Aufenthaltsqualität

Tasse Kaffee zum Buch wäre ein Traum

Das Team der Gemeindebücherei Ottersberg mit (v.li.) Sandra Burow, Leiterin Karen Marheine, Karin Frese und Birgit Gerdts - alle vier zusammen teilen sich hier 1,89 Stellen - pflegt einen sehr persönlichen Kontakt zu den Lesern und hält am Traum von einem Wintergarten für mehr Aufenthaltsqualität in der Bücherei fest. Foto: holthusen

Ottersberg - Von Petra Holthusen. „Als die erste sagte, es ist zu warm zum Lesen“, schüttelte Karen Marheine ungläubig den Kopf. Sowas hatte sie „noch nie erlebt“. Nach dem Jahrhundertsommer wusste die Büchereileiterin: „Es ist wirklich so gewesen - es war selbst zum Lesen zu heiß.“ Das spiegeln auch rückläufige Zahlen in der Jahresstatistik 2018 der Ottersberger Gemeindebücherei. Sorgen macht sich Marheine deshalb keine: „Wir sind da ausleihtechnisch in sehr guter Gesellschaft: Auch andere Bibliotheken haben diese Zahlen.“ Außerdem seien im Zuge gesellschaftlicher Strömungen Schwankungen bei der Nutzerfrequenz über die Jahre für Büchereien normal: „Das wird sich wieder einpendeln“, ist Marheine sicher.

Der fortlaufend aktualisierte Medienbestand ist leicht gewachsen: 18 548 Medien, neben Büchern auch Zeitschriften, Filme und Hörbücher, stehen in Ottersberg zur Verfügung, 3489 in Fischerhude und 3058 in Posthausen - macht zusammen 25 095. Leihgebühren werden nur für DVDs und CDs fällig.

Beim Einkauf muss Karen Marheine allerdings jeden Cent umdrehen: „Ich bekomme immer weniger Bücher für mein Geld.“ Denn mit den steigenden Preisen hält das Budget der Gemeindebücherei nicht mit: Der vom Flecken zur Verfügung gestellte Etat stagniert seit Jahren bei 11 700 Euro. Davon gehen aber schon mehr als 3600 Euro für Büchereiprogramme, Onleihe und E-Book-Verbund ab. Und „Bücher werden immer teurer“, sagt Marheine. Vieles kaufe sie schon aus zweiter Hand, aber bei sehnlich erwarteten Neuerscheinungen, für die es regelmäßig zig Vormerkungen von Büchereikunden gibt, „kann ich nicht ein Jahr warten, bis es das günstig gibt“. Einiges bekommt sie geschenkt: „Wir haben Leser, die uns ganz toll unterstützen mit Buchgeschenken - die sich selbst eine Neuerscheinung kaufen und sie nach dem Lesen uns überlassen. Das hilft ungemein“, erzählt die Büchereileiterin, die nächste Woche bei der Vorstellung ihrer Jahresstatistik im Kulturausschuss der Gemeinde auf eine Erhöhung des Büchereibudgets drängen wird.

Im Flecken, der sich mit Gymnasium und Hochschule auch als Bildungsstandort versteht, spielt die Bücherei eine besondere Rolle. Das benachbarte Schulzentrum ist eng angebunden, und auch die beiden Internetarbeitsplätze samt Drucker werden rege genutzt. Für Berufstätige gibt es die Öffnungszeit am Samstag: „Ohne die“, so Marheine, „geht es gar nicht mehr. Da ist hier richtig was los.“ Kunstfreunde können in der angeschlossenen Artothek Gemälde ausleihen - eine echte Besonderheit. Attraktiv gestaltet ist der Kinder- und Jugendbereich mit Kuschelsofa zum Bilderbuchschmökern. So eine Aufenthaltsqualität wünschen sich Marheine und ihre drei Mitarbeiterinnen - alle vier Teilzeitkräfte teilen sich zusammen 1,89 Stellen - auch für die erwachsenen Leser: „Den Traum von einem Wintergarten-Anbau geben wir noch nicht auf.“ Die Bücherei sei eine Anlaufstelle gerade auch für Ältere: „Man tauscht sich aus über Bücher, schnackt auch mal über was anderes“ - und da wäre eine nette Ecke mit Sitzmöbeln und Kaffeeautomat schon schön. „Der Trend geht dahin, dass man sich trifft, aufhält, blättert, schmökert, verweilt“, hat Marheine die Leser-Wünsche aufgenommen. Zumal die Gemeindebücherei ohnehin einen sehr persönlichen Kontakt zu ihren Nutzern pflegt: „Das ist der Vorteil einer kleinen Bücherei: Man kennt seine Leser.“ Von Größe und Masse her, so Marheine, „kommen wir gegen Bremen und Verden nicht an, aber wir bedienen die Nische und beraten gut und gerne - und das wird ganz viel genutzt“. Die Büchereileiterin selbst liest viel Kinder- und Jugendliteratur, „um Eltern Empfehlungen geben zu können“.

Was die zukunftsfähige Entwicklung der Bücherei angeht, so setzt Marheine auch auf die lange zugesagte und jetzt endlich in Vorbereitung befindliche WLAN-Installation, die neue digitale Möglichkeiten gerade für junge Büchereinutzer eröffnet.

Die Gemeindebücherei-Statistik 2018:

54 700 Entleihungen stehen bei der Gemeindebücherei für 2018 zu Buche - weniger als 2017 (57 171), mehr als 2016 (53 313). 34 725 der Ausleihen gingen über den Tresen in Ottersberg. In den Filialen in den Grundschulen Fischerhude und Posthausen wurden 6092 bzw.10 065 Bücher entliehen. Insbesondere Posthausen „brummt“ mächtig. Darauf ist Büchereichefin Marheine stolz: „Unser Büchereiangebot an den Grundschulen ist die beste Leseförderung.“ Zumal die Zahl der Kinder, die den Umgang mit einem Buch von zu Hause aus nicht mehr kennen, wachse. Ziemlich konstant ist mit 3818 die Zahl der E-Book-Ausleihen - trotz technischer Probleme des Anbieters, über die es „völlig berechtigte Beschwerden“ von Lesern gegeben habe. Der Verbund der Büchereien arbeite intensiv an einem Anbieter-Wechsel. Aktive Leser verzeichnete die Gemeindebücherei an allen drei Standorten zusammen im vorigen Jahr 1307 - die niedrigste Zahl seit zehn Jahren. Mehr als die Hälfte der aktiven Nutzer waren Kinder und Jugendliche (691). Laut Statistik besuchten 22 040 Menschen die Gemeindebücherei bei 1090 Öffnungsstunden. Dazu kamen Veranstaltungen wie die Einführung in die Bibliotheksnutzung für Schulklassen, Bilderbuchkinos und Krimiabende.

Die Öffnungszeiten:

Die im historischen Schulgebäude am Brink beheimatete Gemeindebücherei Ottersberg bietet mehr als 18 500 Medien zur Ausleihe an: Romane, Krimis, Kinder- und Jugendliteratur, Filme, Zeitschriften und Hörbücher. Darüber hinaus stehen Kunden im Rahmen der „Onleihe“ eBooks und ePaper rund um die Uhr zur Verfügung. Die Öffnungszeiten der Bücherei sind: montags und mittwochs von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 14 bis 19 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr. Büchereileiterin Karen Marheine und ihr Team sind telefonisch unter 04205 / 2470 erreichbar.

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