen, den belasteten Boden abzugraben und teilweise vor Ort als Wall aufzuschütten. Die dafür erforderliche Baugenehmigung habe man seitens der Landkreisbehörde „mit Datum vom 24.02.2020 erteilt“. Stark kontaminierter Boden werde „in einem allseits gesicherten Erdwall deponiert“. Der Erdwall werde mit einer nach der Deponieverordnung zugelassenen 2,5 Millimeter starken Kunststoffdichtungsbahn abgedeckt, die unter anderem eine Durchwurzelung verhindere, erklärt die Behörde. Das Gelände liege nicht im ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet der Wümme, und „durch die Sicherung des stark bleibelasteten Bodenmaterials im Erdwall“ werde eine Verschleppung in das Überschwemmungsgebiet der Wümme ausgeschlossen.

Die geltende Baugenehmigung aus dem Jahr 1969 enthalte keine Festsetzungen zum Umfang des Schießbetriebs, den der Verein nach Wiederaufnahme im früheren Umfang fortsetzen wolle. „Danach findet der Schießbetrieb an Sonntagvormittagen von 9 bis 12 Uhr, an Samstagnachmittagen von 14 bis 18 Uhr und an Mittwochnachmittagen von 14 bis 18 Uhr statt. Die Gesamtschusszahl pro Schießtermin beträgt maximal 900 Schüsse“, so die Kenntnis der Behörde.

Die zwischenzeitliche Ausweisung von Vogelschutz- und Landschaftsschutzgebiet hat laut Landkreis im jetzigen Verfahren keine Rolle gespielt: „Es bestand keine Notwendigkeit zur Bewertung dieser beiden Interessen, weil sich die Frage des Weiterbetriebs aufgrund der gültigen Betriebserlaubnis nicht gestellt hat.“  pee

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Genua will wieder hoch hinaus

Genua will wieder hoch hinaus

50 Jahre Citroën SM

50 Jahre Citroën SM

Wie Sprachreisen in Corona-Zeiten ablaufen

Wie Sprachreisen in Corona-Zeiten ablaufen

Fotostrecke: Eigentor, Kampf und Jubel - Relegations-Remis rettet Werder!

Fotostrecke: Eigentor, Kampf und Jubel - Relegations-Remis rettet Werder!

Meistgelesene Artikel

Koks und Gras machen ihnen großen Spaß

Koks und Gras machen ihnen großen Spaß

Coronavirus im Seniorenheim: Bislang fünf Todesopfer aus Oytener Einrichtung

Coronavirus im Seniorenheim: Bislang fünf Todesopfer aus Oytener Einrichtung

Quarantäne schrumpft drastisch

Quarantäne schrumpft drastisch

Ein neuer Mann am Steuer

Ein neuer Mann am Steuer

Kommentare