Gleichstellungsbericht polarisiert

Tatkräftig zu mehr Geschlechtergleichheit

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Eine Frauenquote hat der Ottersberger Rat abgelehnt.

Ottersberg - Ein Mann als Reinigungskraft oder Erzieher in der Kindertagesstätte? Das sei heute immer noch schwer zu besetzen, heißt es im Bericht der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde Ottersberg. Dennoch könne man sich dafür einsetzen, diese Bewerber gezielt anzusprechen. Und eine Frau als Fachbereichsleiter im Rathaus?

Keine Chance, das sei unrealistisch und lohne daher auch nicht, als Ziel zu formulieren. „Ich kann ganz tolle Sachen in meinen Plan schreiben und mir dann auf die Schulter klopfen, dass es drinsteht. Aber was bringt das? Nichts“, so die derzeitige Amtsinhaberin Medya Roza Tuku. Eine Meinung, die ihr zwar überwiegend, aber nicht nur, Zuspruch bei den Mitgliedern des Ottersberger Rates einbrachte.

Tuku, deren Gleichstellungsbericht und -plan als einer der ersten Punkte auf der Tagesordnung stand, erschien mit anderthalbstündiger Verspätung, so dass ihr Vortrag erst gegen Ende der Sitzung erfolgte. Kämmerer Christian Heinrich unterstützte sie bei der Power-Point-Präsentation.

Heinrich zeigte auf, was sich in den einzelnen Fachbereichen der Stadtverwaltung in Sachen Geschlechtergleichheit getan hat. So hat der Flecken etwa zwei Flüchtlingskoordinatorinnen eingestellt. Im Jugendkulturhaus wird nun Jugendarbeit speziell für Mädchen angeboten. Auch das Ferienprogramm verfügt über geschlechterspezifische Angebote.

Ottersberg bei Gleichstellung bundesweit Vorreiter

Mit der Ganztagsschule werde viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf getan. Das gemeindeeigene E-Werk beschäftigt derzeit 103 weibliche und 39 männliche Mitarbeiter. 75 der dort beschäftigten Frauen sind aber in Teilzeit tätig. Abgerundet wird der Gleichstellungsbericht mit Entwicklungen für Behinderte: Der Bahnhof Sagehorn wird barrierefrei ausgebaut, auch die Beleuchtung wurde erneuert.

Seit 1995 hat der Flecken Ottersberg eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte und sei damit bundesweit Vorreiter gewesen, sagt Medya Roza Tuku. In ihrer Amtszeit, die 2013 begann, habe sie einige Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu gehört ein neues Modell, um Bewerbungsverfahren bei der Gemeindeverwaltung gerechter zu gestalten (ein Personalrat aus Erzieherinnen) sowie Beratungen und Veranstaltungen, darunter ein Yoga-Kurs, ein Seminar für Existenzgründerinnen und eine Führung durch Fischerhude.

In der Verwaltung sind zwar einige Frauen beschäftigt, aber überwiegend in Teilzeit. Eine Tatsache, die Tuku mit Hinweis auf die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf positiv wertete. Was die Führungspositionen betrifft, bestünden derzeit im Rathaus keine Vakanzen, entsprechend könne man die Vergabe dieser Stellen an Frauen auch nicht fördern. Fazit: Trotz der angespannten Haushaltslage habe sie ihren Auftrag erfüllt, ein Lernprozess habe stattgefunden. Auf Nachfrage sagte Tuku, dass in den örtlichen Kitas derzeit ein bis zwei männliche Kräfte beschäftigt seien.

Mit der Aussage „Die berufliche Benachteiligung von Frauen ist da“ eröffnete Tim Weber (FGBO) die Debatte. Als Beispiel nannte er die rein männlich besetzten Fachbereichsleitungen und die geringer entlohnten Kindergartenleiterinnen, die ebenso verantwortungsvolle Positionen ausfüllten. Er wunderte sich, wie Tuku zu dem Schluss kommen konnte, alles Notwendige getan zu haben. „Was die Bezahlung dieser beiden Leitungspositionen angeht, sind uns aufgrund des TVÖD die Hände gebunden. Da müssen sie sich an den Gesetzgeber wenden“, wehrte sich Tuku.

Zielvorgaben sollen künftig helfen

Darüber hinaus stellte Weber den Antrag, den Gleichstellungsplan um konkrete Zielvorgaben zu ergänzen. „Soll ich etwas abgeben, was sich toll anhört oder einen realistischen Plan?“, entgegnete die Gleichstellungsbeauftragte. In den Bereichen „Kita“ oder „Bauhof“ sei eine Zielvorgabe möglich, nicht jedoch bei den Führungspositionen.

Die 2. stellvertretende Bürgermeisterin Angela Hennings (Grüne) sprang Weber bei: Es gehe auch darum, langfristige Ziele zu erarbeiten, wie etwa einen Frauenanteil von 50 % in Beschäftigung zu bekommen. „Ich finde den realistischen Ansatz, den sie hier präsentieren, wesentlich besser“, sagte Hannah Schwarz-Kaschke (CDU) – und fand in Jürgen Baumgartner (Linke) einen Fürsprecher: „Man muss sich an der Umsetzbarkeit orientieren.“ Mit knapper Mehrheit wurde der Antrag abgelehnt.

Anschließend verkündete Bürgermeister Horst Hofmann, dass sich Medya Roza Tuku nun für die nächsten elf Monate in Elternzeit verabschiedet. Ihre Arbeitszeit habe sie auf zehn Stunden reduziert, so dass für die vorübergehende Vakanz eine Vertreterin gesucht werde.

ldu

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