Ottersberger Neuntklässler bringen Frischs Parabel „Andorra“ auf die Bühne

Über Rassismus und Feigheit

Seit Sommer laufen an der Wümmeschule die Vorbereitungen für die verschiedenen Bestandteile der Theaterinszenierung „Andorra“, mit der die Neuntklässler am 9. Juni Premiere feiern.

Ottersberg - Mehr als 100 Schülerinnen und Schüler aus den Wahlpflichtkursen Schauspiel, Kunst, Musik und Geschichte der 9. Klassen und die Theater-AG der Wümmeschule Ottersberg arbeiten seit vergangenem Sommer an dem aufwendigen Theaterprojekt: Max Frischs „Andorra“ steht dieses Jahr auf dem Spielplan der Oberschule.

In einer gemeinsamen Projektwoche im Juni wird das Stück in zwölf Bildern dann endgültig zusammengesetzt – Premiere ist am Donnerstag, 9. Juni, und ein zweiter Aufführungstermin am Freitag, 10. Juni. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr in der Aula der Wümmeschule.

Die Parabel von Max Frisch über gesellschaftliche Zwänge, Rassismus und menschliche Feigheit, die im fiktiven Land Andorra spielt, wurde nicht zufällig ausgewählt. „Anlass zu dieser Inszenierung gab unter anderem die Flüchtlingsdebatte, die auch die Ottersberger Jugendlichen beschäftigt“, erklärt Lehrer Nils Thönnessen, der für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, während die Kolleginnen Renate Hippen und Britta Cornehl in dem bewährten Leitungsteam mit den Neuntklässlern Kulissen bzw. Musik erarbeiten. Das diesjährige Theaterprojekt unterstützt außerdem den Anspruch der Wümmeschule als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Ergänzt wird die zweistündige Aufführung durch eine Ausstellung im Foyer über das Stück, die Hintergründe den Autor und die wichtigsten Figuren. Diese Ausstellung bereitet Wolfgang Staschke mit Schülern vor. Vor der Theateraufführung können Interessierte jeweils bereits ab 19.10 Uhr im Foyer eine Einführung in das Stück hören.

Der Eintritt ist übrigens frei. Über eine Spende würden sich die Theatermacher jedoch freuen. In der Pause (nach dem 8. Bild) verkauft die Schülervertretung zudem Getränke und kleine Snacks.

„Andorra“ wurde 1961 in Zürich uraufgeführt. „Max Frisch wollte stets einen aktuellen Bezug seines Stückes, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Geschichte hier in der Gegenwart spielt“, erläutert Thönnessen. Der durchaus anspruchsvolle Stoff werde den Zuschauern multimedial dargeboten: „So werden die Schauspieler immer wieder durch Film- und Tonaufnahmen sowie Musik in ihrer Darbietung unterstützt. Der Bühnenaufbau und die Inszenierung geben dem Zuschauer das Gefühl, mittendrin zu sein. Die Hauptfigur selbst wird von unterschiedlichen Personen gespielt. Damit soll dargestellt werden, wie absurd und austauschbar eine ausgegrenzte Minderheit ist.“

Zum Inhalt: Andri liebt Barblin, seine Pflegeschwester. Can, der Vater von Barblin und Lehrer in Andorra, hat angegeben, Andri als kleines Judenkind von den sogenannten Schwarzen, einem Nachbarvolk von Andorra, gerettet zu haben. In Andorra werden Juden zwar nicht verfolgt, doch trifft man hier auf viele Vorurteile antisemitischer Art. In Wirklichkeit versuchte der Lehrer jedoch nur, einen Seitensprung mit einer Senora von den Schwarzen zu vertuschen, indem er das uneheliche Kind als Judenkind deklarierte. Andri ist also tatsächlich Barblins Halbbruder. Dieser Umstand wird zum Problem, als Andri um Barblins Hand anhält. Der Lehrer Can, der seine Probleme immer häufiger im Alkohol zu ertränken versucht, bekommt Gewissenskonflikte. Er muss die Stadt mit der Wahrheit konfrontieren und sein Lügengebilde einstürzen lassen, um einen Inzest seiner Kinder zu verhindern. Aber auch, weil Andri auf Grund seiner falschen Identität zunehmend ausgegrenzt und gedemütigt wird. Zudem drohen die Schwarzen als Besatzer in die Stadt einzufallen, womit Andris Schicksal als Jude besiegelt wäre.

Mehr zum Thema:

Warschau will neuen Glanz für Praga

Warschau will neuen Glanz für Praga

UN: Zahl der Syrien-Flüchtlinge übersteigt 5-Millionen-Marke

UN: Zahl der Syrien-Flüchtlinge übersteigt 5-Millionen-Marke

Müntefering zur Türkei: "Der Angriff trifft nicht nur mich"

Müntefering zur Türkei: "Der Angriff trifft nicht nur mich"

Eine Reise nach Rom: Besuchen Sie die Hauptstadt Italiens

Eine Reise nach Rom: Besuchen Sie die Hauptstadt Italiens

Meistgelesene Artikel

Hier kommen Lämmer im Minutentakt zur Welt

Hier kommen Lämmer im Minutentakt zur Welt

Wartehäuschenbau unter keinem guten Stern

Wartehäuschenbau unter keinem guten Stern

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Kommentare