Bisher Unbekannte verstümmeln Eichen in Posthausen / Anwohner räumt „Ringeln“ ein

„Todgeweiht“

Wer die Eichen am Mühlendamm verstümmelt hat, ist noch unklar.
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Wer die Eichen am Mühlendamm verstümmelt hat, ist noch unklar.

Posthausen – In Posthausen hat die Säge gewütet. Mehrere Eichen am Mühlendamm haben sichtlich Schlagseite: Während die über die Fahrbahn hängenden Äste unberührt scheinen, wurden die über den Graben Richtung Privatgrundstücke ragenden Baumteile rigoros abgeholzt. Wer für die Verstümmelung der Bäume verantwortlich ist, ist noch unklar. „Wir prüfen und ermitteln das gerade“, erklärt Ralf Schack, Bauamtsleiter der Gemeinde Ottersberg, auf Nachfrage.

„Wir sind entsetzt und einigermaßen sprachlos“, sagt Schack.

Bekannt ist dagegen bereits der Verursacher der irreparablen Beschädigung von drei Eichen an der vom Mühlendamm abzweigenden Alten Mitteldorfer Straße: Ein Anwohner hat die Bäume „geringelt“, so der verniedlichende Fachausdruck für das ringförmige Entfernen der Rinde am unteren Teil des Stamms. Durch die Versorgungsunterbrechung stirbt ein Baum nach dem Ringeln in der Regel langsam ab. Die Gemeinde als Eigentümerin der todgeweihten Eichen hat Anzeige gegen den Verursacher erstattet, der die Tat Schack zufolge gegenüber den ermittelnden Beamten der Polizei eingeräumt hat.

Die Gemeinde fordert von dem Anwohner Schadensersatz und hat nach Schacks Worten einen Gutachter mit der gerichtsfesten Beurteilung des Werts der Bäume und der Höhe des Schadens beauftragt. „Da können schnell ein paar tausend Euro zusammenkommen“, meint der Bauamtsleiter. Seiner Einschätzung nach sind diese Eichen im öffentlichen Seitenraum der Alten Mitteldorfer Straße, an der erst vor wenigen Jahren einige neue Häuser gebaut wurden, ungefähr 30 Jahre alt.

Ungeklärt ist bislang, wer den Bäumen am benachbarten Mühlendamm so radikal und laut Schack unfachmännisch zu Leibe gerückt ist und ihnen mutmaßlich tödliche Schnittwunden zugefügt hat. Weder der Bauhof der Gemeinde Ottersberg noch der Gewässerunterhaltungsverband, der für die vielen Gräben entlang der Straßen in den Moordörfern zuständig ist, waren nach aktuellem Kenntnisstand des Bauamtsleiters hier am Werk. „Die Recherchen laufen“, versichert Ralf Schack. Eine Strafanzeige folgt möglicherweise.

Nicht ausgeschlossen, dass sich auch in diesem Fall Unbefugte, aus welchen Gründen auch immer, mit Steiger und Säge an den mächtigen Straßenbäumen und damit an öffentlichem Eigentum vergriffen haben.

Für Sabrina Kernhoff, die die verstümmelten Eichen in Posthausen beim Vorbeifahren gesehen und deshalb bei der Gemeinde angerufen hatte, wäre das nichts Neues: Dass sich Menschen unerwünschter Bäume einfach entledigen, hat die Achimer Sprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) schon mehrfach erlebt und angeprangert. „Bäume machen Arbeit, werfen Laub ab, nehmen Licht, versperren die Aussicht, können umfallen ... Das alles widerstrebt dem menschlichen Ordnungssinn, dem heute alles untergeordnet wird“, kritisiert Kernhoff den rücksichtslosen Egoismus, mit dem scheinbar störende Natur platt gemacht werde. Aber gerade große, alte Eichen als lebenswichtige Sauerstoff- und Schattenspender „haben wir nicht mehr so viele“.

Die betroffenen Eichen in Posthausen sind nach Kernhoffs Einschätzung todgeweiht: „Da wurden richtig dicke Äste abgesägt und Stammholz beschnitten.“ Die Wundflächen seien so groß, dass Pilze und Keime leichtes Spiel hätten: „Die Bäume sterben vermutlich ab.“

Von Petra Holthusen

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