Theater auf dem Flett begeistert mit „De Biberpelz“ im Heimathaus Irmintraut

Lachen an der Armutsgrenze

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Mudder Wolffen weiß, wie es geht und wie sie zu ein bisschen mehr Wohlstand kommt. Und dafür manipuliert sie liebend gern andere Menschen, wie ihren Mann Julius.

Fischerhude - Gerhard Hauptmanns naturalistisches Drama „Der Biberpelz“ gilt auf Theaterbühnen seit der Uraufführung 1893 in Berlin nicht zwingend als leichte Kost. Nicht so, wenn es in plattdeutscher Sprache inszeniert wird, wie das Theater auf dem Flett des Stader Landschaftsverbands es tut und damit außerordentlich erfolgreich durch die Lande tourt.

Am Sonnabend war das Heimathaus Irmintraut in Fischerhude fast ausverkauft, und die Zuschauer hielten sich die Seiten vor Lachen angesichts der Milieustudie, die der bigotten Gesellschaft der Kaiserzeit den Spiegel vors Gesicht hielt.

Protagonistin ist Mudder Wolffen (Isa Steffen), eine Waschfrau sehr arbeitssam und in herrschaftlichen Diensten, aber dennoch immer an der Armutsgrenze. Grund genug für sie, ihre kargen Einkünfte durch schlitzohrige Geschäfte aufzubessern. Ihren Mann Julius (Günter Schulz) nötigt sie geschickt und mit dem einen oder anderen Zugeständnis an dessen Vorliebe für den Alkohol, durch Wilderei und kleine Diebstähle die Kasse aufzubessern, ihre Tochter Adelheid (Kerstin Umierski), die bei der Witwe Krüger in Stellung ist, wird ebenfalls für nicht ganz sauberen Zwecke eingespannt.

Dabei ist Mudder Wolffen sehr darauf bedacht, ihren guten Leumund nicht zu verlieren und wenn im Dorf etwas wegkommt, wie zum Beispiel zwei Raummeter festes Feuerholz bei der Witwe Krüger, so gerät sie nicht einmal unter Verdacht, obwohl das Holz wie durch Zauberhand in ihren Schuppen gelangt ist.

Sobald irgendetwas, das sich zu Geld machen lässt, ihre Begehrlichkeit weckt, hat sie schon einen Plan, wie sie dran kommt. Amtmann Wehrhahn Jakob Brandt), dessen Frau bei der Wolffen die Wäsche waschen lässt, obliegt es, die Diebstähle aufzuklären. Der kaisertreue Beamte hat seine eigenen Vorstellungen von Recht und Ordnung. Er meint, Land und Leute genau zu kennen. Unter dem Konterfei seines verehrten, allerobersten Dienstherrn, Kaiser Wilhelm II. entwickelt er in seiner Amtsstube Theorien zur Verbrechensbekämpfung, die beim Publikum anhaltendes Gelächter hervorriefen.

Insbesondere Demokraten sind ihm ein Dorn im Auge. Mit gezwirbeltem Schnäuzer marschiert er im Stechschritt zu den zackigen Klängen des Radetzki Marsches in seiner Amtsstube auf und ab, lässt sich von Mudder Wolffen auf die eine oder andere falsche Fährte locken und gibt den treuen, aber streng wilheminischen Staatsdiener.

Derweil fasst die plietsche Waschfrau bereits ihren nächsten Coup ins Auge. Ein Biberpelz hat es ihr angetan. Und in dem ebenso windigen Schiffer Wulkow hat sie bereits einen Abnehmer. Natürlich will sie sich nicht selbst bereichern. Auf keinen Fall. Sie ist nur darauf aus, bescheidenen Wohlstand anzuhäufen, um Sommergäste zu beherbergen, um ihrer Familie damit ein besseres Auskommen zu verschaffen.

Regisseur Thomas G. Willberger, der mit seinem Produktionsteam das Flett des Heimathauses in zwei Spielorte geteilt hatte, gelang es, die wilheminische Zeit aufleben zu lassen und Bürgertum sowie die unteren Schichten der Gesellschaft gegenüber zu stellen.

Das Bühnenbild, die Kostüme und die Maske, vor allem aber die textliche Umsetzung in die plattdeutsche Sprache trugen maßgeblich dazu bei, diese Sozialkomödie, Hauptmanns meistgespieltes Stück, zu einem Erfolg werden zu lassen. Bis Oktober tourt das Ensemble noch durch den Elbe-Weser-Raum.

kr

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