Fischerhuder Ortsrat: Kein Beschluss zu Brüning-Plänen

„Brutal im Stich gelassen“

So etwa würde sich nach einer Visualisierung des Planers das neue Brüning-Bürogebäude von der Landstraße aus gesehen darstellen.

Fischerhude - Noch immer konnte sich der Ortsrat Fischerhude zu keiner Entscheidung durchringen. Erneut vertagte das Gremium in der dreistündigen Sitzung am Mittwochabend vor viel emotionsgeladenem Publikum in Buthmanns Hof eine Abstimmung über die Baupläne der Brüning-Gruppe, die vis à vis ihres Unternehmenssitzes an der Landstraße weitere Betriebsgebäude auf der jetzigen landwirtschaftlichen Hofstelle Am Krummen Ort 27 errichten will. Dafür aber braucht es eine Ausnahme von der Veränderungssperre für den Fischerhuder Ortskern.

Die Mehrheit von FGBO, SPD und Grünen im Ortsrat sah immer noch weiteren Klärungsbedarf und setzte gegen den Willen der CDU-Vertreter eine Vertagung des Beschlusses durch. Ob dieser dann seitens des Ortsrates noch nötig sein wird, ist fraglich. Zum einen sollte am Donnerstag der Ottersberger Gemeinderat den endgültigen Beschluss über die Ausnahme von der Veränderungssperre fassen – nun ohne die Grundlage eines Votums aus Fischerhude –, zum anderen hatte Arnd Brüning im September für die Planungssicherheit seines auf Expansionskurs befindlichen Unternehmens und seiner 100 Mitarbeiter auf eine politische Entscheidung bis Ende Oktober gedrängt, um sich danach gegebenenfalls nach Alternativen zu seinem Heimatstandort Fischerhude umzusehen.

Nach dem Nicht-Bekenntnis des Ortsrates am Mittwochabend und Anfeindungen von Projektgegnern aus der Bürgerschaft fühlt sich Brüning nun „von der Politik brutalst im Stich gelassen“, wie er am Donnerstag sagte. Er und sein Architekt seien in einer Art Tribunal „öffentlich abgewatscht“ worden, und er habe „keine einzige Aussage, dass wir im Ort gewollt sind“, gehört: „Die treiben mich noch mit dem Knüppel aus dem Ort“, so Brüning.

„Null öffentliche Anerkennung“

Zugeständnisse hatten in den Kompromissgesprächen zur Gestaltung des Gebäudeensembles im Alt-Neu-Mix offenbar alle Beteiligten gemacht: Brüning bei Fragen zu Giebel und Scheune, der Ortsrat bei der baulichen Verdichtung der Hofstelle und Lichtbändern im Dach – beides entspräche nicht der selbst verordneten Erhaltungs- und Gestaltungssatzung für den Ortskern. Strittig aber bleiben die Firsthöhen und die dazu vereinbarten Kompromisslösungen, die Brüning und der Ortsrat anscheinend unterschiedlich erinnern: Beide werfen sich nun gegenseitig vor, sich nicht ans Protokoll gehalten zu haben.

Dass er in öffentlicher Sitzung so hingestellt werde, als ob er sich nicht an Absprachen gehalten hätte, machte Brüning dem Ortsrat gestern in einem Rundschreiben zum Vorwurf. Der Fischerhuder Unternehmer ist bitter enttäuscht von der fehlenden Unterstützung: „Null öffentliche Anerkennung (von niemandem von Euch gestern!) für unsere Bereitschaft, viel Geld für den Wiederaufbau des Giebels, dreimalige Umplanung, Erhalt der Rundscheune... Verlässlichkeit sieht anders aus, als Ihr es mir gestern gezeigt habt.“

Kein Ende der Unstimmigkeiten in Sicht

Ortsbürgermeister Wilfried Mittendorf (FGBO) wiederum vermisst bei Brüning „ein klares Bekenntnis, die Vorgaben der Gestaltungssatzung einzuhalten“. Die grün-rot-grüne Ortsratsmehrheit konnte nach Mittendorfs Worten die mit Brüning mündlich vereinbarten Kompromisslösungen in den modifizierten Zeichnungen nicht wiederfinden: „Bemängelte Schnitte und Höhen in der Konzeptplanung wurden bisher nicht korrigiert. Die Pläne und Visualisierungen sind zum jetzigen Zeitpunkt noch ungenau.“ Das habe zu Unmut geführt. „Ohne diese Unstimmigkeiten hätte das Projekt eine Mehrheit gehabt im Ortsrat“, meint Mittendorf.

Er selbst hätte nicht zu dieser Mehrheit gehört, sondern nach einem langen Abwägungsprozess wegen „nicht eingehaltener Vorgaben der Gestaltungssatzung“ das Vorhaben abgelehnt. Dazu gab Mittendorf in der Sitzung ein langes persönliches Statement ab. „Dem Konzept hätte ich zustimmen können, wenn nicht die geplante Zweigeschossigkeit und die Firsthöhe von zwölf Metern für das Bürohauptgebäude wären. Diese beiden Punkte werden später – wenn die Veränderungssperre abgelaufen ist, die Gestaltungs- und Erhaltungssatzung durch- oder nicht durchgesetzt werden – zum Maßstab für die Beurteilung der Baugenehmigungsbehörde bei Vorhaben in der Nachbarschaft“, sagte Mittendorf. „Ich bin der Meinung, das geplante Bürohauptgebäude fügt sich nicht ein“, erklärte der Ortsbürgermeister, der befürchtet, dass „die Fehlentwicklung hier zum Maßstab für das Einfügen wird“.

pee

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