Jugend-Auszeichnung für demokratisches Engagement und Zivilcourage

Thore Clausen erster Cato-Preisträger

Die Gastgeberinnen Dr. Angelika Saupe (l.) und Marlies Meyer (r.) mit Cato-Preisträger Thore Clausen (Mitte).
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Die Gastgeberinnen Dr. Angelika Saupe (l.) und Marlies Meyer (r.) hatten sich für die Preisverleihung einen größeren Rahmen gewünscht. Beide zeigten sich aber überglücklich, den Cato-Preis an Thore Clausen (Mitte) übergeben zu können.

Im Garten von Buthmanns Hof in Fischerhude wurde jetzt erstmals der Cato-Preis für demokratisches Engagement und Zivilcourage vergeben. Thore Clausen, Student aus Riede, überzeugte die Jury mit seinem Comic über die Namensgeberin des Preises, Cato Bontjes van Beek. Auf 18 Seiten erzählt das Comic vom Wirken der Fischerhuder Widerstandskämpferin im Nationalsozialismus.

Fischerhude – Thore Clausen, so heißt der erste Jugendpreisträger des neu ins Leben gerufenen Cato-Preises für demokratisches Engagement und Zivilcourage. Der 20-jährige Student aus Riede, der 2019 erfolgreich sein Abitur am Achimer Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium abgelegt hatte, überzeugte die Jury mit einem Comic. Das imposante Zeichenwerk mit dem Titel „Cato Bontjes van Beek“ erzählt auf 18 selbst illustrierten Seiten die Geschichte der Fischerhuder Widerstandskämpferin im Nationalsozialismus.

Seit 2014 erinnert der „Frauenort Cato Bontjes van Beek“ an das Leben und Wirken der Fischerhuderin, die im Alter von nur 23 Jahren von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde und am 14. November des vergangenen Jahres 100 geworden wäre. Neben vielen anderen Erinnerungen hat die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Frauenort Cato Bontjes van Beek“ einen Jugendpreis in Höhe von 2 000 Euro aus der Taufe gehoben. Der Jugendpreis soll junge Menschen im Alter zwischen 12 und 27 Jahren würdigen, die sich ungeachtet der persönlichen Folgen couragiert gegen Gewalt, Unrecht und Ausgrenzung einsetzen. Er fördert junge Menschen, die Erinnerungsarbeit leisten und Spuren von Unmenschlichkeit und vergangenes Unrecht im Landkreis Verden sichtbar machen, sich aktiv für ein gleichberechtigtes demokratisches Zusammenleben und gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung von Menschen einsetzen. Das Preisgeld wird getragen durch die Frauenort-AG, das Netzwerk Erinnerungskultur im Landkreis Verden, durch den Flecken Ottersberg und die Stadt Achim, das Netzwerk Wabe sowie durch eine private Spende der Fischerhuderin Ingrid Stelter.

Weil die fünfköpfige Jury aus formalen Gründen in Präsenz zusammenkommen muss, was wegen der Pandemie nicht vor dem 16. April möglich war, konnte der Preis erst am Freitagnachmittag im Außenbereich des Fischerhuder Buthmanns Hofs übergeben werden. Unter Beachtung der geltenden Corona-Hygieneregeln und vor wenigen geladenen Gästen. „Leider nicht in dem feierlichen Rahmen, den wir uns gewünscht haben“, beklagte Gastgeberin Marlies Meyer, Gleichstellungsbeauftragte im Flecken Ottersberg.

Sechs Kandidaten hatten sich bis zum 30. November des vergangenen Jahres beworben: zwei Einzelpersonen und vier Gruppen. „Die Einreichungen spiegeln das breite Themenspektrum des Preises wider“, bemerkt Achims Gleichstellungsbeauftragte Angelika Saupe, „darunter Bücher und Filme zum Thema Mobbing oder Rechtsextremismus und eine Antirassismus-Aktion.“

Der Sieger erhielt neben dem Preisgeld eine Urkunde, alle Teilnehmer bekamen eine DVD mit dem Cato-Konzert-Film, der zum 100. Geburtstag entstanden war. Thore Clausen hatte bereits vor der Abiturphase mit der Arbeit an dem Comic begonnen und diesen erst während des Studiums beendet. Entstanden sind die Zeichnungen von Hand mit Finelinern.

Anschließend habe er die Seiten eingescannt und am Computer nachbearbeitet, berichtete der Preisträger. Der Comic liefere Einblicke in Catos Leben und vermittle anschaulich die Schrecken des Hitlerregimes. „Das ist mein erster Comic, und ich bin mit der Preisvergabe ziemlich überrascht worden“, erklärte der 20-Jährige. Was er mit dem Preisgeld anstelle solle, wisse er noch nicht. Fest steht allerdings, dass weitere Buchprojekte folgen werden. Der Comic mit dem etwas sperrigen und langen vollständigen Titel „Cato Bontjes van Beek – 14.11.1920 bis 05.08.1943, hingerichtet in Plötzensee. Eine abgebrochene Biografie einer mutigen Frau“ ist in Kürze zum Preis von 15 Euro über den Buchhandel erhältlich. Der Cato-Preis wird auch weiterhin durch die Initiatoren ausgelobt, allerdings in diesem Jahr nicht mehr, sondern erst wieder 2022.

Von Ingo Schmidt

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